Zwischenstopp in Bangkok

Zwischenstopp in Bangkok

Bangkok ist eines der bekannten Luftdrehkreuze in Asien, das wir noch nicht erkundet haben. Somit ist die Millionenmetropole für uns einen Zwischenstopp auf dem Weg von Myanmar nach Hause wert. Nach unserer Zeit in Myanmar, geprägt von buddhistischer Zurückhaltung und der einfachen Lebensweise der Menschen, tauchen wir nun in Bangkok ziemlich abrupt in eine schrille, bunte und chaotische Welt ein, die uns schlagartig in die Welt des Massenkonsums zurückholt. Für uns ist das zugegebener Weise nach den Erlebnissen der letzten zwei Wochen erst einmal ein regelrechter Kulturschock.

Wohnen im Ballungsraum Bangkok - ein Seitenarm des Chao Phraya

Wohnen im Ballungsraum Bangkok – ein Seitenarm des Chao Phraya

Unsere erste Nacht in Bangkok macht uns dann auch gleich körperlich zu schaffen. Da wir eigentlich auf die Klimaanlage verzichten wollen, schalten wir diese vor dem Schlafengehen aus. Ein Fehler, denn mitten in der Nacht wachen wir durchgeschwitzt auf und können nur noch schwer einschlafen – das Thermometer zeigt kuschelige 26 Grad. Wir aktivieren freiwillig die nun noch lautere Klimaanalage, aber an echten Schlaf ist nicht mehr zu denken. Der nächste Tag beginnt entsprechend mit einem flauen Magen und reichlich Kopfschmerzen. Noch in der angenehmen Morgenluft chartern wir uns eines der vielen bunten Longtail-Boote und lassen uns durch Bangkoks Kanäle entlang des Chao Phraya schippern. Bis zu diesem Zeitpunkt war uns überhaupt nicht klar, dass die Stadt eigentlich im Fluss entstanden ist. Nur wenige hölzerne Stelzenhäuser außerhalb des Stadtzentrums zeugen noch heute davon.

Was wäre Bangkok ohne Tuk Tuk?

Was wäre Bangkok ohne Tuk Tuk?

Später lassen wir uns von unserem Boot am „Grand Palace“, dem Palast des thailändischen Königs, absetzen. Und hier verschlägt es uns wirklich den Atem: Es ist heiß, tausende von Menschen sind auf dem Gelände unterwegs und die alten Gemäuer entpuppen sich mit ihren Glasmosaiken und Keramikfiguren als wirklich beeindruckend und  äußerst fotogen.  Nach fast 3 Stunden im Palast sind wir schließlich völlig nassgeschwitzt und wollen uns mit einem der lustigen Tuk Tuks den Weg zum What Phra Tempel verkürzen. Was folgt, ist erst einmal ein wirklich hartes Verhandeln mit dem Fahrer und anschließend eine knapp viertelstündige Staufahrt für einen Kilometer Fahrweg mitten im Bangkoker Verkehrschaos.

Seb vor dem größten liegenden Buddha in Thailand

Seb vor dem größten liegenden Buddha in Thailand

What Phra ist nicht nur ein Tempel sondern eine ganze Tempelanlage mit vielen Pagoden, Gärten und Tempeln aus viel Keramik. Auch hier verbringen wir wieder reichlich Zeit und lassen auch unsere Kamera heiß laufen. Unter anderem beherbergt die Anlage in einem Seitengebäude Thailand’s größten liegenden Buddha – ein wirklich goldener Riese. What Phra ist zudem noch ein aktives Kloster. Dies wird spätestens deutlich, als wir einer Prozession folgen, die von einem singenden Mönch angeführt immer wieder einen Tempel umrundet.

Blick auf Bangkoks Altstadt vom Wat Arun aus

Blick auf Bangkoks Altstadt vom Wat Arun aus

Mit der Fähre, dem im Übrigen am besten funktionierenden Verkehrsmittel in der historischen Altstadt,  setzen wir in den späten Nachmittagsstunden zum Westufer des Chao Phraya Rivers über um den bekannten Wat Arun Tempel zu besuchen – ein Vergnügen, welches wir auch hier wiederum mit sehr vielen anderen internationalen Touris teilen. Auch dieser Tempel ist von oben bis unten mit Keramik und verschiedenen Figuren sowie Mosaiken verkleidet. Aber eigentlich ist die Schönheit des Tempels eher Nebensache, denn von der oberen Plattform der Anlage hat man einen sehr guten Blick auf Bangkoks Altstadt.

Abends tauchen wir noch einmal intensiver in das Nachtleben im Backpacker-Viertel ein: Überall gibt es offene Garküchen, Stände mit Klamotten, Flip-Flops, Sonnenbrillen und billigen Elektronik-Artikeln. Die Straße ist voller Menschen, es ist schrill, stickig und es liegt ein ganz besonderer Duft von Thai-Küche in der Luft.  Alle paar Meter gibt es einen Massagestand oder auch einen Schneiderladen für preiswerte maßgeschneiderte Anzüge. Als wäre das nicht genug, quetschen sich durch die Fußgängerzone immer wieder Motorroller, Tuk Tuks oder gar Minibusse hindurch. Die Kleiderordnung ist klar: Kurz und knapp – Kontrastprogramm zu Myanmar! Als wir dann die ersten betrunkenen Mitteleuropäer auf der Partymeile zu Gesicht bekommen, beginnen wir uns ein wenig für unsere Landsleute zu schämen….

Säckeweise Blumen auf dem Pak-Khlong-Markt für Girlandenschmuck

Säckeweise Blumen auf dem Pak-Khlong-Markt für Girlandenschmuck

Der nächste Tag ist Valentinstag und ein wichtiger buddhistischer Feiertag in Thailand. Früh morgens sind wir bereits unterwegs auf dem Markt „Pak-Khlong“ in Chinatown. Es ist einer dieser typischen asiatischen Märkte, auf denen es allerlei Obst und Gemüse aber auch zahlreiche Blumen & Blüten gibt. Auffallend an diesem Tag sind schiere Unmengen von Rosen mit roten Herzen und weißen Teddy-Bären –  der Valentinstag wird hier offensichtlich sehr ernst genommen.

Von Chinatown aus geht es mit der Hochbahn nach Down-Town Bangkok. Eigentlich wollen wir den Lumphini Park besuchen, doch wir machen einen respektvollen Bogen darum, als wir die ersten politischen Demonstranten sehen, die den Park offensichtlich in eine Zeltstadt verwandelt haben. Weiter also mitten ins Zentrum von Bangkok. Als wir in Siam die Bahn verlassen, fallen uns nicht nur die gigantischen Shoppingmalls auf, sondern auch ein kleiner bunter Markt im Schatten der Hochstraßen. Als wir uns schließlich mitten im bunten „Markttreiben“ befinden, merken wir, dass es eigentlich nur reichlich T-Shirts und anderes Merchandising gegen die aktuelle Thailändische Regierung gibt. Wir treten zwar zügig den Rückweg an, allerdings ist nichts von der in der Presse so aufgeheizt beschriebenen Stimmung zu spüren. Auch wir fühlen uns vergleichsweise sicher.

Beim eigentlichen Feiertag handelt es sich um den „Makha Bucha“. Dass es sich überhaupt um einen Feiertag handelt, fällt uns erst am Nachmittag auf, als wir den Tempel auf dem Goldenen Hügel mitten in der Altstadt besuchen: Mit uns tun dies nämlich gefühlt tausend andere Menschen, die den Hügel und zugehörigen Tempel in einer Art Prozession besteigen. Entsprechend voll ist es auf dem Dach des Tempels: Überall umrunden Menschen den goldenen Stupa auf dem Dach und halten für wenige Minuten an einer Buddha-Statue inne um zu beten oder Spenden abzulegen. Sogar Geld wedelt wie auf einer Wäscheleine im Wind.