Packhaus in Motueka

Wir hatten ein Auto

Motueka, Neuseeland

Die Dusky Lodge (das Backpackers mit den abgewrackten Leuten…) ist dann doch noch sowas wie ein Langzeitunterkunft fuer uns geworden. Zwangsweise, denn leider ist nicht alles mit der Autoreparatur so glatt gelaufen, wie wir uns das so vorgestellt hatten! Ausgerechnet am Freitag, den 13. durften wir unseren Wagen wieder aus der Werkstatt holen. Am spaeten Nachmittag starteten wir mit unseren vermeindlich reparierten Wagen in Richtung Motueka.

Was meint Ihr, wie weit wir eigentlich gekommen sind? Nun, nach 30 km zuckte die Temperaturanzeige das erste Mal in Richtung heiss und nach 56 km mussten wir links ran fahren da es wieder im Kuehler kochte! Und dafuer hatten wir so ein Haufen Kohle ausgegeben?! Zum Glueck holte uns die Werkstatt noch zurueck (was nur moeglich war, weil der Mechaniker das Thermostat auf der Strasse ausgebaut hatte) und wir waren somit wieder das ganze Wochenende in dem verdammten Kaikoura gefangen! Am naechsten Tag stellten wir auch noch fest, dass wir nun noch ein paar Probleme mehr hatten: Wir verloren Kuehlwasser und ausserdem reichlich Oel aus dem gerade reparierten Motor!

Waehrend der Wartezeit reifte in uns immer mehr der Gedanke, die Karre endlich vom Hals zu bekommen und die Reperaturkosten von immerhin 1500 $ zurueckerstattet zu bekommen. Irgendwanne starteten wir also am Samstag abend noch einen kleinen Garage-Sale (Flohmarkt) um unseren Campingkram los zu werden.

Und das hatte auch recht gut funktioniert. Nur unser begehrtestes Stueck, ein Campingkocher, wurde uns noch am Sonntag Abend aus dem Auto gestohlen. Vermutlich hatten wir in dem ganzen Gefuelschaos vergessen, die Heckklappe richtig abzuschliessen. So lag im Auto nur noch der Campingkocher – fuer irgendjemanden Wertgegenstand genug, um ihn uns zu klauen. Gluecklicherweise hatten wir nicht mehr andere wertvolle Sachen im Auto. Wir haben Kaikoura abermals verflucht!

Eine andere Deutsche hatte Kaikoura uebrigens auch mit einem Motorrad erreicht. Als sie Kaikoura verlassen wollte sprang der Motor nicht mehr an. Schaden: 2000$ – sie konnte ihr Bike hier stehen lassen.
Am Montag nahm sich die Werkstatt nochmal unseres Wagens an. Folgendes wurde festgetellt: Das viele Oel kam aus einer Motorendichtung und das Wasser aus einem defekten (zuvor gereinigten) Kuehler. Noch groesser aber die Ursache des erneuten Ueberhitzen des Wagens: Irgendwo hatte der Motor einen Riss! Fuer uns Anlass genug, “ Vanni“ jetzt erst recht stehen zu lassen, denn eine weitere Reparatur haette jegetliches Budget ueberstiegen. Und so erhielten wir fuer einen Haufen Schrott noch unsere 1500$ und liessen das Auto quasi stehen.

Fuer uns die beste Entscheidung. Wir beide fuehlten uns nach dem „Verkauf“ des Wagens erheblich erleichtert. Back to the roots eines Backpackers: Seit letztem Montag fahren wir nun Bus und haben nur noch jeder zwei volle Rucksaecke bei uns.

Letzten Dienstag sind wir mit dem Bus also nach Motueka gefahren, denn dort hatten wir uns in der Zwischenzeit einen Job als Apfelpfluecker besorgt. Die Busfahrt dauerte 6 Stunden, und – no worries, stellte sich im Nachhinein doch als recht abenteuerlich heraus, denn unser Bus hatte mal wirklich gar kein Profil mehr auf den Hinterreifen!!! Die waren voellig abgefahren und die Busfahrer sind nicht gerade zaghaft um die Kurven geheizt.

In Motueka haben wir eine wirklich schoene Langzeitunterkunft gefunden. Doppelzimmer mit eigenem Bad – preiswert, ordentlich und damit seeeeehr angenehm fuer uns.

Vergangenen Mittwaoch haben wir dann mit Apfelpfluecken gestartet. Anne hat die Baeume unten herum abgepflueckt und ich war den ganzen Tag auf der Leiter. Und so viele Aepfel auf einem Baum – Wahnsinn! Bei besten Sonnenschein schafften wir allerdings zusammen „nur“ sechs Bins (Apfelkisten mit 450 kg Inhalt) an diesem Tag. Voellig platt trampten wir vom Feld zurueck nach Motueka. Uebrigens funktioniert Trampen hier fast wie Busfahren: Einfach Hand raus und spaetestens 10 Minuten spaeter haelt irgend jemand an und nimmt einen mit! Das Apfelpfluecken stellte sich besonders fuer Anne als etwas zu anstrengend und nicht lohnend heraus. Damit das Pfluecken naemlich interessant wird, sollte man in den acht Stunden ca. 4-5 Bins pro Person schaffen. Ansonnsten kann man getrost einen 8h-Job anderswo annehmen, bei dem man fuer einfachere Arbeit das gleiche oder gar mehr verdient.

Also sind wir Mittwoch abend noch auf die Suche nach einer Alternative fuer Anne gegangen und haben ziemlich viel abgeklappert. Und wieder kam uns der Zufall zu Hilfe: In unserer Unterkunft gab es gerade einen neuen Aushang von einer Firma, die Kiwi- und Apfelkartons herstellte. Nach einem erfolgreichen „Bewerbungsgespraech“ am naechsten Morgen machte Anne mir den Job auch noch schmackhaft und so begannen wir Freitag als Verpackungshersteller. Also wenn ihr jetzt im Supermarkt Verpackungen von Aepfeln und Kiwis seht, haben wir sie vielleicht an der Maschine zurecht gefalten. Fuer die naechsten vier bis sechs Wochen werden wir hier nun Kartons herstellen, nicht die schlechteste Arbeit. Wir mussen jetzt allerdings (fuer einen Langzeiturlauber recht unangenehm) jeden Morgen 5.30 Uhr aufstehen um 7.00 anfangen zu koennen.

Heute Morgen wollten wir dann ausschlafen. Denkste! Feueralarm 7.00 Uhr im Backpackers. Ausgeloest durch einen heissgelaufenen Haartrockner! Und tatsaechlich: Es kamen dann auch gleich zwei Feuerwehrautos. So aufgewacht haben wir uns dann zurechtgeknirrscht und waren hier in Motueka auf dem Sonntagsmarkt. Hier gibt es uebrigens mal wieder Spezialitaeten von zu Hause: Bratwurst, Leberkaese, Leberwurst, Bierschinken … und dunkles, „deutsches“ Brot sowie Sauerkraut. Damit werden wir uns jetzt wohl die naechsten Wochen jeden Sonntag eindecken … das muss man einfach ausnutzen!!