Bankenviertel Hongkong Island

Willkommen in Hongkong

Um 6.15 Uhr sind wir im Sonnenaufgang nach schlaflosen 10 Stunden Flug in Hongkong gelandet. Noch vor der Einreise und Passkontrolle wird uns schlagartig bewusst, in welchem Teil der Welt wir uns befinden. Überall Sicherheitsbeamte mit Mundschutz, die nach Einreisenden mit Fieber schauen. In Hongkong gilt der Pandemieplan des Gesundheitsministeriums wegen der Schweinegrippe.

Anders als viele andere Touristen entscheiden wir uns nicht für den komfortablen Reisebus zum Hotel sondern für den Linienbus. Wir wollen soviel wie möglich „echte“ öffentliche Verkehrsmittel nutzen, gemeinsam mit den Einheimischen. Der Trip nach Kowloon kostet uns zusammen gerade mal 66 HKD, also etwa 6,50 Euro, für die Fahrt im klimatisierten Bus.
Den Bus verlasssen wir gut eine Stunde später mitten in Hongkong-Downtown, mitten im Stadtteil Mong Kok. Wir werden von einer völlig fremden Welt empfangen. Es ist schwülwarm und überall um uns herum sind Menschen. Das Gedränge ist dicht, es ist laut, es riecht nach Abgasen und um uns herum können wir die Sprache der Menschen nicht verstehen. Auf unseren Marsch zum Hotel werden wir wie Exoten betrachtet, vielleicht sogar belächelt. Touristen mir riesigen Rucksäcken auf den Rücken scheinen hier nicht zum alltäglichen Bild zu gehören.
Unser Hotel entpuppt sich als Glücksgriff. Es liegt außerhalb der Touristenmeilen mitten in einem riesigen „Open-Air-Baumarkt“. Überall um das Hotel herum sind kleine, offene Straßenläden, indem die Einheimischen Rollen, Segeltücher, Armaturen, Werkzeuge und Elektronikkram anbieten.

Da wir unser Zimmer noch nicht beziehen können (es ist gerade erst 9.30 Uhr Ortszeit), entschließen wir uns zu einem kleinen Frühstück. Um unsere europäischen Mägen, die eh schon mit Jetlag belastet sind, noch ein wenig zu schonen, suchen wir nach der einzigen kulinarischen Konstante auf dieser Welt: McDonalds.
Gestärkt entschließen wir uns zu einem Bummel durch die vielen bunten Geschäfte auf der Nathan Road, denn wir sind per Zufall mitten in der Haupteinkaufsmeile Hongkongs gelandet. Noch bevor um elf Uhr Morgens alle Geschäfte geöffnet haben, feilschen vor allem asiatische Touristen bei Prada und Co um die Preise. Schnell lernen wir die Unterschiede zwischen Echt und Unecht – in Plastik eingeschweißte Kameraobjektive sehen zumindest nicht vertrauenswürdig aus. Nach kurzer Zeit haben wir genug davon und wir fahren mit dem MTR (U- Bahn) noch ein Stück weiter Downtown in den Kowloon-Park. Zu unserer Überraschung wartet dort nicht nur Ruhe auf uns, sondern auch frei zugängliches Internet! Fantastisch, wir melden uns per Mail bei den Lieben zu Hause.

Der Rückweg zum Hotel wird zur Tortur: Zwar steigen wir an der richtigen Haltestelle aus, können uns aber mit dem Mini-Stadtplan in unserem Reiseführer kaum orientieren. Alle Straße sehen gleich aus: Hochhäuser links und rechts, Menschen, Geschäfte und überdimensionale Werbetafeln mit chinesischen Schriftzeichen. Wir sind übermüdet und fast am Verzweifeln … Nach einer halben Stunde Herumirrens finden wir dann doch die richtige Straße und wenig später unser Hotel. Schlaf – wir kommen!

Unser Zimmer ist eine kleine Überraschung: Oben im siebten Stock, voll klimatisiert und nett eingerichtet und sogar mit Fenstern in zwei Richtungen! Wie wir von Anne’s Ellis, die auch vor ein paar Jahren in Hongkong waren, gelernt haben, sind nämlich Fenster im Zimmer keine Selbstverständlichkeit. Vor dem Einchecken ins Hotel müssen wir Fieber messen – Sicherheitmaßnahme wegen der Schweinegrippe im Land! Wir bestehen den Test und gönnen uns eine Stunde Schlaf. (Anmerkung Anne: Es ist übrigens ein sehr merkwürdiges Gefühl mit einer Erkältung und schniefender Nase durch Hongkong zu laufen, wenn überall vor Schweinegrippe gewarnt wird, an jeder Ecke Handdesinfektion hängt, Menschen mit Mundschutz auf den Straßen zu sehen sind und im Hotel sogar Fieber gemessen wird. Da heißt es, ja nicht zu krank auszusehen und zuviel herumzuschnupfen, damit man bloß nicht auffällt…)

Mit neuer Energie entschließen wir uns zu einem Ausflug nach Hongkong-Island in den Victoria- Harbour. Es wird bereits Abend, ab 18 Uhr setzt die Dämmerung ein und es ist noch immer heiß. Wir sind fasziniert von der Rush-Hour bei den Bänkern und dem nun folgenden nächtlichen Lichterspiel Hongkongs. Fast scheint es so, als würde die Stadt in der Dunkelheit noch einmal erwachen.
Für den späten Rückweg entschließen wir uns die Fähre von Hongkong Central nach Mong Kok zu nehmen. Hier lernen wir die Preisunterschiede zwischen klimatisierten Oberdeck oder unklimatisierten Unterdeck kennen: Unten zahlt man 1,80 HKD (0,18 €!), oben 2,30 HKD (0,23 €). So funktioniert es auch bei den öffentlichen Bussen in Hongkong.
Der Rückweg zum Hotel wird anstrengend: Überall Menschen, Autos und Geschäfte mit reizüberflutender Leuchtreklame. Die Stadt ist taghell – über Umweltschutz und Schonung natürlicher Ressourcen macht sich hier niemand Gedanken. In unserem Viertel herrscht nun ein Geruch, den man wahrscheinlich nur hier riechen kann: Eine Mischung aus scharfen Gewürzen, schwülwarmer Luft, Menschen und gekochten Hühnerbeinen oder Innereien. Überall gibt es nun kleine Stände mit chinesischem Fastfood. Aber Hongkong ist keineswegs schmutzig! Selten sieht man ein Stück Papier auf der Straße liegen, Dosen oder Glas schon gar nicht. Verliert man ein Taschentuch aus der Hosentasche, so wird man schnell von den Menschen ermahnt, dieses aufzuheben. Überall sind Straßenfeger zu sehen.