Auf dem Cardrona Pass, New Zealand

Westküste

Manapouri,  Neuseeland

Nach zwei erholsamen Nächten nach dem Heaphy Track in Nelson hatten wir uns wieder zurecht sortiert und sauber gewaschen (was nach fünf Tagen Track sehr notwendig war) und sind zur Westküste gefahren. Der Weg dahin war wieder einmal wie erwartet sehr regnerisch. So oft wir die Route Nelson – Westport schon gefahren sind, immer hatten wir Regen. Zu unserer Überraschung aber zog das Wetter an der Westküste wieder auf und wir konnten uns über wärmende Sonnenstrahlen freuen. Auf halben Weg trafen wir in Murchison übrigens wieder unsere vier Wandersdamen vom Heaphy Track, mit denen wir eine Nacht auf der Saxon Hut verbracht hatten. Wie so oft in Neuseeland traf das Sprichwort. „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ wieder zu…

Erste Station an der Westküste war diesmal wieder Punakaiki, einem wirklich sehr speziellen Ort. Bereits während unserer ersten Reise vor zwei Jahren haben wir uns in dieses Örtchen quasi verliebt. Bekannt durch die Pancake Rocks bietet dieses Örtchen aber noch viel mehr – besonders zum Wandern. Noch am Abend unserer Ankunft sind wir noch einmal aufgebrochen um am Pororari -River entlangzulaufen. Drei Stunden lang durchwanderten wir ein von steilen Sandsteinwänden umschlossenes Flußtal mit Regenwald und den für hier typischen Nikaupalmen. Wie schon beim letzten Mal zog uns dieses Tal fast magisch an. Am Ende des Flußtracks verhinderte ein brusttiefes Rivercrossing (wir trafen ein anderes Paar an dieser Stelle die sich gerade wieder nach der eben gemachten Flussüberquerung wieder ankleideten und uns vor der Tiefe des Pororari -Rivers warnten) ein Weiterkommen auf dem sogenannten Inland Packtrack im Hinterland von Punakaiki.
Spät Abends bei Sonnenuntergang genossen wir noch einmal die Pancake Rocks an der Westküste. Wir waren dort fast allein, was hier nicht so selbstverständlich ist. Am Tag bevölkern nämlich  hunderte Touris das Areal.

Am nächsten Morgen sind wir also den Inland Packtrack von der „anderen Seite“ angelaufen. Am Fox River ging es eine schlammige Route entlang zu einer versteckten Höhle in den steilen Sandsteinwänden des Flusstales. Um dort hin zu kommen, mussten wir den Fox River zweimal kreuzen, allerdings nur durch angenehmes knietiefes Wasser. Der Weg zu der hoch gelegenen Höhle war schon ein kleines Abenteuer, denn die feuchten und vermoosten Steine im Wald boten unseren Wanderschuhen so gut wie keinen Halt.

Die Höhle selbst war ein Zweig einer noch viel größeren Höhle in der Felswand, die man ca. 200 Meter lang begehen konnte. Mit Stirnlampen erkundeten wir die Höhle ziemlich fasziniert von den Tropfsteinen in der Höhle. Mitten in der gewunden Höhle trafen wir auf einen französischen Wanderer, der dann auch das schöne Höhlenfoto von uns machte. Eine viertel Stunde später waren wir wieder am Tageslicht und hangelten uns den rutschigen Weg zum Track zurück.

Aus unseren Plan in der Nähe von Hokitika zu nächtigen mussten wir am späten Nachmittag begraben. Fast wären wir ohne Ankündigung zu einem der ausgesuchten Backpacker gefahren und hätten dort vor verschlossenen Türen gestanden. Ein anderes Backpacker in der Nähe der Gletscher war für die nächsten Tage ausgebucht. So waren wir gezwungen noch am selben Abend nach Franz Josef Glacier zu fahren um dort zu nächtigen.
Franz Josef Glacier ist eine der typischen Touristenfallen in Neuseeland. Man fühlt sich ein wenig wie in einem der Skiresorts in den Alpen. An jeder Ecke werben Hotels, Motels und Restaurants um die Gunst der Gäste. Alles ist geprägt vom Massentourismus um die beiden Gletscher Franz Josef und Fox. Entsprechend preisintensiv gestaltet sich hier alles – der Benzin hier ist der teuerste (!) an der ganzen Westküste, wenn nicht gar in ganz Neuseeland. Gut 23 Cent zahlt man hier mehr pro Liter als im übrigen Land, selbst im abgelegenen Haast mit keiner Tankstelle im Hundertkilometerumkreis ist es günstiger zu tanken.

Unser Hostel war für eine riesige Massenunterkunft doch recht angenehm, auch wenn es lt. Broschüre zum am schlechtesten bewerteten Hostel des Ortes gehört. Wir hatten eh keine andere Wahl, da auch hier die Unterkünfte schon auf Tage im Voraus ausgebucht sind.
Die Gletscher selbst sind ziemlich faszinierend – besonders wenn man wie ich (Seb) noch nicht wirklich auf oder vor einem solchen Eispanzer gestanden hat. Franz Josef Glacier ist der größere der beiden Gletscher an der Westküste. Das Besondere an beiden: Entgegen allen globalen Trends wachsen diese Gletscher. Und es gibt keinen Gletscher, der so nah an der Küste gelegen ist. Den Franz Josef Glacier haben wir zu Fuß erkundet, d.h. Wir sind ziemlich nah zur Gletscherzunge gelaufen und haben uns den Eisklotz dort angesehen. Unter der verschmutzten Oberfläche erahnte man stellenweise das tiefe Blau des Gletschereises und aus dem Gletschertor rinnte ordentlich milchig trübes Wasser (wegen des vielen Steinmehles im Wasser) in einem Fluss hervor. Von der Gletscherzunge aus machten sich etliche Touren auf um den Gletscher zu besteigen- Dabei wirkte der Gletscher ziemlich lebendig – immer wieder brachen Eisbrocken ab oder Steine vielen in den Fluss. Noch viel großartiger wirkte das Tal aufgrund, dass sich der Gletscher in den vergangenen Jahrtausenden zurecht geschrammt hat. Die Felswände waren einfach nur hoch und steil und man sah deutlich die Spuren des Gletschers im Gestein. Etliche Steine am Boden waren ausgeschliffen und ausgehöhlt – sie eignen sich für ein paar schöne Schnappschüsse (seht unsere Fotos).

Nach unserem Besuch am Franz (wie ihn die Einheimischen nennen) sind wir zum Spiegelsee Lake Mathesen gefahren. Leider hatten wir gar nichts von einem Spiegelbild – Der See war durch Wind aufgewühlt und die Alpen inkl. Mt. Aoraki (Mt. Cook) und Mt. Tasman versteckten sich in einer dicken Regenfront.

Also sind wir noch ein paar Kilometer weiter Gravel Road gefahren um ans Meer zu gelangen. Am Gillespies Beach erwartete uns der pure Sonnenschein – ein paar andere Backpacker sonnten sich sogar in einer geschützten Stelle. Also genossen wir die raue See bei einem ausführlichen Strandspaziergang.

Für Freitag hatten wir uns eine Tour auf dem Fox Glacier gebucht. Wir haben dabei auf verschiedene Empfehlungen gehört: Der Gletscher sei nicht „so“ überlaufen, viel sauberer und dazu natürlich noch preiswerter. Man muss dazu sagen, dass man nicht wirklich eine Chance hat, den Gletscher auf eigene Faust zu erkunden – dazu braucht man Ausrüstung und schon ein wenig Wissen, wo es gefährlich ist oder nicht. Also haben wir uns für eine Ganztagestour entschieden, um recht weit auf dem Gletscher vordringen zu können – Kostenpunkt immerhin 145 $ pro Person!

Leider war das Wetter doch recht schlecht und wir mussten im Regen den Gletscher erkunden. Anders als beim Franz muss man beim Fox einen abenteuerlichen Weg im Wald hinauf zum Gletscher laufen. Also ist unsere Gruppe von 13 Leuten diesen steilen und engen Weg hinauf. Das Ergebnis war ein Vollstau, da mindesten 5 Gruppen gleichzeitig in jeder Richtung auf dem schmalen Pfad unterwegs waren. Aber nach gut einer Stunde Walk hatten wir endlich das Eis erreicht, Ich (Seb) habe erst einmal eine Rutschpartie auf den harten Gletschereis hingelegt, denn die ersten Meter haben wir ohne Grumpets (Spikes) zurückgelegt. Erst als wir wenig später unsere Spikes an den Füßen hatten, konnten wir sicher über das Eis stapfen.
Unsere Gruppe kam nur mühsam voran. Der Weg in den Gletscher gestaltete sich als ziemlich zäh und langsam. Unser Guide entschloss sich nämlich wirklich den ganzen Weg lang Stufen zur „Trittsicherheit“ zu schlagen. Wozu hatten wir aber Spikes und Stock? Besonders an Anstiegen dauerte das Weg finden und Stufenschlagen recht lang. Ein starker Regen hatte eingesetzt und so standen wir nass auf dem Eis. Wir wurden zudem recht gut durchgekühlt, da über dem Eis ein sehr kalter Fallwind wehte. Trotz allem fanden wir den Gletscher ziemlich eindrucksvoll. Das Eis auf dem wir liefen war einfach nur knochenhart und schimmerte an sauberen Stellen tiefblau.Überall liefen kleinere und größere Schmelzwasserbäche auf dem Gletscher herunter oder verschwanden plötzlich in einem tiefen Loch im Eis. Stellweise sahen diese Löcher wir Spiralen mit einem Meter Durchmesser oder mehr aus, die das Wasser metertief in das Eis getrieben hatten.

Zweifellos der Höhepunkt der Tour war einer kleine natürliche Eishöhle im Gletscher. An einem Seil konnte jeder einmal in das tiefblaue Gletschereis hinabsteigen. Danach ging es recht zügig wieder zurück auf festen Steinboden, denn auch der Regen wurde immer heftiger und die Sicht immer schlechter. Die Seiten des Gletschertales machten sich mit ein paar Steinlawinen bemerkbar.
Nach gut sechs Stunden Walk saßen wir ziemlich durchnässt und ausgekühlt wieder im Bus. Selbst im Rücksack stand kaltes Regenwasser…
Nach einer weiteren erholsamen Nacht in Franz Josef machten wir uns vergangenen Samstag auf nach Te Anau. Da wir an der Westküste waren, mussten wir über Haast und dem gleichnamigen Pass fahren. Und das bei Regenwetter und wirklich starkem Regen!  Es war einfach nur nass! Man muss sich das wie folgt vorstellen: Man schleicht  die Passstraße nach oben und unter dem Auto ist einfach nur Wasser (man hat das Gefühl zu schwimmen), die Scheibenwischer können die herabstürzenden Wassermassen kaum bewältigen. Damit aber noch nicht genug! Da man durch ein steiles Tal fährt (steile Felswände links und rechts) wird man zusätzlich von herabstürzenden Wasserfällen nass, die sich neben der Straße ergießen. Wir haben wirklich noch nie soviel Regen gesehen – wir dachten schon unser Auto lernt schwimmen! Ein kleiner Vorgeschmack auf das Fjordland.
Und auf der anderen Seite des Passes löste sich der Regen so langsam auf und wir fuhren in das andere Extrem! Am Lake Wanaka herrschte schließlich wieder T-Shirt Wetter. Hier war es wieder trocken und es herrschte schon wieder Waldbrandgefahr.Über den Cadrona- Pass (hier lohnt es sich im gleichnamigen historischen Hotel anzuhalten und mal einen Kaffee zu trinken – das ist wie ein Sprung zurück in das historische Europa) erreichten wir endlich unser Tagesziel  Arrowtown.

Geschockt von dem heftigen Regen deckten wir uns am nächsten Tag in Queenstown in in einem Baumarkt mit  gelben Frisennerzen ein. Immerhin wollten wir auf dem Milford Track und der Wetterbericht sah ebenfalls recht starken Regen voraus… So viel Wasser trauten wir unseren Hightech- Regenjacken einfach nicht zu! Wir sollten recht behalten….

Ein weiterer Artikel zum Milford Track folgt morgen;-)