Rauchwolken über den Yellow Waters des Kakadu Nationalparks

Von Krokodilen und Moskitos

Darwin, Australien

Wir haben Darwin erreicht! Es ist einfach nur heiß hier und nach ein paar stressigen Tagen lassen wir es uns im tropischen Norden Australiens gut gehen und hüten für eine Aussi- Familie das Haus. Das Auto haben wir bereits verkauft und eigentlich sitzen wir schon wieder auf gepackten Rucksäcken um weiter zu reisen.

Die letzten drei Wochen vergingen irgendwie wie im Flug und waren voller Eindrücke und vieler Erlebnisse, Krokodilen und vor allem Moskitos, die es hier in schier ungeahnten Mengen gibt.

Nachdem wir uns endlich von Broome lösen konnten, sind wir innerhalb von anderthalb Tagen ins 1100 km entfernte Kununurra gefahren, wo wir Anne’s Geburtstag mit einem Baramundi – Essen (Baramundi ist ein riesiger Speisefisch, der in den nördlichen Gewässern Australiens vorkommt) gefeiert haben. Von Kununurra aus ging es weiter zum Lake Argyle, einem riesigen Stausee inmitten des unerschlossenen  nördlichen Outbacks von Australien. Mit 1000 km² ist der See das Ergebnis der Aufstauung des Ord Rivers im Jahre 1972. Und genau am Fuße des Staudammes hatten wir unsere erste Krokodil – Naherfahrung in freier Wildbahn: Nur zwei Meter vor uns lauerte ein Freshi, also ein Süßwasserkrokodil (die Ungefährlichen!)  im Wasser. Es war krass zu sehen, wie so ein Croc so ruhig und lange im Wasser liegen kann – inzwischen fasziniert uns jede Begegnung mit diesen Urzeitwesen.

Vom Lake Argyle ging es direkt nach Katherine ins Northern Territory und haben damit nach dreieinhalb Monaten Western Australia verlassen. In Katherine haben wir schließlich unsere beiden französischen  Hitchhiker Maud und Frederik aus den Bungle Bungles wieder getroffen.
Nach zwei netten Abenden und dem versprochenen Revange Dinner der beiden haben wir beschlossen ein paar weitere Tage miteinander zu verbringen und die Region des Kakadu National Parks zusammen zu bereisen. Ein herrliches Gespann: Die beiden unterwegs mit einem 30 Jahre alten Toyota Bus, dessen Kilometerstand man dank defekten Tachos kaum nachvollziehen kann. Mit max. Tempo 90 ging es also entlang der Highways im Northern Territory. Bemerkt sei an dieser Stelle, dass das Northern Territory als einziger Bundesstaat 130 km/h auf den Highways erlaubt!

Vor Kakadu statteten wir vier jedoch erstmal dem kleinen, uns bisher unbekannten Nitmiluk National Park entlang des Katherine Rivers einen Besuch ab. Einfach nur schön – aus veranschlagter einer Übernachtung wurden vier! Leider hatten wir den Park nicht „für uns allein“ – wir waren mal wieder mitten in der Ferienzeit der Aussies unterwegs. Alles hoffnungslos ausgebucht und überlaufen. So kam es auch, dass leider nur wir beide ein Kanu zum ausleihen bekamen, um in der Katherine Gorge paddeln zu gehen. Spontan beschlossen die Mädels uns Jungs den verbleibenden Zweisitzer zu vermachen. So also verbrachten Frederik und ich einen ganzen Tag in den tiefen Gorges des Katherine Rivers, während die Mädels beschlossen, 20 km in australischer Hitze zu hiken  – ein beachtliche Leistung bei 30 Grad im Schatten (beide waren am Ende ziemlich ko!).

Für uns Jungs war das Kajaken auf dem Katherine River ein tolles Abenteuer. Die ganze Zeit ging es zwischen hohen Steilwänden entlang und ein paar Male mussten wir das Kanu durch Stromschnellen tragen. Auch um an ein paar aboriginal Felsmalereien heran zu kommen, mussten wir den Fluss zu Fuß zweimal durchqueren. Von den uns versprochenenen Freshis im Fluss haben wir allerdings nicht viel gesehen. (Anmerkung Anne: Zum Glück, denn im Fluss waren Maud und ich nach unserer langen Wanderung ausführlich baden.)

Einen Tag später fuhren wir weiter zu den Edith Falls im Nitmiluk NP – einem herrlichen Gebiet zum schwimmen und wandern, wobei das letztere erst durch die vielen Wasserlöcher ermöglicht wurde. Auch hier wieder fast keine Gefahr: Es gab nur Feshis und alle gesichteten Salties wurden zum Beginn der Trockenzeit von hier weggebracht um es den Touris zu ermöglichen, hier baden zu gehen. Natürlich übernimmt niemand die Haftung für ein eventuell doch verirrtes gefährliches Saltie – aber wie ihr bemerkt, hat uns keines gefressen.

Ein paar Tage und 200 Kilometer später erreichten wir schließlich den weltbekannten Kakadu National Park, einem „Must Do“ in Australien. Um es vielleicht gleich vorweg zu nehmen: Uns hat der Park nicht wirklich umgehauen. Anders als wir uns es vorgestellt haben, bestanden rund 80 Prozent des Parks aus relativ trockenen Gumtree- Wäldern. Nur ein geringer Anteil des Parks besteht aus den spektakulären Sumpfgebieten (Wetlands) und tropischen Monsun-Wäldern.

Wie auch immer, wir waren allerdings im Krokodil-Land angekommen. An wirklich jeder Brücke, jedem Wasserloch und jeder Pfütze warnen Schilder vor den gefährlichen Leistenkrokodilen, den Salties. Warum man allerdings keine Warnschilder für Moskitos aufstellte, bleibt uns schleierhaft. Ehrlich, ich habe es nie für möglich gehalten einmal vor Moskitos flüchten zu müssen und damit am anderen Ende der Nahrungskette zu stehen…

Erste Station im Kakadu NP waren die „Yellow Waters“, also besagte Wetlands. Leider konnte man nur mit einer extrem überteuerten Bootsfahrt die wahre Schönheit dieses Gebiets erleben. Aber gelohnt hat es sich allemal: Die Wetlands strotzen nur so von Wildlife. In erster Linie sind es tausende Vögel, die in dem Sumpfgebiet nisten (gesehen u.a.: riesige Weißkopfseeadler u ein seltener Eisvogel), aber auch viele Pflanzen und Mangroven. Mittendrin natürlich auch das andere Ende der Nahrungskette: Salties! Hier haben wir sie zum ersten Mal in ihrer natürlich Umgebung gesehen. Erstaunlich, was für gute Schwimmer und Taucher Salties sind. Allein während der eineinhalb Stunden Bootsfahrt haben wir ca. 10 Exemplare über drei Meter Länge gesehen – beeindruckend!

Allgegenwärtig ist im Kakadu National Park in der Trockenzeit das Feuer. Zusammen mit den Ureinwohnern des Gebietes betreiben die Park-Ranger ein traditionelles Flächenmanagement. Dazu gehört es nach den Traditionen der Aboriginals immer wieder bestimmte Waldflächen mit einem Feuer kontrolliert zu bereinigen. Praktisch heißt dies, das man überall in dem Park große Rauchwolken sieht und man stellenweise direkt neben einem kleinen Buschfeuer vorbeifährt. Dieses Flächenmanagement ist übrigens sogar als Weltkulturerbe verankert!

Der zweite Nacht im National Park war dann schon nicht mehr so lustig: Nur mit Mühe konnten wir unser Essen in der Dämmerung zubereiten und zu uns nehmen. Selbst vor langen Klamotten machten die kleinen Biester von Moskitos nicht halt. Irgendwann haben wir aufgehört die Stiche zu zählen. Man stelle sich nur folgendes vor: Um schlafen zu gehen muss man natürlich das Zelt öffnen. Öffnet man das Zelt, folgt einem jedoch mindestens ein Dutzend Moskitos. Also erstmal Moskitojagd vor dem Schlafengehen – und die Viehcher beißen was das Zeug hält! Hier versagt jeder chemische Insektenschutz! In der Nacht haben wir dann das Summen von vermutlich hunderten dieser Biester um das Zelt herum gehört. Und Morgens ist es besser so lange mit dem Aufstehen zu warten, bis alle Moskitos vom Zelt durch die anbrechende Tageshitze verschwunden sind.

Ziemlich  abenteuerlich war unser Weg zu den im Park beliebten „Jim Jim Falls“. Hier wieder ein 4WD-Track, doch diesmal hatten auch wir keinen Jeep. Also auf die französische Art via Hitchhiking: Wir vier haben uns also paarweise am Eingang der Jim Jim Rd. postiert und fleißig den Daumen rausgehalten und gewartet. Leider waren die meisten Fahrzeuge voll und wir mussten fast eineinalb Stunden auf unseren Lift warten. Endlich näherte sich ein weißer Van (kein Jeep!!), der für Anne und mich stoppte. Unser Fahrer war ein australischer Soldat, der irgendwo entlang der Jim Jim Rd. ein paar Soldaten aus einem Manöver abholen sollte. Wie gesagt, irgendwo entlang der Jim Jim Rd. Und so begann unsere Fahrt ins Ungewisse: Mit ungelogenen 110 km/h entlang der Schotterstraße, die eigentlich nur für Jeeps ausgelegt sein sollte. Wir hatten „Glück“ und nach 50 Kilometern erreichten wir unsere vorläufige Endstation, einen Campground 10 Kilometer vor den Jim Jim Falls. Fast also am Ziel, allerdings mussten wir fast eine Stunde auf unseren nächsten Lift warten, da unser Soldat hier seine Kameraden aufsammelte und in die Zivilisation zurückkehrte. Anne und ich hatten bereits wegen der fortschreitenden Zeit beschlossen jedes Auto, was wieder in  Richtung Hauptstraße fuhr – also zurück -, anzuhalten, als sich doch jemand erbarmte. Als der V8 LEXUS neben uns stoppte, lachte uns unser französischer Freund Frederik aus dem gut klimatisierten Auto an. Und so bekamen wir doch noch unsere Fahrt zu den Jim Jim Falls inkl. Rückfahrkarte für uns vier. Denn der Fahrer aus Sydney war so nett uns wieder mit zurück zu nehmen. Sogar Maud durfte mitfahren, die von Frederik vorher schon alleine mit einem Mann zu den Wasserfällen vorgeschickt wurde und nun am Parkplatz sehnsüchtig auf Frederik wartete.

Die Fälle selber haben uns beeindruckt in der Weise, wie wir sie erlebt haben. Von Weitem sehen die Fälle relativ unspektakulär aus. Schwimmt man jedoch durch mehrere Pools zum Fuße der Fälle, kann man sich direkt unter und hinter dem Wasserfall hinsetzen: Ein echtes Erlebnis, wenn das Wasser aus 150 Meter Höhe auf einen herunterrieselt. Die Kräfte des Wassers, die Strömung,  der frische Wind, das eiskalte Wasser und der Blick von unten in das herabrauschende Wasser ist einfach ein unglaublich intensives Hochgefühl…

Letzte Station im Park war die Region um Ubirr mit ihren alten aboriginal Felsmalereien und den Blick in die weiten Sumpfgebiete des Naionalparks. Hier haben wir viel über die Aboriginals und deren Kultur verstehen gelernt.

Schließlich trennten uns unsere Weg wieder von Maud und Frederik und wir sind nach Darwin gefahren. Nach einem Tag hatten wir erstmal genug von der Stadt und sind – nachdem wir unsere Plakate für den Autoverkauf in sämtlichen Backpackern platziert hatten – wieder in die Natur geflüchtet und haben ein paar Nächte im Litchfield National Park verbracht.

Zurück in Darwin ging nun alles rasend schnell: Gleich am zweiten Tag konnten wir unseren Freddy an Aboriginals verkaufen – schneller als wir gedacht haben. Also haben wir in den letzten Tagen unseren Backpackerhaushalt fast aufgelöst und sind nun wieder nur mit Rucksack unterwegs. Dank HelpX können wir nun auch entspannen: Wir hüten noch bis Sonntag das Haus einer Aussi-Familie, wässern jeden Morgen den Garten, gehen mit „Moses“ gassi (ein übergroßer Pudel mit fetzigem Haarschnitt;-)) und lassen die Seele baumeln.