Einer der tollen Sonnenuntergänge auf der Farm, Pinjarra

Unsere kleine Farm

Pinjarra, Australien

Schon Ende Woche fünf auf „unserer“ kleinen Farm nahe Pinjarra („Cooinda Gardens“) – und wir haben noch nicht genug. Hier bei unserer „Gastfamilie“ werden wir noch bis nächsten Mittwoch bleiben und uns ein wenig „Alltag“ fernab vom Reisen gönnen. Wie eben mal zu Hause einfach abends nach getaner Arbeit einfach vorm Fernseher abhängen und sich auch für die kleinen und vielleicht unwichtigen Dinge Zeit nehmen. All das genießen wir hier auf unserer Passion Fruit Farm. Aber keine Angst, wir werden nicht faul! Wir haben täglich zu tun und schmieden nebenbei auch noch neue Reisepläne.

Mit Passionsfrüchten haben wir entgegen unseren Erwartungen eher weniger zu tun. Die blühen und wachsen im Moment so vor sich hin und warten darauf in ein paar Wochen vom Busch zu fallen. Natalie und Kevin – das sind unsere Gasteltern – machen daraus Passion Fruit Pulp (Fruchtfleisch zur Weiterverarbeitung) und verkaufen es auf den umliegenden Märkten. Im Sommer kommen noch frische Pfirsiche und Aprikosen dazu. Jetzt im Herbst müssen die dazugehörigen Bäume aus- und zurückgeschnitten werden –  eine von vielen Aufgaben für uns.

Auf dem 26 Hektar-Grundstück gibt es immer was zu tun. Natalie und Kevin haben erst vor drei Jahren die Farm übernommen und versuchen nun diese mit einfachen Mitteln am Laufen zu halten.  Die beiden sprühen förmlich vor Ideen, die sie gern umsetzen wollen. Doch alles geht eben nur peu à peu (Geld und Zeit!). Manches wurde bereits mit anderen Helpxern begonnen und wartet auf Fortsetzung. An einigen dieser Projekte packen wir mit an. So zum Beispiel haben wir geholfen Pflaster um das Haus herum zu verlegen oder begonnen, große Sandsteinblöcke zu gießen, die später einmal eine  Art Mauer um den Garten bilden sollen. (Bei diesen Arbeiten ist ein lustiges Foto von Anne entstanden, in dem sie einen Vorschlaghammer schwingt um Sandstein zu zertrümmern).

Vor drei Wochen haben wir geholfen, 16 Hektar Land zu brandroden. Jetzt im Herbst ist es den Farmern erlaubt Feuer auf ihren Grundstücken zu machen um ihr Land aufzuräumen – oft die einzige Möglichkeit sich von den herunterfallenden Ästen der Gum Trees zu befreien. Uns hat das ziemlich beeindruckt. Zum Einem, weil das Feuer sich rasend schnell ausbreiten kann (man möchte ein solches Feuer nicht unkontrolliert im Busch erleben) und zum Anderen weil wir wieder einmal festgestellt haben, wie sehr Feuer hier zum „Alltag“ der Australier gehört.

Das vom Busch befreite und inzwischen wieder begrünte Land haben wir letzte Woche mit einem Zaun versehen  – dabei ist das Bild von Anne und dem Bohrer entstanden. Und bei dieser Gelegenheit haben wir beide gelernt ziemlich gut mit dem 4-Wheel Motorbike und dem Traktor umzugehen. Kurzum, die Farmarbeit macht uns viel Spaß und bereichert uns mit einigen handwerklichen Fähigkeiten.

In unserer Freizeit waren wir in der näheren Umgebung unterwegs. Wir waren in einer Bauxit-Mine und Aluminium-Raffinerie, haben uns ein paar Mal in Perth und Fremantle umgeschaut und waren letztes Wochenende sogar im Gefängnis (aber nur zu Besuch!).

Die letzten Wochen haben uns richtig gut getan. Es war schön mal über einen längeren Zeitraum an einem Ort zu sein und ein wenig (Gast-) Familie zu haben. Inzwischen fühlen wir uns so richtig in Australien angekommen – ein Gefühl was sich wahrscheinlich erst einstellt, wenn man ein wenig Alltag genießen kann. Viel dazu beigetragen hat unsere Gastfamilie – die Tinkers.

Zu ihnen gehören Natalie, Kevin und deren Kinder Aleisha, Bradley und Melissa. Die beiden letzteren leben inzwischen in Perth und absolvieren ihre Ausbildung. Aleisha ist ein typsicher Teenager (Bieber – Fever!) und das einzige Kind, dass hier noch mit wohnt und mit den Tücken des Farmlebens fernab von der Stadt kämpft. Kevin arbeitet in einer nahe gelegenen Goldmiene als Supervisor. Für ihn wechselt sich eine Woche Arbeit (und damit verbunden Leben im Camp der Miene und 14 Stunden Schichten) in der Goldmiene mit einer Woche Arbeit auf der Farm ab. Natalie ist die gute Seele der Farm und absoluter „Freo Footy“ Fan! „Freo“ steht dabei für Fremantle und „Footy“ für Football – eine Art Mischung aus Fußball und Rugby (zumindest aus unserer Sicht) – die Aussies lieben es eben, alles abzukürzen und wörtlich zu verniedlichen. So gibt es „Brekky“ am Morgen, „Mushies“ zum Dinner oder wenn’s einem nicht gut und nicht zur Schule oder Arbeit gehen kann, wird ein „Sicky“ eingelegt…

Zu unseren treuesten Begleitern auf der Farm gehören der verknuddelte Farmhund Patch und die eigensinnige Katze Sally, die uns regelmäßig besuchen um sich Streicheleinheiten von uns abzuholen. Besonders ins Herz geschlossen haben wir Patch. Eigentlich wurde sie als Farmhund angeschafft um aufzupassen; würde sie jedoch lieber jeden Einbrecher totschleckern als zu bellen. Ach ja, wir hatten ja da noch die Begegnung mit einer giftigen Dugite Schlange …und Spaß mit ca. 90.000 Bienen beim Honig-machen. Ihr seht, uns ist’s hier nicht langweilig geworden :-).

Unseren Abenteuerspielplatz werden wir nächste Woche verlassen und in den nun regenfreien Norden ziehen. Mal sehen, wie es uns so beim Campen ergehen wird – die Nächte werden hier nun sehr kalt! Seit gestern Abend heizt Natalie das Wohnzimmer mit Kaminfeuer und auch wir haben uns nochmal mit warmen Decken und Klamotten eingedeckt …