Anne im Zauberwald, Hump Ridge Track New Zealand

Tuatapere Hump Ridge Track

Dunedin, Neuseeland

Hump Ridge Track (2.12. – 4.12.2009)

Der Tuatapere Hump Ridge Track ist eine 3-Tageswanderung, bei der Etappen von 19km, 19km und 17km zu laufen sind. Er führt durch Wald, steigt in alpine Vegetation auf und führt an Stränden entlang – sehr abwechslungsreich also. Das besondere an diesem Track ist, dass er nicht vom DOC (Department of Conservation) unterhalten wird, wie die meisten anderen in Neuseeland. Es ist somit ein „private walk“. Er wurde von der Gemeinde Tuatapere ins Leben gerufen, angelegt und wird von dieser unterhalten. Dementsprechend sind die Hütten ein ganzes Stück komfortabler als wir sie bisher kennen gelernt haben. Doch dazu später. Außerdem führt er einerseits durch „private land“, andererseits aber auch durch „maori land“ und durch den Fjordland National Park. Es hat die Gemeinde also einige Mühen und Jahre Vorlauf gekostet, um diesen Track im Jahr 2001 schließlich zu eröffnen.

Tag 1:

Es ist früh um acht, wolkig und recht kühl. Wir starten vom Rarakau Parkplatz aus. Der Wetterbericht sagt uns, dass die Wolken wohl definitiv bleiben und ein paar Spritzer kommen könnten. Die Hump Ridge, wo wir heute hinauf klettern müssen, liegt dunkel vor uns und versteckt sich in den Wolken. Wir laufen ca. 8km entlang der Küste durch artenreichen Wald und entlang einer früheren 4WD road („Straße“ für Autos mit 4-Radantrieb), die teilweise bereits weggeschwemmt wurde, so dass wir uns irgendwann entscheiden gleich am Strand entlang zu laufen. Leider können wir nicht oft anhalten, um die raue See zu genießen, sonst fressen uns die Sandflys schlichtweg auf.

Am Flat Creek zweigt unser Weg ab. Geradeaus geht es weiter entlang der Küste auf dem Coastel Walk (ein DOC walk). Aus dieser Richtung werden wir in 2 Tagen zurück kommen, denn unser Weg ist wie ein Lasso gestaltet. D.h. ab dieser Kreuzung wird der Weg zum Loop Track und kommt in 2 Tagen wieder an dieser Stelle heraus und das bisher zurückgelegte Wegstück muss dann wieder zurück gelaufen werden. Wir merken sofort, dass wir nicht mehr auf einem DOC walk sind. Der Weg verändert sich von einem gut ausgebauten Schotterweg zu einem schmalen, sehr natürlich belassenen Waldweg. Irgendwann wird dieser immer wieder von board walk (eine Art langgezogene flache Holzbrücken – siehe Fotos) abgelöst, um an diesen Stellen den fragilen sumpfigen Waldboden zu schützen.

Nach inzwischen ca. 13 Kilometern und 200m gemächlichem Aufstieg machen wir Rast am modernen Water Bridge Shelter – lunch time und eine gute Möglichkeit sich vor dem noch folgenden steilen Aufstieg auf bis zu 900m zu stärken. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit noch einmal Frischwasser zu bekommen und dies auf ganz witzige Art und Weise. Die Water Bridge führt über einen mehrere Meter unter ihr liegenden schnell strömenden Waldbach. Am Brückengeländer ist ein Topf befestigt. Diesen lässt man an einer langen Leine herunter bis er ins Wasser eintaucht. Et voilà, damit haben wir unser Frischwasser.

Nun folgen 3-4 h teilweise sehr steiler Aufstieg auf die Hump Ridge. Der Wald verändert sich merklich. Anfangs sehr artenreich und und in mehreren Höhenschichten mit vielfältigen Pflanzen bestückt, geht er irgendwann dazu über nur noch aus Bäumen und einer Schicht aus wadenhohen Farnen zu bestehen. Zum Schluss gehen die Farne in Moose und Flechten über und die Bäume sehen immer verkrüppelter aus. Außerdem wird es immer kälter. Auf den letzten 100 Höhenmetern befinden wir uns in einem richtigen Zauberwald. Wir haben inzwischen die Wolken erreicht. Es ist feucht und kalt. Nebelschwaden hängen zwischen den Bäumen. Diese sind krumm und schief und überzogen von den vielfältigsten Moosarten. Trotz der Anstrengung und Kälte sind wir einfach verzaubert von dieser mystischen Stimmung.

Irgendwann erreichen wir den Stag Point, ein Aussichtspunkt, von dem man aus auf das umliegende Fjordland, das Meer und Stewart Island schauen können soll. Wir sehen allerdings nichts als Wolken. Never mind. Wir fühlen uns trotzdem wie die Könige da oben. Und wir haben es fast geschafft, die erste Hütte (Okaka Hut) ist nur noch eine Stunde entfernt.

In der Okaka Hut angekommen, staunen wir erst einmal. Denn die Hut Managerin begrüßt uns und setzt uns gleich erst einmal einen Kessel heißen Wassers auf. In den Schlafräumen befinden sich Gardinen, Kissen auf den Betten und der Gemeinschaftsraum ist eine Lounge mit richtigen Möbeln und sogar Couch. In den Schränken der Küche steht richtiges Porzellangeschirr. Diese Hütte ist ein richtiges Haus und keine Hütte. Leider ist der Ofen aber auch viel zu klein für die „Hütte“ und nicht in der Lage diese aufzuheizen. Somit scharren sich alle Gäste des Abends vorm Ofen und flößen sich heißen Tee ein. Nicht mal die Keas lassen sich bei diesem Wetter blicken. Mit 1 Grad Außentemperatur und 10 Grad Innentemperatur (allerdings nur in der „beheizten“ Lounge) kriechen wir dick eingepackt in unsere Schlafsäcke. Wir haben an: lange Thermo-Unterwäsche, Fliespullover, Fliesmütze, Socken und Stulpen.

Tag 2:

Wir wachen auf und staunen über die Aussicht. Der Tag verspricht gut zu werden. Der Himmel ist blau und die Sonne scheint. 7:30Uhr gibt es englisches Porridge (auch das war neben den Kissen und Geschirr im Hüttenpreis mit inbegriffen). Dies ist Haferschleim, den wir uns mit Milch, Zucker und ich (Anne) mit Äpfeln, Rosinen und Kakaopulver verfeinern.

Frisch gestärkt machen wir uns auf in den nächsten Tag und beginnen diesen mit einem fantastischen kleinen Walk, ein kleiner Loop Walk der sich nur ein paar Meter entfernt von der Hütte auf der Spitze der Hump Ridge befindet. Diesen konnten wir gestern nicht mehr machen, da wir aufgrund der Wolken eh nichts gesehen hätten. Auch heute morgen ist es nicht viel wärmer und der Wind pfeift kräftig hier oben. Dafür scheint die Sonne und wir haben einen tollen Ausblick auf das umliegende Fjordland und die Küste. Außerdem bietet sich uns ein weiterer wunderbarer Anblick, denn die Pflanzen sind überzogen mit Reif und Eis, wohin wir auch schauen. Dies sieht wundervoll bizarr aus. Nach einer halben Stunde längerer Sonneneinstrahlung ist das Schauspiel vorbei. Das Eis ist geschmolzen und alles sieht wieder „normal“ aus.

Heute steigen wir mehr oder minder gemächlich die ganzen Höhenmeter, die wir gestern aufgestiegen sind, wieder ab. Anfangs führt unser Weg über kilometerlangen board walk. Davon wurden auf dem Hump Ridge Track übrigens insgesamt 10km (!) verbaut. Dies muss ein Riesenaufwand gewesen sein. Am Luncheon Rock, ein überhängender Felsen, machen wir unsere erste Pause. Danach steigt der Weg wieder recht steil ins Tal hinab. Wir dringen wieder immer tiefer in den Wald ein, quasi rückwärts zu gestern.
Nach 3-4h Abstieg kommen wir endlich wieder im Tal unten an und stoßen auf das erste Stück Historie dieses Tracks. Wir laufen über das Edwin Burn Viaduct, ein hölzernes Viadukt, für Züge gebaut. Gefolgt wird dieses vom Percy Burn Viaduct, welches das größte seiner Art in der südlichen Hemisphäre ist (36 m hoch, 125 m lang). Mehrere Meter weiter gibt es noch ein drittes Viadukt. Wir befinden uns auf einer alten Zugstrecke. Diese führt entlang der Südküste zum Port Graig Village, unserem heutigen Tagesziel.

Von 1920-29 gab es in Port Graig Village eine große Sägemühle mit ca. 100 Angestellten, die dort mit ihren Familien lebten. Rund herum wurden Bäume gefällt, welche zur Sägemühle transportiert werden mussten. Dafür wurde die Zugstrecke gebaut. Dadurch konnten die Bäume aus dem Busch zum Port Graig Village transportiert werden. Das Holz wurde dort verarbeitet und weiter verschifft. Leider war dieses groß erhoffte Geschäft offensichtlich nicht so erfolgreich, so dass alles 1929 wieder still gelegt wurde. Die Initiatoren unterschätzten den Aufwand, die Gefahren, Umstände und Kosten, die eine solch abgelegene Gegend mitten im Busch mit sich gebracht hat.

Der restliche Weg dieses Tages war somit also mit einiger Historie belegt, dadurch dass er aber einfach nur geradeaus und flach entlang dieser alten Bahnlinie folgte, war er auch irgendwann einfach langweilig und ermüdend. Und die Muskeln und Sehnen schmerzten vom Abstieg dann doch ganz gut. Wir waren also unheimlich froh als wir ENDLICH Port Graig Village erreichten.

Nach einem heißen Kakao und Energie-Riegeln haben wir unsere müden Knochen am Abend doch noch einmal bewegt und die Überreste von Port Graig Village erkundet. Am ehemaligen Hafen haben wir neben all den Überresten, wie z.B. einem Motorblock am Strand, auch noch Hector-Delphine gesichtet. Cool! Diese sind ganz klein und inzwischen sehr selten.

Tag 3:

7:30Uhr gibt es wieder Porridge, den wir recht schnell (bevor uns die Sandflys wieder auffressen) draußen in der Morgensonne genießen. Unser Weg heute verspricht einfach zu werden, „nur“ 17km zu laufen und keine großen Auf- und Abstiege.

Wir laufen wahrscheinlich noch keine Stunde als wir schon eine ausführliche Pause einlegen. Denn wir haben unsere Freunde, die Kakas, wieder getroffen, mit denen wir bereits am Guns Camp unseren Spaß hatten. Wir treffen eine sehr neugierige 3er-Gruppe dieser Vögel, die sich sehr papageienhaft verhalten, Show-Runden über unsere Köpfe hinweg fliegen, Zweige abknappern und schräge Geräusche von sich geben.

Eigentlich hatte ich (Anne) mir diesen letzten Tag ein bisschen langweilig vorgestellt, quasi einfach flacher Weg durch Wald. Aber er war gar nicht so. Es ging immer wieder auf und ab, der Wald war sehr schön und abwechslungsreich und nach unserer Kaka-Begegnung erreichten wir sehr schnell den ersten Strand. Die Sonne schien, der Sand war warm, Meeresgeruch – einfach herrlich. Als wir dann bereits den zweiten und dritten Strand passierten, fühlten wir uns fast ein bisschen wie auf dem Abel Tasman Track.
Unerwartet schnell erreichten wir wieder die Kreuzung, wo am ersten Tag der Hump Ridge Track vom Coastal Track abzweigte. Wir hatten also den Kreis geschlossen und mussten nun nur noch die restlichen 8 km zurück laufen, die wir bereits am ersten Tag gelaufen waren. „Nur noch“ hab ich (Anne) gedacht, doch es zog sich dann doch noch ein ganzes Stück. Zumal wir diesmal High Tide hatten, so dass wir nicht ganz so komfortabel am Strand und mehr auf der ehemaligen 4WD-Road entlang laufen mussten.

Stolz und geschafft trudelten wir am Nachmittag wieder im Backpackers in Tauatapere ein, gönnten uns eine tolle Dusche und leckeres Big Bikkis Eis (Anja, diesen letzten Punkt deiner Liste haben wir nun also auch noch erfüllt ;-)).