Anne vor Mt. Ngauruhoe am frühen Morgen

Tongariro Northern Circuit

National Park Village, Taupo, Neuseeland

Nachdem wir am Dienstag in Whakapapa unseren ganzen Staff aus dem Auto im Storage Room des DOC (Department of Conservation) verstaut hatten, die Huetten fuer unseren Track gebucht hatten und ein Formular ausgefuellt hatten, wo wir auf unserem Track lang wollen, wann wir wieder da sein wollen und wer im Notfall zu benachrichtigen ist, sind wir um 16 Uhr gestartet.

Dieses Formular heisst uebrigens Backcountry Intentions Form und sichert einen Wanderer ab, dass nach ihm gesucht wird, wenn er am angegebenen Tag nicht wieder da ist, sprich ihm was passiert ist … sehr beruhigend!

Der erste Teil unserer Wanderung war 3 h lang und fuehrte uns durch halbhohe Buschlandschaft zur Mangatepopo Hut. Der Track war recht einfach beschaffen, halbwegs flach und war im Abendlicht natuerlich herrlich. Seb hat fotografiert, was das Zeug haelt, als sich die Wolken um Mt. Ngauruhoe (2287m) und Mt. Ruapehu (2753 m) immer mehr lichteten.

Gegen 19 Uhr hatten wir unsere Huette erreicht, die am Fusse des Mt. Tongariro (1967m) liegt, und einen tollen Sonnenuntergang erlebt, wobei sich die Spitzen der Berge rot gefaerbt hatten. Allerdings hiess es auch noch vorm Dunkelwerden (ca. 20 Uhr) Essen kochen. Denn die Huetten haben keinen Strom. Auch haben wir dabei erfahren, dass sie keine Duschen haben, da sie nur vom Regenwasser leben, was in den Bergen sehr kostbar ist.
Die folgende Nacht war kalt und relativ schlaflos, weil wahrscheinlich als neu und aufregend war und wir ein Saegewerk in unserem Raum hatten.

Am naechsten Morgen sind wir 7 Uhr aufgestanden, obwohl der Wecker schon auf 6 stand, aber da war es uns dann doch noch zu dunkel. Um acht sind wir letztlich gestartet und das Morgenlicht war herrlich und die Luft klar.

Kurz vorher haben wir uns noch ueber eine Schulklasse amuesiert, die Schlange stand an unserer Huetten-Komposttoilette. Denn unsere Huette liegt am Anfang des beruehmten Tongariro Crossing und somit gehen viele Leute dort nocheinmal auf die Toilette, weil sie auf dem Rest des Tracks keine Moeglichkeit mehr dazu haben.
Um acht ging es also los – und wir waren schon um diese Zeit keinesweg allein unterwegs zum beruehmten Tongariro-Crossing, das auch ein Teil unseres Nortern Circuits war.

Der Weg zum Aufstieg war noch gut ausgebaut, allerding zogen wider Erwarten schon die ersten Wolken auf dem Gipfel auf. Schliesslich stiegen wir zusammen mit hunderten (!) anderen Touris steil auf zum Suedkrater des Mt. Tongariro. Keine Ahnung, welche Hoehe wir so schlaengelnd ueberwunden haben. Vielleicht so ca. 500m in einer dreiviertel Stunde.

Oben angekommen goennten wir uns eine Pause, leider nicht nur um zu fespern, sondern um uns auch in warme Klamotten zu huellen (gemeint: Fleesies, Jacken, Muetzen und Handschuhe), denn es war echt ungemuetlich geworden. Uns taten die anderen Touris leid, die hier teilweise nur in kurzen Klamotten, Pullover und Turnschuhen (!!!) herumzitterten. Weiter gung es durch den Suedkraterrand, wo wir weiter zum Red Crater aufsteigen mussten.

Allerdings hatte sich das Wetter noch verschaerft, es stuermte nun und im dichten Nebel sah man fast gar nix mehr. Also so weiter mit unseren schweren Kraxen ueber den Pass zum Red Crater, auf dem es uns fast vom Berg fegte. Der Wind peitschte hier die Wolken mit mehr als 40km/h entlang – echter alpiner Wahnsinn. Unverstaendlich fuer uns war, dass wir einen Familienvater mit Kleinkind auf dem Ruecken (ca. Paulas Alter) ueberholten und dieser mit uns hinter einem Felsen Schutz suchte. Das Kind weinte verstaendlicherweise, und andere Touris hatten auch noch Spass dabei, dem Kleinen wieder den Nuckel in den Mund zu stecken.

Irgendwann hatten wir die Spitze des Red Craters erreicht (in 1886 m) und neben uns tat sich in den Wolken ein roter und tiefer Krater auf. Nach einem Abstieg im losen Geroell erreichten wir die terrassenartigen Emerald Lakes, die herlich blau aus den Wolken erschienen.

Danach weiter zum Abstecher ueber das Plateau des Central Crater zum Blue Lake, an dem wir rasteten. Als die Wolken sich wieder ein wenig verzogen hatten, kehrten wir wieder um in Richtung Emerald Lakes und konnten dabei den kompletten Red Crater vom Central Crater aus sehen – echt stark!

Von den Emerald Lakes trennten wir uns von den ganzen verrueckten Touris (im Ernst: Am Berg konnte man die einzelnen Busladungen sehen und ein Gossteil davon ohne passende Ausruestung fuer das Wetter) und gingen unseren Northern Circuit weiter. Wir stiegen ganz allein und sehr steil in das Oturere-Tal hinab. Der Red Crater dampfte neben uns, es roch wieder nach verfaulten Eiern – ein Zeichen, wie aktiv das Gebiet hier noch ist.

Im Oturere Valley fuehlten wir uns wie auf einem anderen Planeten: Hinter uns dunkle, steile Vulkanwaende, vor uns meterdicke erstarrte Lava in einem riesigen Feld. Zwischendurch riesige Felsbrocken, die die Vulkane ausgespuckt haben und ab und zu leichter Pumice-Stein von der grossen Taupo-Eruption. Zurecht wurde hier Modor aus Herr der Ringe gefilmt!

Nach mehr als 7 Stunden erreichten wir unser Tagesziel, die Oturere – Hut. Da es hier nur noch wenig Wasser in den Sammeltanks gab, entschlossen wir uns den Sonnenschein (der inzwischen die Wolken abgeloest hatte) zu nutzen und im nahegelegen Stream uber einem Wasserfall zu baden und zu waschen – ein herrliches Gefuehl. Die folgende Nacht war wieder recht schlaflos, denn wir hatten wieder ein Saegewerk im Raum und es begann zu regnen.

Am Naechsten Tag (Donnerstag, 08.03.07) regente es den ganzen Vormittag. Da es besser werden sollte, kuschelten wir bis Mittags in unserem Schlafsack und machten uns mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Weg zur Waihohonu Hut. Bei herrlichem Sonnenschein durchquerten wir wieder einige Stream-Taeler (alle ausgetrocknet. hier sah es aus wie in der Wueste) und kehrten so langsam in eine Vegetationszone zuruekc. Nach nur zweieinhalb Stunden erreichten wir unser Tagesziel.

Abends war es dann komplett aufgezogen und es war kein Woelkchen am Himmel zu sehen. Mt. Ruapehu und Mt Ngauruhoe zeigten sich ohne Wolken – ein herrlicher Ausblick. Ohne grosses Marschgepaeck wanderten wir abends noch zu den Ohinepango Springs. Aus einem alten Lavastrom entsprang hier kristallklares, kaltes Wasser. Die folgende Nacht war unsere beste auf den Huetten – ohne Saegewerk. Allerdings fiehlen die Temperaturen unter 0 Grad auf 1300 m, denn am naechsten Morgen war ueberall Reif zu finden.

Den naechsten Morgen sind wir sehr frueh (diesmal 6.00 Uhr) aufgestanden und haben draussen warm eingemummelt gefruehstueckt um die anderen nicht zu wecken. Wir genossen einen herrlichen Sonnenaufgang mit Blick auf den Mt. Ruapehu, der glutrot erschien.

Gegen 7.00 Uhr sind wir losgelaufen und haben fasziniert den Morgennebel im unteliegenden Tal bewundert. Den ganzen Walk ging es wieder durch Buschlandschaft und nach ca. 3 Stunden erreichten wir den Lower Tama Lake. Dieser lag versteckt in einem alten Krater. Rundherum war es gruen und hier lebten, eigentlich mitten im Nichts, sogar ein paar Moewen. Von dort aus machten wir uns auf zum letzten Stueck. Nach einiger Zeit erreichten wir die Taranaki Falls, einem starkem mehrstufigen Wasserfall. Wie ich denke (Seb), war es einer der schoensten, die wir in NZ bisher gesehen haben.

Am fruehen Nachmittag erreichten wir gestern wieder Whakapapa Village – glücklich und ziemlich k.o.! Endlich gab es wieder ordentliche Toiletten und in einem Backpacker in National Park Village erholten wir uns von den Strapazen. Schoen, mal wieder heiss zu duschen…

Alles in allem wirklich eine tolle Erfahrung!!!