Gum Tree, Karijini Nationalpark

Tiefe farbige Schluchten – Karijini National Park

Broome, Australien

Ja, ja, manchmal kann man es gar nicht fassen, dass man hier ist. Eben kamen wir gar nicht mehr aus dem Staunen heraus als wir uns die Bilder vom Karijini National Park angesehen haben und die vier Tage dort Revue passierten lassen. Unglaublich, aber da waren wir wirklich.

Von unserem Schnorchelplatz Exmouth sind wir ins Landesinnere nach Tom Price gefahren. Tom Price selbst ist einfach nur eine rotstaubige Versorgungs- und Mienenstadt. Außer unheimlich vielen Menschen in ihren neongelben Arbeitsuniformen und ziemlich viel Dreck gibt es hier nicht viel. Erwähnenswert sollte vielleicht sein, dass es hier auch mal einen Mt. Tom Price gegeben hat. Dieser ist aber mittlerweile einem Tagebau gewichen, in dem Eisenerz gewonnen wird. Die Region hier; auch Pilbara genannt; beherbergt so ziemlich das größte Eisenerzvorkommen auf unserem Planeten. Kein Wunder, dass man hier also auch Berge verschwinden lässt… Riechen kann man das übrigens auch nach Regen, wenn die Erde irgendwie nach nassem Metall riecht.

Der Karijini National Park ist 80 Kilometer von Tom Price gelegen und für uns das schönste Stück Australien geworden, was wir bisher so gesehen haben. Die dominierende Farbe ist hier einfach rot – was von dem vielen roten Staub und Steinen stammt, die hier so zu finden sind. Der Park ist durchzogen von tiefen Schluchten mit natürlichen Wasserquellen, die hier mitten in der Wüste ganz eigene und exotische Biotobe hervorbringen. Einige dieser Schluchten wurden mehr oder weniger zugänglich gemacht.

So ist das Gebiet um Dales Gorge sehr gut per Teerstraße erreichbar. Hier haben wir auch schließlich vier Nächte mitten im Wüstensand verbracht. Unser erster Eindruck: Wow! Die Schlucht ist einfach nur riesig, tief und wunderschön. An beiden zugänglichen Enden sowie in der Mitte sind großzügige natürliche Pools zu finden, in denen wir auch schwimmen waren (Kroks gibt es hier glücklicherweise nämlich noch nicht). Der Weg durch die tiefe Schlucht ist einfach nur schön – aber seht selbst an unseren Bildern.

Weniger spaßig gestaltete sich der Weg zu den Knox, Hancock und Weano Gorges – den Highlights des National Parks. Die Straße, oder Piste, dorthin war einfach nur schlimm und nach einigem Überlegen und trotz mangels Allradantrieb (4WD) haben wir uns doch entschlossen, die 100 Kilometer Staubpiste zu fahren. Kurzum, wir und das Auto haben alles ohne Schaden überstanden. Wir haben echt gestaunt, was man einem einfachen Auto so zumuten kann…

Belohnt wurden wir wieder mit zwei faszinierenden Schluchten. Nachdem man in die tiefe Knox Gorge hinunter gestiegen ist, folgten 1 km Weg, auf dem die Schlucht immer tiefer und auch enger wurde. Schon hier mussten wir stellenweise durch Wasser waden, um voran zu kommen – das Ende war einfach nur unwirklich und malerisch. Da steht man in einer Schlucht, in der ein kleiner Rinnsal läuft und neben einem erheben sich mächtige Steinwände ca. 70 bis 100 Meter nach oben … da kommt man sich schon richtig unbedeutend vor.

Hancock Gorge war noch einmal eine Steigerung. Alles nochmal enger und ein wenig unzugänglicher. Um an das eine Ende, zum Kermits Pool, zu gelangen, musste man erst zum sogenannten Amphitheater klettern (vor dem Schwimmen haben wir uns hier noch gedrückt, da das Wasser doch sehr kühl war) und den sogenannten Spider Walk absolvieren. Dabei krabbelt man wie eine Spinne durch eine schmale Schlucht, unter einem ein Bach, über einem Steilwände. Krass!

Das andere Ende der Weano Gorge bildete der „Handrail Pool“. Der Weg dorthin war auch ein kleines Abenteuer, denn hier kamen wir um das Naßwerden nicht mehr herum. Brusttief mussten wir durch das Wasser laufen – Kamera und Klamotten hatten wir in wasserdichten Säcken verstaut. Der Handrail Pool ist nur über ein Handrail (dt: Geländer) zu erreichen, ansonsten würde man nur auf dem superglatten Steinen abrutschen und ins Wasser fallen. Auch hier war die Stimmung in der Schlucht einfach nur unfassbar – dramatisch und schön.

Am nächsten Tag haben wir noch einmal 110 Kilometer (bessere) Staubpiste auf uns genommen und sind in die Hamersly Gorge gefahren. Ich sage einfach nur: Paradies für Fotografen. In der Schlucht scheint die Erde wie aufgerissen und man sieht die Gesteinfaltungen, die die Natur hier über Millionen von Jahren zustande gebracht hat. Alles ist rot bis dunkellila (Habt ihr schon mal lila Steine gesehen??) und wirkt unheimlich dramatisch. Einen natürlich „Spa Pool“ zum schwimmen gabs auch – hier haben wir einen halben Tag zugebracht und hunderte Bilder geschossen.

Nach vier Nächten auf dem Buschcampingplatz (keine Dusche, Strom und nur eine Komposttoilette) waren wir froh in Port Headland eine Dusche zu bekommen. Der rote Feinstaub ist einfach überall hingezogen und färbt alles was mit ihm in Berührung kommt. Umso schlimmer wird es übrigens, wenn man das Zeug mit Wasser abzuwaschen versucht…. Farbe kann nicht besser sein!

Die letzten Tage haben wir in Broome verbracht und das „Ende“ unserer Reise in Australien geplant. Aber bevor es soweit ist, mieten wir uns ab morgen erstmal einen Nissan Patrol 4WD für eine Woche um in den Kimberleys die Gibbs River Road zu fahren und in die „Bungels Bungels“ zu gelangen. Hier kommt man nämlich wirklich nur noch mit einem Allradantrieb weiter. Am Monatsende gleich das Nächste Abenteuer: Wir fahren mit dem Postman durch die Aboriginal Gebiete am Cape Leveque und wollen dort für zwei Nächte bleiben. … Doch davon berichten wir Euch dann später.