Face Track am Fuße de Cradle Mt., Tasmanien

Tasmanien

Torquay, Australien

Die letzten 14 Tage haben wir auf der Insel Tasmanien verbracht. Viele Reisende vergleichen die Insel auch mit „Little New Zealand“, was aber gar nicht so richtig ist. „Tassi“; wie es die Einheimischen liebevoll nennen; ist anders als der australische Mutterkontinent und definitiv anders als Neuseeland. Wir haben in den letzten zwei Wochen wieder viel erlebt – wir werden es also mit einem kurzem Abriss unserer vielen Erlebnisse probieren:

10 Stunden braucht man mit der Fähre ab Melbourne um nach Tasmanien zu kommen – allein zwei Stunden Überfahrt kostet es den Port Phillipp, eine riesige Bucht vor Melbourne, zu durchqueren. Nach der ersten Nacht in Devonport sind wir in Richtung Nordwesten nach Stanley gefahren um die „Nut“ (Nuss) zu sehen: Ein riesiger Felsblock, der einsam vor der Nordküste Tasmaniens herumsteht und an eine halbe umgedrehte Nuss (?)erinnert. Die Nut überragt in diesem Gebiet alles und man kann sogar darauf herumlaufen. Das haben wir an einem späten Nachmittag gemacht und sind so „Zeuge“ eines Naturphänomens geworden: Schon während des kurzen Aufstiegs wurde es plötzlich kalt um uns herum und Wolken zogen quasi auf halber Höhe des Felsens ins Land. Auf dem Gipfel standen wir dann über den Wolken und konnten beobachten wie das Land „unter uns“ von einer dicken kalten Wolkendecke überzogen wurde, während wir oben in der Abendsonne bruzzelten.

Die folgenden zwei Tage waren wir in den Bergen: In den sog. Cradle Mountains am Dove Lake. Von hier beginnt im Sommer der weltbekannte Overland Track, der 85 km durch Tassis Berge führt und am Lake St. Clair endet. Überhaupt sei an dieser Stelle bemerkt, das Tassi eigentlich nur aus hohen Bergen besteht – auf dem „Highway“ kommt man stellenweise nur mit 25 km/h um die steilen Kurven. Wir sind außerdem, zumindest gefühlsmäßig, einem Buschfeuer ziemlich nahe gekommen. Ca. 40 Kilometer sind wir die Straße zum Cradle Mountains Nationalpark entlang gefahren und waren von dickem, weißem Rauch eingehüllt. An diesem Tag stand der Wind so ungüstig, dass er den Qualm eines ca. 100 km entfernten 6000ha Buschfeuers direkt in die Cradle Mountains gedrückt hat. Die Sicht war eingeschränkt und irgendwie kratzte es den ganzen Tag im Hals…

Nachdem sich der Rauch ein wenig gelegt hatte, sind wir zum ersten Mal in Australien nicht mehr aus dem Staunen herausgekommen: Die Hochebene des Cradle Mountains Nationalpark war einfach nur atemberaubend schön und lud nur so zum hiken ein! Das haben wir schließlich auch gemacht und sind 17 Kilometer ab Waldheim um den Dove Lake herumgelaufen! Ja, ab Waldheim (liegt eigtl. nahe unserer Heimat Döbeln)! Waldheim ist in diesem Fall aber nicht die sächsische Kleinstadt, sondern das von dem Österreicher Gustav Weindorfer um 1880 herum errichtete Challet in den Cradle Mountains.

Von Waldheim aus ging es hinauf über den Crater Lake zum Marions Lookout, weiter zur Kitchen Hut (Küchenhütte) über den Face Track unterhalb des Cradle Mountains über Hobsons Peak zum Parkplatz des Dove Lakes gelaufen. Diese Route dauert 6 Stunden und macht einen förmlich heiß darauf noch weiter in das Gebiet vorzudringen und den Overland Track zu laufen. Eine absolute Empfehlung für jeden Wanderer!

Nach dem wir uns in den Cradle Mountains ausgetobt hatten, ging es weiter durch Tassies Berge in Richtung Westküste, die wir in Strahan kurz zu Gesicht bekommen haben. Da uns Strahan zu touristisch (u. teuer) war, sind wir wieder in die Berge gefahren und haben wild am Lake Burbury gecampt.

Vom Lake Burbury ging es zum Lake St. Clair, den wir gerade noch rechtzeitig erreichten, um mit dem letzten Boot des Tages zum Echo Point zu fahren. Also haben wir innerhalb von 15 Minuten unserere komplette Wanderaustattung inkl. Zelt, Wasser und Essen zusammengepackt um am Echo Point mitten im Regenwald zu campen und am nächsten Tag von dort aus wieder zum Auto zurückzulaufen (trotz Warnungen zu sehr aktiven Tiger Snakes (die Giftigste überhaupt) in diesem Gebiet – doch wir haben zum Glück keine gesehen). Wir haben nichts vergessen! Der Abend am Echo Point war eine herrliche Erfahrung: Absolute Ruhe mitten in der Wildnis. Und als Zugabe gab es einen Platypus (Schnabeltier), der scheinbar hier zu Hause war und abends im Lake St. Clair badete. Übrigens hatten wir hier die bisher kälteste Nacht in Australien: Ca. 5 Grad!

Nach unserer Nacht am Lake St. Clair sind wir nach Hobart, der „Inselhauptstadt“ mit 200 000 Einwohnern gefahren. Dort wurde es dann ziemlich historisch, denn die sichtbaren Wurzeln der Stadt gehen bis 1820 zurück, als Tassi noch Van Diemens Land hieß und die Engländer fleißig Sträflinge auf die Insel deportierten. Für uns war das ziemlich schön, denn wir fühlten uns wie in einer alten europäischen Stadt.

Nach Hobart folgten wir weiter den historischen Spuren auf Tasman Peninsula. Bevor wir uns allerdings Port Arthur anschauten, stoppten wir im historichen Richmond und waren mal wieder hiken. Wir sind 4 Stunden lang zum Cape Raoul und der steilen Ostküste Tasman Peninsulas gelaufen. Ein spannender Walk mitten durch typischen Tassi- Busch hinunter zu einer steilen Dolorit-Küste (so heißt das Gestein hier, welches Millionen Jahre alt ist und aus dem Tasmaniens typische Berge und Küsten bestehen), bei der das Land plötzlich und dramatisch endet und man gut hundert Meter tief hinunter in die Tasman Sea schauen kann! Ein magischer Ort und eine wirklich dramatische Landschaft.

Port Arthur ist wahrscheinlich der bekannteste Ort von Tasmanien, was nicht zuletzt auf seine späte und jüngste Vergangenheit zurückzuführen ist. Man muss sich Port Arthur heute als ein riesiges Freilichtmuseum vorstellen, welches sich über 10 ha erstreckt. In den Ruinen kann man sich noch heute sehr gut bildlich vorstellen, wie es gewesen sein muss, hier als Sträfling anzukommen und vermeindlich als „freier Mensch“ hier in der Sträflingskolonie zu arbeiten. Zäune gab es hier nicht: Flucht über das Wasser war unmöglich und das Hinterland wurde durch einen dichten Busch abgegrenzt, indem es keine Wasserquellen und natürliche Nahrungsresourcen gab. Noch heute finden Jäger hin und wieder einen ehemaligen Sträfling in dem dichten Busch um Port Arthur, der auf seiner Flucht umgekommen ist. In der Spitzenzeit lebten hier 16000 Menschen, größtenteils englische Sträflinge bewacht von Soldaten. Nach der endgültigen Schließung im Jahr 1877 suchten die verlassene Siedlung nicht nur Touristen, sondern auch zwei Buschfeuer heim, die die Gebäude großtenteils zerstörten. Einige der Backsteinbauten wurden abgerissen und deren Steine zum Aufbau von Hobart verwendet. Heute kann man nur noch Ruinen betrachten, die aber nicht weniger eindrucksvoll auf die Besucher wirken. Jeder der Besucher kann sich anhand einer Spielkarte selbst als Person in die Zeit Port Arthurs zurückversetzen: So zog Anne ein Ass und konnte ihre Rolle als Offizier in Port Arthur nachvollziehen. Ich (Seb); zog die Neun und kam also als gefangener Schmied nach Port Arthur, der in England eine Silberuhr und ein paar Münzen gestohlen hatte.

Nachdem wir wieder in diesem Jahrhundert angekommen waren, zogen wir weiter nach Maria Island. Wieder folgte eine Spontanpackaktion: Innerhalb einer Stunde mussten wir unser Hab und Gut für eine Nacht auf einer Insel ohne Autos, Shops etc. zusammensuchen um dort zu campen. Es folgte eine recht rauhe Überfahrt auf die kleine Insel. Dort angekommen fühlten wir uns wie im Paradies: Kaum Menschen, ein paar alte historsiche Gebäude in Darlington, der einzigen historsichen Siedlung der Insel, sowie weiße Strände und viele Wildtiere. Wir waren begeistert und sind noch bevor wir unser Zelt aufstellten zu den „Painted Cliffs“ gelaufen. Bei den „Painted Cliffs“ handelt es sich um Sansteincliffs, die über Jahrhunderte ausgewaschen wurden. Heute sieht man die einzelnen Schichten der Sandsteinablagerungen, die in verschieden Ockertönen schimmern.

Den nächsten Tag verbrachten wir damit, von den Fossil Cliffs (wo man viele Millionen Jahre alte versteinerte Muscheln finden kann) auf den zweithöchsten Berg der Insel; Mount Bishop & Clerk; zu hiken (siehe Bilder). Am Nachmittag kehrten wir mit der Fähre aufs Festland zurück und kamen dabei in den Genuss, duzenden von Delphinen und ihren Babys zu begegnen, die interessiert um das Boot herum aus dem Wasser sprangen. Unser Skipper legte sogar ein paar Extrarunden ein!

Nächste Station war die „Wineglass Bay“, die wir nur von einem Lookout aus gesehen haben (siehe Bild), denn wir wollten noch am selben Tag zur „Bay of Fires“ bei St. Helens im Nordosten von Tasmanien fahren. In der Bay of Fire fühlten wir uns dann wirklich im Paradies angekommen: Nahe von St. Helens fanden wir wieder einen kostenlosen Campground direkt in den Dünen vor gleich zwei weißen Stränden. Wir haben den warmen Rest des Tages genutzt und waren im türkisblauen Wasser schwimmen und sind kilometerlang in den Sonnenuntergang am Strand entlang gelaufen. Die Farben hier sind einfach unglaublich: türkisblauses Wasser mit weißen Stränden und rotbraunen runden Granitsteinen in den Buchten – aber seht selbst unsere Bilder!

Letzten Samstag und Sonntag sind wir über Launceston nach Devonport zurückgefahren – leider konnten wir wegen eines Stromausfalles in St.Helens nicht den Weg über den Nordosten nehmen. Unser Tank war fast leer und wir hätten durch Berge gemusst. Leider gab es aufgrund des Strommangels auch kein Benzin… Als alles wieder funktionierte, war es leider schon zu spät für diese Strecke.

Bevor wir allerdings wieder in Devonport eintrudelten, besuchten wir noch ein paar Teufelchen: Den Tassi Devil im Trowunna Wildlife Park. Dort werden zur Zeit 41 Tasmanische Teufel in einem Zuchtprogramm aufgezogen – ein kleiner Beitrag um die nun vom Aussterben bedohten Tasmanischen Teufel zu retten. Dem Teufel macht seit Ende der 90iger Jahre ein Gesichtstumor zu schaffen, der sich von Tier zu Tier überträgt und innerhalb von 6 Monaten zum Tod führt. In manchen Regionen im Osten von Tasmanien sind bereits 95 Prozent des Wildbestandes des Tasmanischen Teufels verschwunden. Niemand weis woher die Krankheit kommt, die Regierung startet Programme um einige resistente Tiere einzufangen und eine Art Arche Noa für den Tassi Devil zu bilden…

Neben vielen Infos zu den Teufelchen gab es noch ein paar andere Wildtiere zu sehen. Anne durfte sogar einen Baby (6 Kilo)- und einen Teenie- Wombat (14 Kilo) knuddeln – seht unsere Bilder! Ein ausgewachsenes Exemplar, wie wir es wild in den Cradle Mountains gesehen haben, bringt es je nach Geschlecht auf bis zu 36 Kilo! Und wir wissen nun, wie Kangaroos ihre Jungen im Beutel herumschleppen – seht unsere Bilder!

Letzten Montag sind wir wieder nach Melbourne zurückgekehrt – was leider nicht so einfach war wie es klang. Unsere Fähre hatte bei starkem Wind größte Schwierigkeiten am Warf anzulegen. Das Schiff brauchte drei lange Anläufe (der Kapitän versuchte wohl im Wind zu drifften) und schließlich die Hilfe zweier Schlepper um glücklich in Melbourne anzulanden. Inzwischen war der Hafen sogar für die Schifffahrt gesperrt worden, da es aufgrund der schmalen Fahrrinne viel zu gefährlich war in Melbourne anzulegen. So etwas hat es wohl noch nicht gegeben … Mit dreieinhalb Stunden Verspätung durfte die „Spirit of Tasmania“ dann sogar neben der „Queen Victoria“; einem der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt und gerade auf Weltreise; festmachen!

Gestern sind wir schnurstracks heraus aus der Großstadt und erholen uns im Surferort Torquay. Zwar scheint die Sonne und es sind jede Menge Surfer draußen, aber es blässt ein kalter Wind! Gestern saßen sogar die Lifeguards in langen Klamotten und mit Kapuze da!