Sonnenaufgang über der Lucky Bay, Cape Le Grand Nationalpark

Reisealltag und Neues von Wüste und Meer

Albany, Australien

Ein Blick auf unseren Tacho hat uns gestern dann doch ziemlich ins Staunen gebracht: In den letzten zwei Monaten haben wir 10.000 Kilometer zurückgelegt. Gut 2500 Kilometer davon sind wir in der letzten Woche gefahren. Hier im Südwesten verschwimmen irgendwie die Entfernungen. Um etwas zu sehen, was nicht nur wie ein gerader Highway und trockenes Farmland aussieht, muss man um die 500 Kilometer pro Tag zurücklegen. Die Fahrerei ist nicht so anstrengend – wir teilen uns ins die Strecken und Hörbücher (Tipp: Harpe Kerkeling: „Ich bin dann mal weg“) tun ihr übriges, aber dennoch sitzt man den Großteil des Tages am Steuer.

Es hat sich bei uns so etwas wie Reisealltag eingeschlichen. Im Grunde macht man „nichts anderes“ als zu Hause. Früh steht man auf und nach der Morgentoilette mit Frühstück verlässt man pünktlich um zehn den Campingplatz. Was folgt sind ein paar Stunden fahren, Sightseeing, Gedanken machen um Essen und Einkaufen, Wäsche waschen, Reisetagebuch schreiben, Bilder sortieren etc., bevor man sich wieder überlegt, auf welchen Campingplatz man die nächste Nacht verbringt. Mit dieser Entscheidung darf man speziell in Westaustralien aufgrund der Zeitverschiebung (wir sind in der letzten Woche durch zwei Zeitzonen gereist) nicht zu lange warten, denn Kochen und Zeltaufbau im Dunkeln ist zwar möglich, jedoch unpraktisch! Und hier geht die Sonne jetzt schon gegen 18.00 Uhr unter – die ersten Anzeichen des Herbstes.

Der Herbst hat uns doch überraschend schnell eingeholt – wir haben in letzter Zeit nur noch an wenigen Tagen kurz getragen. Und manchmal fragt man sich schon, warum man dann doch seine geliebte Jeans schon nach Hause geschickt hat! Die einzige Lange-Klamotten-Kombi, die man besitzt, geht einem dann doch langsam auf die Nerven. In den letzten zwei Tagen war es kalt, trüb und regnerisch. Dies ist beim Zelten auf Dauer etwas deprimierend! Nördlich von Perth gab es vor ein paar Tagen sogar einen gewaltigen Hagelschauer, der dort erst einmal die komplette Infrastruktur lahm gelegt hatte. Ein Ereignis, was selbst in den Abendnachrichten Thema Nr. 1 war und immer wieder die Bilder eines armen Moppedfahrers zu sehen waren, der sich fast verzweifelt vor den golfballgroßen Eisbrocken zu schützen versuchte… Einen Tag später ist das Unwetter auch über unsere Köpfe hinweg gezogen, mit gewaltigen und krachenden Blitzen, wie wir das schon sehr lange nicht mehr erlebt haben (wenn überhaupt). Wir waren heil frohen nicht in unserem Zelt, sondern unter einem festen Dach in einem Backpacker zu sein.

Ja, wir haben uns nach fast zweieinhalb Monaten Abstinenz wieder mal in einem Backpacker einquartiert und genießen ein paar Nächte den Luxus, nicht jeden Morgen die zwei Quadratmeter Zeltobdach einpacken zu müssen. Auch freuen wir uns mal wieder mehr auf junge Leute zu treffen. Denn seit die Urlaubszeit für die Australier vorbei ist, merken wir sehr stark auf den Campingplätzen, dass größtenteils nur noch ältere Leute unterwegs sind. Aussis, die bereits in Rente sind und nun mit Campervan gemütlich ihr riesiges Land bereisen.

Aber nach unserem Reisealltag dann doch zu den Fakten:
Wir haben in nur zwei Tagen die Nullarbor Ebene durchquert! Ein Trip, vor dem wir doch etwas Respekt hatten, denn überall heißt es, genügend Wasser mitnehmen, das Auto vorher noch mal checken lassen und ein paar Ersatzteile einpacken (was wir erst danach erfahren haben ;-)). Und das dann noch mit unserem 94er Camry?! Alles gut gegangen, unser grüner Frosch scheint die Kilometer nur so zu fressen! Aber trotzdem: Bleibt man hier liegen, hat man ein mittelschweres Problem. Man wird zwar sofort gefunden, denn einer der Biker, Road Trains (lange LKWs mit 2, 3 Hängern dran) oder Camper hält schon an und holt im nächsten Roadhouse (so heißen die Kombinationen aus Motel und Tankstelle aller 200 Kilometer in der Wüste) bestimmt Hilfe, aber dort gibt es mit viel Glück eine Batterie und Reifen. Größere Reparaturen sind auf jeden Fall mit Geduld, Nerven, Geld und Wartezeit verbunden.

Zwischenstopp für uns war Madura, nicht weiter erwähnenswert, aber in dieser Nacht sind wir Opfer des Wüstenwindes geworden. Der starke Wind hat uns nämlich reichlich roten Feinstaub ins Zelt gedrückt, den man nur mit einer Intensivwäsche (inkl. Zelt, Matratzen und Schlafsäcke) wieder los wurde. Der feine Dreck war einfach überall!

Entstaubt haben wir uns dann in Esperance an der Südküste von Western Australia. Danach sind wir  in den Cape Le Grand National Park gefahren, welcher 60km östlich von Esperance liegt. Zum Cape Le Grand Natonal Park fällt uns nur ein: unfassbar und atemberaubend schön!!! Auch wenn wir dies vielleicht schon ein paar Mal vorher gesagt haben, hier haben wir in jedem Fall den bisher schönsten Strand auf unserer Reise gefunden: die Lucky Bay! Puderweißer Strand (auch von der Konsistenz wie Puderzucker) und traumhaft türkis-blaues Wasser. Lasst Euch von unseren Bildern überzeugen! Känguruhs gab es dort natürlich auch, doch diesmal haben sie uns angeknurrt, wenn wir ihnen zu nah gekommen sind, was sich ziemlich schlecht macht, wenn so ein Tierchen direkt vorm Zelteingang liegt.

Den höchsten Punkt (Frenchmans Peak) vom Cape Le Grand National Park haben wir mit dem Sonnenaufgang bestiegen. Man hat von dem 290 Meter Hügel nicht nur eine atemberaubende Sicht, sondern der Hügel selbst ist schon eine Attraktion: 100%  Felsblock aus Granit und die Spitze ist großflächig unterhöhlt.

Vom Cape Le Grand sind wir über den Fitzgerald National Park (wegen schlechten Wetters  waren alle Campgrounds geschlossen) zum Stirling Range National Park, dem einzigen alpinen Gebiet im Südwesten Australiens mit immerhin über 1000 Meter hohen Bergen sehr schön, aber wegen schlechten Wetters konnten wir hier leider nicht wandern…

Nun sind wir in Albany, genießen, wie gesagt, ein bißchen soziales Leben verbunden mit dem Luxus eines Backpackers und schmieden Pläne für unseren weiteren Weg.