Rote Klippen am Weststrand von Cape Leveque

Mit dem Postmann zum Cape

Broome, Australien

Ihr merkt, wir sind immer noch in Broome. In dieser Stadt kann man – unerwarteterweise – echt hängen bleiben. Warum? Nun, als allererstes ist fantastisches Wetter, fast jeden Tag strahlendblauer Himmel, Sonne pur und tropische Temperaturen. Alles ist tropisch grün und voller exotischer Pflanzen. Hier gibt es alles, was man braucht und die „alte“ Innenstadt hat im Gegensatz zu vielen australischen Städten richtig Charme. Sie wird „Chinatown“ genannt und dementsprechend sieht es hier auch aus. Broome ist eine alte Perlentaucherstadt. Und zu dieser Zeit sind viele Chinesen, Malayen und Indonesier hierher gekommen, um im Perlentauchergeschäft zu arbeiten. Dementsprechend stellt die Bevölkerung einen exotischen Mix dar und die alte Innenstadt geht auf die Spuren chinesicher Siedler zurück. Man kann sogar noch einen alten chinesischen und japanischen Friedhof besuchen.

Auch gibt es so nette kleine Relikte aus alter Zeit wie das „Sun Pictures Cinema“. Dieses ist ein altes Freilichtkino noch mit originaler Bestuhlung und allem drum und dran. Dort haben wir uns „Robin Hood“ angesehen, wobei dann immer mal exotische Vögel, wie z. B. Ibise, vorbei geflogen sind. Ein cooles Ambiente also!

Um sich am Nachmittag abzukühlen, sind wir in den Tagen auch immer mal ins Meer am berühmten Cable Beach gesprungen – ein ellenlanger fast weißer Strand mit türkisblauem Wasser, leider aber auch vielen Touris, die sich dort herumtümmeln. Abends kann man dann ca. 50 Kamele beobachten, die bei Sonnenuntergang Touristen durch die Gegend schaukeln. Der Cable Beach heißt übrigens so, weil hier Australien telekommunikationsmäßig erstmal Anschluss an den Rest der Welt erhalten hat. Von hier aus wurde wortwörtlich ein Kabel durchs Meer nach Indonesien verlegt.

Nach unserem Kimberley-Trip hatten wir das Glück die sogenannten „Staircase of the Moon“ mitzuerleben. Ein Naturphänomen, welches hier nur 3x im Jahr auftritt. Um dieses zu sehen, muss folgende Konstellation herrschen. Der Mond geht kurz nach Sonnenuntergang glühend rot und riesig groß am Horizont auf. Und es muss absolute Ebbe herrschen. In Broome und Umgebung gibt es einen sehr hohen Tidenhub (das verhältnismäßig nahe gelegene Derby verzeichnet einen Hub von 11-12m!). D.h. bei absoluter Ebbe entsteht eine sehr große Wattfläche. Wenn der Mond nun am Horizont aufgeht, spiegelt er sich im Watt. Dies sieht dann aus, als würden leuchtende Treppen aus vom Boden hoch zum Mond führen – die „Staircase of the Moon“. Was für ein Erlebnis! Allerdings mussten wir dieses auch mit unzähligen anderen Menschen teilen. Am sogenannten Town Beach wird ein richtiger Nachtmarkt zu der Zeit veranstaltet, dementsprechend war richtig was los!

Von Montag bis Mittwoch haben wir einen kleinen Strandurlaub eingelegt. Aber nicht irgendwo, sondern dafür wollten wir zum paradisischen Cape Leveque. Wir hatten vorher schon viel drüber gehört und wußten, dass nur eine sehr schlechte Straße hinauf führt, die man natürlich wieder nur mit dem 4WD fahren kann. Die günstigste und erlebnisreichste Variante diesen Weg zu bewältigen, ist mit dem Postmann. Dieser liefert 3x in der Woche die Post zu den abgelegenen Aboriginal Kommunen am Cape. Also hieß es für uns am Montag 3Uhr morgens aufzustehen, um sich dann neben all den Päckchen und Säcken ins Auto des Postmanns zu quetschen. Insgesamt dauerte unser Weg 4h. Dabei konnten wir einen Blick auf die Aboriginal Communities werfen und schauen, wie die Menschen so leben. Die schlechte Straße ist übrigens von den Kommunen mehrheitlich bewußt so gewollt, um ein Stück weit abgeschieden zu leben und keine Touristeninvasion zu erleben.

Die Komunen unterscheiden sich so ziemlich von dem Australien, was wir bisher so gesehen haben. Viele der Komunen entsprechen einem gewissen Klischee, was hier von Aboriginal Leuten so vorherrscht: Überall Hunde, Müll und Autowracks auf den Straßen und überall scheinen die Menschen auf den Straßen herumzuhängen, scheinbar ohne Sinn. Auf der anderen Seite gibt es aber Beispiele, in der die Menschen doch so leben, wie wir es in der westlichen Welt als „normal“ bezeichnen würden. Die Komune in Lombadina ist so ein Beispiel: Man lebt von den Touristen und hier sieht die Welt aufgeräumt und grün aus. Die Nachbarkomune direkt auf der anderen Straßenseite sah hingegen ganz gegensätzlich aus. Es scheint uns als könnten die Menschen mit den sogenannten modernen Gegenständen der westlichen Welt nicht recht umgehen und hätten ganz andere Wertvorstellungen als wir. Einfach eine fremde Welt für uns.

Die zwei Tage haben wir dann seit langer Zeit mal wieder absolut faul verlebt, nur mit Sonne, Buch und viel Baden. Der sogenannte Oststrand war fantastisch, mit teilweise rötlichen Dünen, wirklich glasklarem türkisen Wasser und nur wenig Menschen. Am Weststrand mit seinen strahlend roten Felsen haben wir am 2. Abend einen wirklich spektakulären Sonnenuntergang erlebt – der schönste, den wir auf diesem Australientrip bisher gesehen haben!

Auf dem Rückweg nach Broome haben wir weitere Kommunen besucht, in denen wir auf dem Hinweg nicht gewesen waren; u.a. in Beagle Bay, wo der Altar der Kirche Ende 19.Jh. von Mönchen fast komplett mit Perlenmuscheln verziert wurde. Auch diesmal war im Auto wieder quetschen angesagt, aber nicht wegen der Post (die war ja schon abgeliefert), sondern weil das Postauto nun als Bustransport für Leute aus den Kommunen genutzt wurde, um nach Broome zu kommen. Aus also ursprünglich einem Fahrer plus drei Passagiere wurden plötzlich ein Fahrer und 6 Passagiere und beinahe wäre es sogar mehr geworden. Nur weil man es in den Komunen mit Terminen nicht so genau nimmt ist das Auto dann ohne den siebten Passagier abgefahren. Überhaupt haben wir uns da sehr an Samoa erinnert gefühlt: Für unseren Fahrer war es genau so eine Überraschung wie für uns, wen er denn so mit nach Broome bringen musste. Ein Erlebnis also.