Alter Mann wartet in seiner Pferdekutsche auf Kundschaft

Mandalay – historisches Zentrum Myanmars

Mandalay, Myanmar

Ungnädig weckt uns der Wecker um 4.15 Uhr in der Früh. Mit einem Frühstück „to go“ ausgerüstet fahren wir zum Flughafen von Yangon – um 6.05 Uhr soll unser Flug  in Richtung Mandalay starten.
Angekommen am Flughafen empfängt uns erst einmal ein völlig undurchsichtiges Durcheinander an Menschen und herumstehenden Gepäckstücken. Schnell haben wir unseren Check-In Schalter gefunden und schon sind wir unsere Rücksäcke erst einmal los, denn gleich vier Helfer schnappen nach unserem Gepäck. Eingecheckt sind wir dann recht schnell – wir erhalten ein handgestempeltes Ticket mit unseren Flugdaten und einen Aufkleber unserer Airline auf die Brust geklebt. Nach einem der typisch halbherzigen Sicherheitschecks sitzen wir schließlich mit einigen hundert anderen Passagieren in der Abflughalle. Die zwei einzigen Gates des Terminals sind provisorisch mit Ketten abgeschlossen. Die Aufkleber auf den Hemden der Passagiere bringen Ordnung ins Chaos – grüppchenweise werden nach und nach die einzelnen Flüge aufgerufen und alle Passagiere mit gleichen Aufklebern zu ihren Fliegern gebracht.
Auch wir sind schließlich an der Reihe und eine Stunde später setzen wir in Mandalay wieder auf. Überraschung für uns: Offensichtlich fliegen alle Fluggesellschaften an diesem  Morgen von Yangon aus das gleiche Ziel an und landen nacheinander in Mandalay.

Eine von vielen Plastikflaschen-Tankstellen

Eine von vielen Plastikflaschen-Tankstellen

Am Flughafen wartet wieder ein Guide mit Fahrer und Auto auf uns. Er stellt sich uns als „Tom Tom“ vor und wird uns rund um Mandalay begleiten. Fast haben wir das Stadtzentrum von Mandalay erreicht, als unser Kleinbus mitten auf einer belebten Straße beginnt zu stottern und dann völlig seinen Dienst versagt. Wir werden schnell in ein nächstes Restaurant evakuiert, während der Fahrer den Wagen wieder in Gang zu bringen versucht. Nach einer Dose Cola ist das Problem 10 Minuten später behoben – unser Fahrer hat offensichtlich am Straßenrand bei einem der vielen Plastik-Flaschentankstellen ein paar Liter Benzin ergattert…

Da es noch früh am Tag ist, erkunden wir auf eigene Faust das historische Zentrum von Mandalay. Erste Schwierigkeit dabei – es gibt keine Auto-Taxis, die auch als solche zu erkennen sind.
Nachdem das Transportproblem gelöst wurde, landen wir schließlich am historischen Shwenandaw-Kloster, einem mehrere hundert Jahre alten imposanten Holzbau. Das Gebäude ist das einzige Überbleibsel des alten hsitorischen Königspalastes von Mandalay, der ein Raub von Flammen wurde. Sein Dasein verdankt das alte Teak-Gebäude einem seiner spendablen Vorbesitzer, der es abbauen ließ, um es am heutigen Standort als Geschenk für das Kloster wieder zu errichten. Gleich zwei Mal wurde das Gebäude auf diese Art und Weise versetzt und ist heute noch Bestandteil eines aktiven Klosters. Uns fazinieren vor allem die reichen Holzverzierungen, die zahlreich an der Fassade vorhanden sind. Noch heute sind die Reste eines ehemals vorhandenen Goldüberzuges innen und außen zu erkennen.

Kuthodaw-Pagode mit seiner zentralen goldenen Stupa in der Mitte und vielen kleinen weißen Stupas rundherum

Kuthodaw-Pagode mit seiner zentralen goldenen Stupa in der Mitte und vielen kleinen weißen Stupas rundherum

Mittlerweile hat die Sonne ihren Höchstand erreicht und wir laufen zu Fuß zur Kuthodaw-Pagode, die Buddha’s Buch in Form von 729 Marmortafeln beherbergt, auf denen in burmesischer Schrift die Thesen Buddhas geschrieben sind. In Büchern umgerechnet wären das 38 Bände mit je 400 Seiten. In der Pagode gibt es wieder einen zentralen Stupa. Um diesen herum sind viele kleine Stupas aufgestellt, in denen sich die Marmortafeln befinden. In einigen Stupas sitzen sogar Mönche zum Studium. Ca. 40 Jahre benötigt wohl ein Mönch, um das komplette Buch Buddhas ausführlich zu studieren.

Ein wenig orientierungslos suchen wir später nach dem Weg zum Mandalay-Hill, von dessen oberster Pagode man einen tollen Blick auf das Umland haben soll. Mit mehr Glück als Verstand finden wir schließlich einen Aufgang und schwitzen eine dreiviertel Stunde in der Mittagssonne auf dem Weg nach oben. Wir werden für die Anstrengung belohnt, denn von hier sehen wir Mandalay’s historiches Zentrum von oben. Auch die Pagode auf dem Mandalay Hill selbst ist ein wahrer Prachtbau und mit Gold und wunderschönen farbigen Glasmosaiken verziert.

Blick vom Mandalay Hill - gut im Hintergrund zu sehen: der 4x2km lange und 52m breite Wassergraben, der den früheren Königspalast umgeben hat

Blick vom Mandalay Hill – gut im Hintergrund zu sehen: der 4x2km lange und 52m breite Wassergraben, der den früheren Königspalast umgeben hat

Den Weg nach unten wollen wir uns vereinfachen. Wir finden tatsächlich einen Aufzug, der uns zu einem Parkplatz eine Ebene tiefer bringt. Leider ereilt uns wieder das Taxi-Problem. Wir finden einfach keines. Dafür gibt es jedoch eine große Anzahl von Mopeds, die scheinbar organisiert den Taxibetrieb nach unten übernehmen. Nach einigen Überlegungen siegt die Bequemlichkeit und wir heuern ein solches Gefährt an. Zu dritt (wir + Fahrer) wagen wir die Abfahrt und gleich in der ersten Kurve passiert das, was passieren musste: Wir kippen einfach zur Seite um und landen am Straßenrand. Der Fahrer und ich (Seb) haben Glück und können uns gut abfangen. Anne jedoch landet auf der Seite und verletzt sich zu allem Überfluss auch noch die rechte Hand. Glücklicherweise nimmt uns dann ein Pick-Up den restlichen Weg mit nach unten und später fährt uns ein weiterer Kleinlaster zurück zum Gästehaus.
Dort reinigen wir die Blässuren. Leider sieht die Wunde an Anne’s Hand nicht gut aus. Schließlich entscheiden wir uns doch in ein Krankenhaus zu fahren. Wir folgen der Empfehlung unseres Reiseführers und lassen uns zum „private hospital“ von Mandalay bringen. Dort werden wir sofort in ein Behandlungszimmer gebracht und ein engagierter Arzt kümmert sich um uns. Allerdings sitzen im Behandlungsraum bereits fünf Menschen, zwei von ihnen werden behandelt. Der Arzt sieht sich die Hand an, reinigt sie und murmelt etwas von Nähen. Angesichts der Begleitumstände hier halten wir nicht viel davon und werden nach einigen Hin-und Her mit Salbe und ein wenig Verbandszeug entlassen. Fünf Tage lang sollen wir die Wunde reinigen und mit der Salbe behandeln… . In einer Apotheke (eher ein Stand am Straßenrand) können wir glücklicherweise noch unsere Vorräte an sterilen Verbandszeug aufstocken.  Wir haben auf jeden Fall die Nase erst einmal voll… . Um es aber vorweg zu nehmen: Die chinesische Salbe wirkt glücklicherweise und Anne’s Hand wird zu unserem „Orakel“, da wir sie zweimal täglich behandeln und jedes Mal gespannt auf das „Ergebnis“ gucken.

Herstellung der Goldblättchen, die überall im Land von Gläubigen auf Buddhas und Stupas geklebt werden

Herstellung der Goldblättchen, die überall im Land von Gläubigen auf Buddhas und Stupas geklebt werden

Am nächsten Morgen sammelt uns Tom Tom mitsamt Fahrer wieder ein und wir fahren in die Handwerker-Viertel von Mandalay. Erster Halt ist die 36. Straße mit ihren  Blattgoldmanufakturen. Hier arbeiten Männer, die den ganzen Tag aus dem Stand heraus auf ein Lederpäckchen einschlagen. Dazwischen befindet sich ein Körnchen reinen Goldes, gewonnen aus den Flüssen des Umlandes, dass nach stundenlangem Hämmern zu einem hauchdünnen Goldblättchen verarbeitet wurde. Das viele Gold, welches in Myanamar den Buddhas in den Tempeln gespendet wird, stammt ausschließlich aus diesem Viertel in Mandalay. Ein Job als „Goldklopfer“ ist unter den Männern begehrt, da er zwar körperlich anstrengend, aber sehr angesehen ist. Nebenbei verbessert man durch diese Arbeit auch das eigene Karma…
Körperlich schwer arbeiten auch die Steinmetze. Überall im Steinmetzviertel sind die Straßen von feinem, weißen Marmorstaub überzogen und die Luft wirkt regelrecht trüb. Wir wagen auch einen kurzen Blick in eine der Werkstätten: In FlipFlops und ohne Schutzkleidung meiseln ein Dutzend Männer an zukünftigen Marmor-Buddhas herum. Die Buddhas aus Mandalay finden sich überall in Myanmar wieder und sind auch ein Exportschlager in andere asiatische Länder.

Die Mahamuni-Pagode voller Gläubiger

Die Mahamuni-Pagode voller Gläubiger

Auf dem Weg aus der Stadt halten wir in der bekannten Mahamuni-Pagode, ebenfalls ein Mekka für buddhistische Pilger. Die Anlage ist überlaufen mit Gläubigen. In dem Säulengang vor der Mahamuni-Statue (ebenfalls ein goldener Buddha) knien unzählige Menschen zum Gebet. Die Mahamuni-Statue ist neben der Shwedagon-Pagode in Yangon und dem goldenen Felsen eines der Hauptpilgerziele des Landes. Der Buddha selbst ist an seinem Sockel schon nicht mehr als solcher zu erkennen, da dieser mit unzäligen Goldblättchen beklebt wurde. Schätzungen gehen hier von mehreren hundert Kilo Gold aus, welche die Gläubigen hier verklebt haben. Und auch heute tummeln sich unzählige Männer auf dem hohen Podest der Buddha-Figur, um ihr persönliches Goldblättchen aufzukleben. In der Tempelanlage werden wir außerdem zu Zeugen eines besonderen Ereignisses: Königlich gekleidete Kinder haben sich mit ihren Familien versammelt, um heute in das Kloster aufgenommen zu werden.

Die Lokals waschen sich und putzen ihre Zähne am Fluss während das Shuttle-Boot mit den Touris übersetzt

Die Lokals waschen sich und putzen ihre Zähne am Fluss während das Shuttle-Boot mit den Touris übersetzt

Endlich verlassen wir Mandalay und fahren zum Ayeyarwady-Fluß, um an einem Nebenarm dieses großen Flusses mit einem Boot zur fast vergessenen Königsstadt Inwa überzusetzen. Damit der Kahn nicht untergeht, pumpt während der Überfahrt ein junger Mann das Boot  mit einer Schwengelpumpe aus… . Drüben erwartet uns dann eine der zahlreichen Pferdekutschen und wir hoppeln zu unseren Sehenswürdigkeiten.
Am hunderte Jahre alten und heute verlassenen Bau des Maha Aung Mye Bonzan-Kloster empfangen uns zwei riesige Sandstein-Löwen.  Ich (Seb) fühle mich beim weiteren Erkunden der Anlage ein wenig wie Indiana Jones. Der Komplex wirkt erhaben und mit seiner sandstein-grauen Färbung unheimlich alt. Allein die vielen Verschnörkelungen und filigranen Stuckarbeiten lassen uns die einstige Pracht der Anlage noch heute erahnen.
Im alten Teak-Holzkloster „Bagaya“, welches noch heute als Pali-Schule für junge Mönche genutzt wird, lauschen wir dem Mantra junger Novizen, die im Chor die Worte des Lehrers immer wieder wiederholen – übrigens die typische Art und Weise, wie hier in Myanmar unterrichtet und gelernt wird.

Vom Saigaing-Hügel aus Blick auf den Ayeyarwady-Fluss

Vom Saigaing-Hügel aus Blick auf den Ayeyarwady-Fluss

Zurück auf der anderen Flußseite fahren wir zum Saigaing-Hügel. Von dort oben hat man einen  sehr guten Blick in das Umland von Mandalay. Hier schauen wir uns die 45 Buddhastatuen der Umin Thounzeh-Pagode an, welche die 45 Leben Buddhas symbolisieren. Außerdem ist die halbmondförmige Kolonnade, in der die Statuen angeordnet sind, reich mit verschiedenen Spiegelmosaiken verziert. Wie Tom Tom uns erzählt, soll dies die Menschen daran erinnern, dass auch ihr Leben vergänglich ist.

Als Abschluss unseres Tagesausflugs besuchen wir die berühmte U-Bein Brücke von Amarapura im Umland von Mandalay. Wir bekommen „Freizeit“ und ohne Begleitung von Tom Tom spazieren wir über die ein Kilometer lange Holzbrücke.  Obwohl diese ein wenig baufällig wirkt und hierzulande vermutlich keine Zulassung mehr erhalten würde, pilgern wir hier mit unzähligen anderen Touristen über die betagte Teakholzanlage. Nach den vielen vorangegangenen Tagen im Staub sind wir froh wieder an einem Gewässer zu sein. Wir saugen die Stimmung förmlich in uns auf: Im Abendlicht bestellen die Bauern unter uns im trockenen Flussbett mit ihren Ochsen ihre Felder. Anderswo waschen Frauen ihre Wäsche im Flusswasser. Wir sehen viele Männer, die im Fluß stehen und dort ihre Netze auswerfen. Dazwischen fahren kunderbunte Boote mit Touristen umher.  Am Ufer wird der frische Fisch dann auch gleich weiter verkauft… . Stundenlang könnten wir dieses Treiben beobachten, aber leider hat auch dieser Tag irgendwann mal ein Ende. Zur Entschädigung wartet in unserer Unterkunft ein leckeres, typisch birmesisches Curry auf uns!