Hauswand in Georgetown, Penang, Malaysia

Let’s get dirty

Penang, Malaysia

In Malaysia ist es ziemlich warm und nach Wochen voller tropisch feuchter Hitze hatten wir mal das Bedürfnis nach Abkühlung.Um die zu bekommen führt in Malaysia der einzige Weg nach oben – nach Tanah Rata in den Cameron Highlands.

Und wirklich konnten wir mal wieder drei Nächte ohne Klimaanlage im Zimmer bei fast schon wieder zu kühlen Nachttemperaturen schlafen. Wir waren auch ziemlich froh, noch einen langen Pullover im Gepäck zu haben, denn gerade nach Regen frischt es dort oben ziemlich auf.

Die Cameron Highlands sind vor allem von Agrarwirtschaft geprägt. Während man sich die kurvigen Straßen nach oben schlängelt, sieht man überall auf gerodeten Regenwaldhängen große Plastikzelte. Unter denen werden hier im milden Klima Früchte aller Art; besonders Erdbeeren;  angebaut. In der Landschaft sieht das ziemlich spektakulär aus, allerdings riecht es oft nach Düngemitteln und auch hier werden leider Plastiksäcke einfach achtlos am Straßenrand oder in den Flüssen entsorgt.

Will man in den Regenwald vordringen, ist man hier auf robuste Allradfahrzeuge angewiesen, die  in der Region vor allem aus Landrovern aller Altersgenerationen bestehen (mit ca. 4000 Landrovern ist dies die größte Ansammlung dieser Fahrzeuge außerhalb der britischen Armee).
Auch wir haben uns eine Tour in den Dschungel gebucht um die weltweit größte „Blume“, die Rafflesia zu sehen. Und ehrlich, alles was wir bisher in Australien mit dem 4-WD erklommen haben, war Pillepalle im Vergleich zum asiatischen Regenwald. Unsere beiden Fahrzeuge kämpften sich durch teilweise einen halben Meter tiefen braunen und weichen Schlamm. Nur wirklich mit reichlich Geschick unserer Fahrer, frisch geschlagenem Bambus in der Fahrrinne und vor allem Luft anhalten konnten wir überhaupt zum Ausgangspunkt unserer Dschungelwanderung vordringen.

Über eine typische Dschungelbrücke aus Bambus (siehe Foto) ging es dann in den dichten immergrünen Regenwald. Überall wucherten Pflanzen, Lianen und meterhoher Bambus. Allerdings waren wir auf diesem ganz und gar nicht ökofreundlichen Ausflug nicht allein. Irgendwie hatten es dutzende Touris mit ihren Führern in den Dschungel geschafft. Als wir dann endlich die Rafflesia zu Gesicht bekommen sollten, hieß es anstellen. Um die Blüte der Riesenblume zu sehen (die übrigens eigentlich ein Pilz ist) hieß es Anstellen im Regenwald und eben schnell mal ein Foto machen.

Nach unserem abenteuerlichen Rückweg (glücklicherweise hatten wir eine Tour mit zwei Fahrzeugen, so dass wir uns aus dem Schlamm befreien konnten als wir dann doch feststeckten) ging es wieder zurück in die Highlands zu den Teeplantagen.
Die Teeplantagen hier sind schon eine echte Augenweite, aber seht selbst unserer Bilder. Übrigens sind die Buxartigen Teebüsche ziemlich robust, wie ich (Seb) selbst ausprobierte. Mit etwas Geschick kann man sich nämlich auf die Teebüsche legen und von dort aus den Blick in die Highlands genießen ;-).

Am späten Nachmittag ging es noch ein wenig höher in die Berge auf knapp 2200 Meter Höhe zum Aussichtspunkt, von dem wir – dank dichtem Nebels – leider nichts sahen. Dafür konnten wir aber eine kurze Wanderung durch dichten vermoosten Regenwald genießen und hatten dort sogar eine „Erscheinung“. Ein malayisches Hochzeitspaar ließ sich nämlich gerade bei dem unwirklichen Wetter fotographieren und auf uns wirkten die beiden in ihrer traditionellen Kleidung (er ganz in weiß und sie in einem bunten Kleid) wie Elfen. Auch fühlten wir uns in dieser mystischen Stimmung – abgesehen von dem dort wachsenden Bambus – sehr an den Süden Neuseelands erinnert. Feucht triefende, vermooste Wälder …

Den nächsten Tag sind wir noch einmal auf eigene Faust in den Dschungel vorgedrungen und um Tanah Rata herum ein bißchen wandern gewesen. Auch dort gab es eine Erscheinung: armdick, geschätzte 2,5 Meter lang und wunderschön gelbbraun mit schwarzen Kringeln gezeichnet. Wir wissen nicht genau ob es eine Phyton war, aber jedenfalls schlängelte sich diese Schlange gemütlich durch das Laub am Wegrand bevor sie augenblicklich auf den Fluchtmodus umstellte und mit atemberaubender Geschwindigkeit im Wald verschwand. Ganz schön aufregend!
Am Ende unseres Weges landeten wir in einem kleinen Dorf, in dem die Menschen teilweise nur in Blechhütten wohnten und vom Gemüseanbau lebten. Sehr schön so etwas fernab des „Banana Pancake Trails“ (so heißt – laut dem Reiseführer Lonely Planet – die Route der westlichen Touristen durch Malaysia, weil die Touris sich vor allem von Pfannkuchen mit Bananen ernähren;-)) zu sehen.

Mit einem sehr „mutigen“ Fahrer und einem überholungsbedürftigen Reisebus ging es für uns mit atemberaubender Geschwindigkeit wieder ins Tiefland und diesmal auf die Insel Penang.
So gar nicht Backpackermäßig haben wir uns hier in einen Hotelkomplex nahe Georgetown einquartiert – mit Blick auf das Meer (in dem man dank Quallen lieber nicht schwimmen geht). Hier haben wir ein wenig die Seele baumeln lassen, leckerste indische Küche genossen (es wird langsam mit dem Essen – wir entdecken immer mehr kulinarische „delights“) und die alte Kolonialstadt Georgetown erkundet.
In Georgetown ist noch einmal sehr der für Malaysia so typische Kultur- und Religionsmix zu spüren – vom lärmenden Little India, über Chinatown mit fantastischen Tempeln bis hin zu alter Kolonialarchitektur. Einfach faszinierend!

Im Schlafbus geht es heute Nacht nach Singapur – die letzte Station unserer Reise.