Boab-Bäume in der Landschaft von Kimberley

Kimberley

Broome, Australien

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns. Wir haben ein bißchen in den wilden Nordwesten Australiens – in die Kimberley Region – hineingeschnubbert. Wöllte man dieses riesige Gebiet vollständig erkunden, müßte man schon mehrere Wochen investieren. In unseren sieben Tagen hat es aber mindestens so weit gereicht die bekanntesten Naturhighlights zu bestaunen. Dafür haben wir uns einen 4WD ausgeliehen, denn die Kimberley Region ist nur über die sogenannte Gibbs River Road erreichbar, welche als 4WD-Strecke gilt. Die Gibbs River Road wurde ursprünglich mal angelegt, um aus dieser schwer erreichbaren Gegend die Rinder von den riesigen Rinderfarmen zusammen zu treiben und von A nach B zu bringen.

Insgesamt haben wir satte 2511km zurückgelegt. Unser Weg führte uns von Broome über Derby in die West Kimberley Region. Die erste Nacht verbracht, haben wir in der Nähe der sogenannten Bell Gorge. Auf dem Weg dahin gab es bereits drei Bachläufe zu durchqueren, in der Regel ca. knietief. Vorm ersten standen wir erst einmal wie die Kuh vorm Dorfe. Auf unserer Strecke am ersten Tag hatten wir eigentlich noch nicht damit gerechnet. Nun gut, dafür haben wir uns ja den 4WD ausgeliehen. Ich (Anne) war der Wasserprüfer und bin erstmal hindurch gewatet, um Seb dann die Beschaffenheit von Untergrund und Wassertiefe sagen zu können. Er konnte dann in Ruhe den 4WD-Modus einlegen und gemütlich den Bachlauf durchqueren. Das ist schon ziemlich cool und kennt man von zu Hause wahrlich nicht!

Erstaunt hat uns an der Landschaft wie grün diese erscheint. Dies waren wir bisher von Australien gar nicht gewöhnt, ist aber erklärbar durch die Regenzeit, welche hier erst im Mai endet. Auch fanden wir die vielen Boab Bäume toll (schaut auf die Fotos)! Neben der Bell Gorge haben wir auch die Manning Gorge besucht. In beiden Schluchten konnten wir in herrlich erfrischenden Pools baden gehen. Letztere ist ein richtiges kleines Paradies mit Palmen am Wasserrand und einem Wasserfall, durch den wir hindurch schwimmen konnten. Die herunterprasselnden Tropfen muss man mal Unterwasser gehört haben – ein akustisches Erlebnis!

Die Manning Gorge liegt ungefähr in der Hälfte der insgesamt ca. 650km langen Gibbs River Road. Von dort aus sind wir wieder umgekehrt, um später einen Abzweig zum Highway zu nehmen. Auf dem Weg dahin erlebten wir noch die Highlights von „Windjana Gorge“ und „Tunnel Greek“. Erstere erlebten wir bei Sonnenuntergang und auch im frühen Morgenlicht. Der Sonnenuntergang war fantastisch. Diese riesig hohen senkrecht aufragenden Felswände glühten nur so im roten Licht!! Am nächsten Morgen haben wir hier dann sogar noch ein paar „Freshies“ gesichtet – Frischwasserkrokodile -, die sich auf den Sandbänken in der Morgensonne wieder aufheizen wollten.

Tunnel Creek ist ein Fluss, der sich unterirdisch seinen Weg durch das Gestein vom Napier Range gesucht hat. Dabei ist eine Höhle entstanden, in die man bei Trockenzeit hineinklettern, ca. 1km durchlaufen kann und am anderen Ende wieder an einem Ausgang herauskommt. Zwischendrin ist die Decke schon kollabiert, so dass ein riesiges Loch aufklafft, in das Tageslicht hineinströmt. Über diesen Eingang kommen auch viele Fledermäuse hinein, die sehr laut protestierend herumkreischen, wenn man zu ihrem Hängeplatz in der Höhle kommt.

Bei all diesen Aktivitäten, in die Bell und Manning Gorge, Tunnel Greek etc. kamen uns die Kimberley wie ein großer Abenteuerspielplatz vor. Wir mussten laufen, klettern, konnten Schwimmen gehen … es hat einfach großen Spaß gemacht die Gegend so zu erkunden! Die Kimberley können wir jedem Australienreisenden einfach nur empfehlen!

Wieder auf dem Highway mussten wir erstmal wieder knapp 500km zurücklegen, um zum Abzweig zu kommen, der in den Purnululu National Park hineinführt. In Halls Creek mussten wir dann noch schnell ein Rad wechseln –  ausgerechnet an einer Tankstelle mussten wir uns einen Nagel einfahren… Im Purnululu National Park kann man die berühmten Bienenkorbartigen Felsen, die Bungle Bungles, bestaunen. Der Weg in den Purnululu National Park gilt als richtiger 4WD-Track, wo man für die 53km bis zum Visitor Centre 2-3h holprige Fahrt einplanen soll. Deshalb schliefen wir – neben vielen anderen – die Nacht vorher am Highway auf einer sogenannten „24hr Rest Area“ um am nächsten Morgen zeitig starten und den anstrengenden Weg auf uns nehmen zu können.

Die nächsten zwei Tage im Purnululu National Park haben wir dann überraschenderweise nicht allein verbracht, sondern hatten nette Gesellschaft von dem französischen Pärchen Maude und Frederic. Diese haben wir im wahrsten Sinne des Wortes am Eingangstor des National Park aufgelesen. Sie öffneten netterweise für uns das Tor und fragten, ob wir ihnen einen „lift“ geben könnten. Den beiden war es schlichtweg zu teuer extra einen 4WD auszuleihen oder auf eine der sehr teuren Touren mitzugehen, um die Bungle Bungles zu erkunden. Deshalb haben sie es einfach mit „hitchhiking“ probiert. Wie man sieht mit Erfolg. Da es für sie recht kompliziert gewesen wäre noch am gleichen Tag irgendwie wieder aus dem National Park hinaus zu kommen, haben wir sie einfach eingeladen die nächsten zwei Tage mit uns zu verbringen. Ein kleines Zelt hatten sie zum Glück für den Notfall mit dabei.

Zu Viert haben wir nun die beindruckenden Felsformationen der Bungle Bungles bestaunt, die „Cathedral Cove“ in Augenschein genommen, einem tollen Sonnenuntergang zugeschaut und am nächsten Morgen das „Palm Valley“ und die „Echidna Chasm“ erwandert. Letztere ist im Prinzip eine Art Felsspalte, die sich durch Wasser und Witterung immer tiefer in das Gestein frisst. Man kann in diese mehrere hundert Meter hineinlaufen. Es ist Wahnsinn dort drin zu stehen, nur ca. 2m breit oder sogar enger und bestimmt 100m hoch oder gar mehr, dunkel und gewaltig und von weit oben fällt das Sonnenlicht hinein.

Am Freitag hieß es dann den ganzen langen Weg von reichlich 700km zurück nach Broome zu fahren, um das Auto (wir haben sie „Bouncing Betty“ getauft, wobei „Schluckspecht“ auch nicht schlecht gewesen wäre) zurück zu bringen. Einen schönen Abschluß unseres Trips haben wir noch gefunden, in dem wir die letzte Nacht ein bißchen nördlich von Broome an der „Willi Creek Pearl Farm“ auf einem „wilden“ Platz geschlafen haben. Sand und Wasser sahen dort traumhaft aus, leider konnten wir aber nicht baden gehen. Denn dort gibt es „Salties“, Salzwasserkrokodile; weitaus aggressiver und ungemütlicher als „Freshies“! Mit denen wollten wir uns natürlich nicht anlegen, denn wie die Jungs so drauf sind, durften wir bereits in einem Wildlife Park in Broome erleben, den wir vor unserem Trip noch besucht haben.