Anne beim Paddeln im Abel Tasman National Park

Kajakerfahrungen

Nelson, Neuseeland

Nach den anstrengenden Reisetagen auf der Nordinsel wollten wir uns ein paar Tage Ruhe in den Marlborough Sounds und in Nelson gönnen…
Aber so wie man plant, so kommt es ja dann meist doch nicht!

In Wellington haben wir noch einmal einen ganzen Tag im Te Papa, dem neuseeländischen Nationalmuseum, verbracht. Auch diesmal haben wir wieder Bauchglötze gestaunt, wie gut multimedial aufbereitet hier die Ausstellungen sind. Diesmal sind wir bei der Geschichte der Maoris, der neuseelandischen Ureinwohnern und einer Austellung über Pounamu, dem neuseelandischen Greenstone (Jade) hängengeblieben. Besonders beeindruckt hat uns ein vollständiges Maori- Versammlungshaus (in Maorisprache: marae), welches im Te Papa komplett aufgebaut wurde und den Besuchern frei zugänglich war.

Unsere Fährüberfahrt zur Südinsel war ein Traum. Anders als 2007 sind wir diesmal bei Tageslicht übergesetzt. 3 Stunden Fahrt über die Cook Strait. Allerdings sah es anfangs auch nicht so gut für unsere Überfahrt aus: Wellington war wieder einmal typisch windy, es regnete und die Wolken hingen natürlich dementsprechend tief. Da wir das Fährencafe nicht so sonderlich atraktiv fanden, haben wir uns entschlossen, die gesamte Überfahrt draußen an Deck zu verbringen! Beheizt! Wir saßen nämlich direkt am Schornstein der uns den Rücken wärmte und von dem ein permanenter warmer Luftstrom direkt auf unseren Platz niederrieselte. Mitten auf See brach dann plötzlich die Sonne hervor. Unsere Einfahrt in den Queen Carlotte Sound haben wir bei blauem Himmel erlebt! Einfach phanatastisch, denn die Fähre brauchte gut eine Stunde um sich durch das Fjord zu schlängeln und schleßlich in Picton anzugelangen. Würde man uns hier auf ein Boot setzen – wir würden uns vermütlich hoffnungslos verirren.

Von Picton aus sind wir direkt nach Anakiwa zum gleichnamigen Backpackers gefahren. Dieses liegt direkt am Ende des Queen Charlotte  Tracks und hat seit einem Jahr zwei neue Eigentümer. Tanya und Shane haben vor einem Jahr das Hostel ziemlich kurzentschlossen gekauft, haben danach direkt ihren Container gepackt und sind von England nach Neuseeland ausgewandert. Jetzt stecken die beiden viel Engagement in ihr Hostel.
Am gleichen Nachmittag noch haben wir uns die hosteleigenen Seekajaks ausgeliehen und sind ein paar Stunden auf dem Queen Charlotte Sound herumgeschippert. Böse Überrraschung am Ende unseres Ausfluges: Unsere Sandalen haben sich leider entschlossen, fortan ohne uns Neusseeland zu erkunden. Die Hoffnung, ein Kajakguide könnte die Schuhe aus Versehen mitgenommen haben hat sich leider nicht bestätigt :-(

Ohne Sandalen, aber in unseren Boots sind wir am nächsten Tag die erste Etappe des berühmten Queen Charlotte Tracks gelaufen: von Anakiwa ging es nach Mistletoe Bay. Der Weg war für vier Stunden ausgelegt, wir haben ihn in drei „erledigt“ und haben noch einen Ausflug nach Te Mahia in den benachbarten Kenepuru Sound gemacht um einen Kaffee zu trinken. Richtig begeistert hat uns der Track nicht. Wir haben so ziemlich den Altersdurchschnitt gedrückt und waren vermutlich die einzigen, die auf dem seeeehr(!!) gut ausgebauten Track keinen Guide hatten 😉 Folglich waren die 12 Kilometer Bushwalk nicht ganz so spannend, allerdings mit tollen Aussichten auf den Queen Charlotte Sound gespickt. Von Mistletoe Bay sind wir mit dem Boot zurück nach Anakiwa gefahren.

Am Samstag sind wir schließlich relativ früh nach Nelson aufgebrochen um uns dort wieder vernünftige Sandalen zu kaufen. So haben wir mehr oder minder per Zufall den berühmten Saturday Morning Market von Nelson mitgenommen. Hier gab es erstmal proper german sausage mit Sauerkraut. Gute Wurst zu machen, haben die Kiwis in den letzten zwei Jahren nämlich noch nicht gelernt… . Gestärkt haben wir dann stundenlang sämtliche Outdoorgeschäfte (von denen es hier erstaunlich viele gibt) abgeklappert um Sandalen zu finden.

Wegen eines schlechten Wetterberichtes für den Abel Tasman National Park haben wir uns, statt wie für Montag geplant, spontan am Sonntag entschlossen, dort zu kajaken. Was für eine Aktion! Wir mussten recht früh von Nelson in den National Park nach Marahau fahren. Da wir ohne Guide fahren wollten, gab es für uns eine zweistündige Einweisung in das Kajak! Wirklich vom Allerfeinsten. Wir durften erst in die offene See paddeln, als wir gelernt hatten nach einer möglichen Kenterung mit dem Boot dieses im Wasser wieder richtig herum zu drehen und hinein zu krabbeln (es war glücklicherweise eine Trockenübung). Außerdem wurde Ablegen und Anlanden geübt, was am offenen Meer mit Wellen sehr viel schwerer ist als man vielleicht denkt. Und dann konnte das Abenteuer beginnen: Ablegen bei hereinkommender Flut mit Gegenwind im Doppelkajak! Anne musste vorn als Erste ins Boot und bekam leider nicht so schnell ihren Rock (quasi das Verdeck) verschlossen. Ensprechend viel Wasser kam erstmal ins Boot. Mir (Seb) ging es hinten nicht viel besser. Als wir dann endlich im Wasser waren, mussten wir gegen die Strömung und doch recht starken Wind kämpfen. Wir haben uns zum ersten Strand in vier Kilometern Entfernung gequält und haben uns dort erstmal zum Trocknen aufgehangen. Erst viel später hatte sich das Wetter ein wenig beruhigt und wir konnten das paddeln genießen.
Abends waren wir einfach nur platt und müde.

Entgegen allen telefonischen Ankündigen haben wir uns gestern entschlossen, doch den Heaphy Track in einer Fünftagestour zu laufen. Wir haben einen recht günstigen Tracktransport gefunden (der Track ist logistisch ein bißchen aufwendig, da er von der Golden Bay zur Westküste führt und diese beiden Orte infrastrukturtechnisch nur durch einen ca. 400km langen Weg verbunden sind). Wir werden morgen von Nelson nach Karamea zum Kohaihai Shelter gefahren um dort loszulaufen. Nach 82 Kilometern wollen wir am Sonntag am Trackende in der Brown Hut, 50 Kilomter von Collingwood wieder ankommen. Von dort aus werden wir noch am selben Abend nach Nelson zurückgefahren.
Somit haben wir den gestrigen Tag damit zugebracht uns für den Ausflug  vorzubereiten und einzudecken. Heute ist der erste wirklich entspannte Tag, an dem wir die gute Infrastruktur unseres Hostels (free HighSpeed Internet) nutzen können. Wir haben uns sogar per ZDF-online mal wieder deutsche Nachrichten angesehen. Ach ja, und heute vormittag haben wir uns im neuseeländischen Fernsehen Sondersendungen zu 20 Jahre Mauerfall angesehen. Wir waren sehr überrascht, das dem hier so viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde und nicht nur eine bloße Meldung in den Nachrichten war.