Typisch Island

Island – Feuer, Eis und weites Nichts

… so lässt sich Europas Außenposten im Norden wohl am ehesten beschreiben.  Uns ist  dieses Outdoor-Paradies  immer wieder in den Köpfen herumgeschwirrt. Mit zwei Rücksäcken, unserem guten Zelt aus Australien und dicken Daunenschlafsäcken fliegen wir 2012 endlich in den isländischen Sommer.

Obwohl es schon weit nach Mitternacht ist, landen wir im Sonnenuntergang in Keflavik, dem abgelegenen internationalen Flughafen der Insel. Auf dem Weg nach Reykjavik, Europas nördlichster Hauptstadt, wird es für eine Stunde richtig dunkel. Als wir unser Zelt aufgeschlagen haben und endlich in unseren Daunenschlafsäcken liegen, wird es schon wieder hell. Wir teilen uns mit vermutlich hunderten anderen Rucksackreisenden den kleinen Campingplatz.

Wind und Sonne versüßen uns den Aufenthalt in Reykjavik, das uns vor allem wegen seiner  alternativen Cafés, Galerien und vielen bunten Wellblechhäusern besonders gut gefällt. Die Menschen sind freundlich, die Straßennamen schier unaussprechlich und während wir uns bei gefühlten 15 Grad in dicke Jacken gekuschelt haben, kleiden sich die jungen Isländerinnen in Kleidern und Flip Flops.

Mit einem „4-Wheel“ Bus lassen wir uns einigermaßen bequem ins isländische Hochland chauffieren. Das Ziel ist Landmannalaugar, ein fantastisches Gebiet zum Wandern.  Abseits der Südküste ändert sich die Landschaft dramatisch: Moosgrüne Weiden verschwinden in einem weitem, grauen und endlosen Nichts aus Staub und Steinen. Sieht es auf dem Mond so anders aus?

Landmannalaugar ist der Beginn des weltbekannten Laugavegur-Tracks durch die bunten Rhyolit-Berge, die diese Region so unverwechselbar machen. Auf den Track müssen wir leider verzichten – Anne kämpft noch mit einer ausklingenden Grippe. Stattdessen verbringen wir gute 3 Tage hier, entdecken mit der Kamera diese wilde Schönheit  und teilen uns den naheliegenden natürlichen Hot Pool mit vielen anderen Tagestouristen.  Obwohl wir noch nie da waren, erinnert uns der hiesige Campingplatz sehr stark an das Everest-Basecamp.

Wir schummeln und erreichen einige Tage später per „4-Wheel“ Bus das andere, grüne Ende des Laugavegur in Pórsmörk. Besonders markant ist hier das kleine, natürliche Birkenwäldchen, dem einzigen wirklichen Wald auf Island. Die Nächte verbringen wir hier in der Nähe des Eyafjattlajökull, dem Vulkan, dessen Asche 2010 den kompletten Flugverkehr in Europa lahm legte.

In Reykjavik nehmen wir nach einer  sehr abenteuerlichen Suche nach unserem Autoverleiher endlich unser Auto in Empfang und beginnen unsere Inselumrundung: 1800 km entlang Island‘s Küste. Erste Station ist die Region Pingvellir, wo die Isländische Demokratie ihre Wurzeln hat und Kontinentalplatten von Europa und Amerika sich immer mehr voneinander entfernen. In der Spalte, die mittlerweile zwischen den Kontinenten entstanden ist, kann man bequem spazieren gehen.

Die Nacht verbringen wir in Geysier. Hier wurden die sprudelnden Thermalquellen zum ersten Mal beobachtet. Seither sind alle Geysiere nach diesem Ort benannt worden.  Bevor wir jedoch ans Schlafen denken, nutzen wir die taghelle Nacht, um halb elf Uhr abends noch einen Ausflug zum mächtigen Wasserfall Gulfoss zu machen. Wir müssen uns den spektakulären Anblick des Wasserfalls nur mit einem deutschen Filmteam teilen – traumhaft! Auch für den Naturschutz in Island ist der Ort von Bedeutung: Ursprüngliche Pläne der Regierung, an dieser Stelle den Fluss zu zähmen sind am Wiederstand eines angrenzenden Bauern gescheitert. Heute steht der Wasserfall unter Naturschutz.

Am nächsten Morgen spüren wir, dass wir mitten in einem geothermal sehr aktivem Gebiet gelandet sind. Wir werden von einem tiefen Blubbern der nahen Schlammquellen geweckt. Der Geruch hier erinnert uns sehr stark an diverse Regionen in Neuseeland….

Die nächsten Tage folgen wir der südlichen Küstenstraße. Ein Wasserfall wechselt mit einem anderen ab. Die Küste ist rau, grün und karg. Wir legen viele Kilometer zurück und sind von der Schönheit dieser Insel immer mehr fasziniert.  Wieder nutzen wir die schier endlose Dämmerung vor dem Schlafengehen, um am Strand von Reymisfiarra noch einmal spazieren zu gehen und den Papageitauchern  bei  ihren tollpatschigen Flugmanövern zuzusehen.  Später können wir zusehen, wie rasch der Mond über dem Atlantik aufgeht.