Küste von Jardim do Mar

Inseltracking auf Madeira

Landschaftlich begeistert uns in Madeira vor allem das grüne Inselzentrum mit seinen tiefen Talkesseln, welches wir entlang verschiedener Levadas erkunden. Atemberaubend gelegen ist besonders der Ort „Curral des Freias“ mitten in einem der zentralen Bergkessel. Leider haben wir nicht mehr das Vergnügen, den Ort über die spektakuläre Straße zu erfahren, die frühe Siedler in die senkrechte Felswand geschlagen haben und bis vor wenigen Jahren den einzigen Zugang ermöglichte. Heute müssen wir mit einem der vielen mit EU-Mitteln geförderten Tunnel Vorlieb nehmen –  schade!

Zum Höhepunkt wird für uns der mehrstündige und abenteuerliche Aufstieg zum höchsten Punkt der Insel, dem Gipfel des „Pico Ruivo“.Wir starten kurz nach Sonnenaufgang vom Parkplatz am „Pico do Arieiro“ und befinden uns an diesem Morgen über den Wolken, die sich an den Küstenlinien verfangen haben. Der Weg ist steil, steinig und trocken und wurde über Jahre hinweg von den Madeirarianern in mühevoller Handarbeit in den harten Basaltfels geschlagen. Um zum höchsten Punkt der Insel zu gelangen, müssen wir fast 1000 Meter ab- und wieder aufsteigen und etliche Tunnel durchqueren. Die heiße Sommersonne quält uns und um 9.00 Uhr morgens ist es in den windgeschützten Tälern bereits siedend heiß. Aber dafür werden wir mit einem wirklich fantastischen Blick auf Madeira belohnt.

Die zweite Hälfte unseres Inselaufenthaltes verbringen wir im Westen. Von hier aus erkunden wir das Hochplateau Madeiras, einer mehrere Quadratkilometer großen Ebene, genannt Paul da Serra. Unglaublicherweise erleben wir einen wirklichen Temperatursturz hier oben: im dichten Nebel sinkt das Thermometer auf fast nur noch 12 Grad und wir können kaum die Hand vor Augen sehen und auch nicht die Kühe, die hier oben eine gewisse Narrenfreiheit genießen.

Der Westen der Insel wirkt auf uns wie die Weltkugel im Kleinformat. Neben vielen blühenden Pflanzen fahren wir durch Eukalyptuswälder wie in Australien oder fühlen uns plötzlich wie in Neuseeland, als wir die ersten Baumfarne entdecken. Die Insel ist hier viel dünner  besiedelt als im Süden. Die Küste ist höher und viel rauher und  die Dörfer kleiner und ursprünglicher. Uns fällt auf, dass sich viele Dörfer hier mit echten Blumengirlanden festlich herausgeputzt haben. Hier wurde ab 15. August, wie in jedem Jahr, Mariä Himmelfahrt mit einer festlichen Prozession gefeiert. Manche Dörfer feiern am Wochenende darauf noch einmal ein Straßenfest mit Musik und vielen Leckereien aus der Umgebung.

Apropos Leckereien: Unbedingt probieren sollte man auf Madeira die bekannten Fleischspieße „Espada da Madeira“, die auf einem heißem Holzfeuer zubereitet werden und mit Gemüse der Saison gerreicht werden. Zum Desert sollte man sich dann einen Schluck Madeira Wein zusammen mit dem „Bolo de Mel“, einen Honigkuchen bestellen – lecker!

Im süwestlichen Touristenort Calheta werden wir dann übrigens doch noch mit einem mehr oder weniger weißen Sandstrand überrascht: In einem künstliche Hafenbecken, geschützt vom rauen Atlantik, wurden hier ganze Schiffsladungen von Sahara-Sand aufgeschüttet.