Inle See

Inle See

Nyaung Shwe, Myanmar

Der Zufahrtskanal von Nyaung Shwe im Morgenlicht

Der Zufahrtskanal von Nyaung Shwe im Morgenlicht

Um 8.00 Uhr sind wir wieder mit unserem Guide Aung Aung verabredet. Zusammen nehmen wir uns wieder unser gestriges Boot mitsamt gleichem „Kapitän“ und knattern in Richtung Inle See los.  Zusammen mit uns fahren dutzende andere Touristenboote hinaus auf den See und entsprechend quirrlig geht es in dem kleinen Kanal zu, der uns von Nyaung Shwe auf den See führt. Witzigerweise sind die Touristenboote klar an ihrer 5-Mann Bestuhlung zu erkennen. Mehr Passagiere sind auf den Touristenbooten nicht zugelassen. Sind allerdings die Einheimischen selbst unterwegs, hocken auf den Booten meist ein Dutzend Passagiere auf dem Boden zwischen reichlich Gepäck und allerlei Waren. Wichtigstes Utensil aller Reisenden: Ein Regenschirm. Der schützt vor der Sonne, ist aber auch ein effektiver Schutz gegen den kalten Fahrtwind am frühen Morgen. Auch wir hüllen uns in Alles, was wir so dabei haben.

Aung Aung erzählt uns, dass die Boote noch vor wenigen Jahren viel ruhiger waren und von Gasoline angetrieben wurden. Mittlerweile wurden alle Motoren durch billige chinesische Dieselmotoren ersetzt. Diese sind zu einem günstiger in der Anschaffung, verbrauchen die halbe Menge an Treibstoff und schlucken billigen Diesel. Leider mit dem unschönen Nebeneffekt, dass die Motoren wirklich sehr laut knattern.

Touristenspektakel und Üben für das Pagodenfest - Pulling-Boote auf dem Inle See

Touristenspektakel und Üben für das Pagodenfest – Pulling-Boote auf dem See

Unterwegs begegnen wir einem wirklichen Touristen-Spektakel, denn wir können sehen, wie zwei „Pulling“-Boote zu einem Rennen gegeneinander antreten. Auf einem dieser Boote können bis zu 50 Männer stehen, die es per Einbein-Rudertechnik antreiben. Jedes Dorf auf dem See hat ein paar solcher Boote. Zum alljährlichen Pagodenfest auf dem See schleppen gleich 50 dieser Boote einen Kahn, auf dem 4 Buddha-Statuen von Siedlung zu Siedlung geschleppt werden. Für die rund 12.000 Menschen auf dem See ist dies das wichtigste Fest im gesamten Jahr und wird deshalb auch über mehrere Tage gefeiert.

Wenig später haben wir wieder Boden unter den Füßen und genießen ausführlich das bunte Treiben auf dem Wochenmarkt nahe der Phaung Daw U Pagode. Die Menschen handeln hier mit allem, was man sich so vorstellen kann. Neben Lebensmitteln und Bekleidung gibt es auch Friseure und wir entdecken sogar eine mobile Apotheke in Form eines Marktstandes. Wir werden mutig und lassen uns sogar das frisch frittierte Bananenbrot und etliche Reiskuchen schmecken, den die Einheimischen hier zubereiten.

Die fünf Buddhas der Phaung Daw U Pagode

Die fünf Buddhas der Phaung Daw U Pagode

Gleich neben dem Markt befindet sich das Heiligtum des See: DiePhaung Daw U Pagode mit ihren 5 Buddhas. Die Buddhas sind recht klein und mittlerweile als solche gar nicht mehr erkennbar, da sie durch das viele Blattgold eher wie verunzelte Goldklumpen aussehen. Vier von ihnen gehen zum jährlichen Pagodenfest auf die Reise über den See. Der fünfte Buddha, dem die stärksten Kräfte zugeschrieben werden, darf mittlerweile nicht mehr mit über den See fahren, da er dabei bereits einmal im Jahr 1965 verloren ging, im Wasser versank und auf wundersame Weise wieder im Tempel auftauchte.

Den Rest des Tages verbringen wir damit, viele der traditionellen Handwerksbetriebe mit dem Boot abzufahren. Wir sehen Gold- und Messerschmiede, die bekannten Zigarrendreherinnen, Schirmemacherinnen und eine der bekannten Webereien. Nur hier im Inle See werden noch von Hand Stoffe aus Lotus gesponnen, außerdem aus Seide und klassisch aus Baumwolle. Insbesondere für die Herstellung der Seidenschals ist der Inle See bekannt.  Bemerkenswert ist auch unsere Begegnung mit den Bootsbauern, die noch immer die traditionellen Langboote von Hand aus Teakholz herstellen. Wir erfahren, dass ein solches Boot bis zu 70 Jahre halten kann. Die vielen Eindrücke von den Handwerksbetrieben versetzen uns gedanklich wieder ein gutes Jahrhundert zurück, denn alles hier wird noch traditionell von Hand gefertigt.

Langhalsfrau

Langhalsfrau

Gut in Erinnerung bleibt uns auch die Begegnung mit den Langhalsfrauen, die eigentlich weiter südlich im Kayah-Staat zu Hause sind. Da man bis vor kurzem nur eingeschränkt in ihre Heimat reisen konnte, wurden kurzerhand 2012 ein paar von ihnen auf den südlichen Inle See gebracht, wo sie seit ein paar Jahren für Touristenfotos posieren und wenige Kyats mit eigenen Webarbeiten verdienen.  Bereits sehr früh bekommen die Mädchen ihren ersten schweren Bronze-Ring umgelegt. Über die Jahre werden es immer mehr und schließlich senken sich die Schultern der Frauen so sehr, dass der Hals überstreckt wirkt. Ohne die Ringe könnten sie ihren Kopf dann gar nicht mehr halten, da die Halsmuskulatur so verkümmert ist, dass ihr Kopf förmlich  abknicken würde. Nur zum Schlafen können ein paar der massiven Ringe gelöst werden um so einigermaßen komfortabel zu liegen.

Uns fällt auf, dass auf dem See immer mehr Inseln entstehen – eine Folge eines gewissen Wohlstands in den Dörfern, wie uns Aung Aung erklärt. Immer mehr gehen die wohlhabenderen Menschen dazu über, den See unter ihren Stelzenhäusern mit Erdreich zu verfüllen, um so Land zu gewinnen.

Der Osten des See wird von den zahlreichen „Floating-Gardens“ überdeckt, die quasi der Gemüsegarten Myanmars sind. Auf schwimmenden Flößen aus einem Wasserpflanzen-Erdgemisch wachsen Nutzpflanzen und Blumen  aller Art und das mittlerweile völlig biologisch ohne die Zugabe von Dünger und Insektenschutzmitteln. Nur ein paar Bambusstöcke  halten die Flöße an ihrer Position. Und wirklich: Man kann auf diesen Flößen sogar stehen!

Einbeinruderer

Einbeinruderer

Man vermutet, dass schwimmenden Gärten zur gleichen Zeit entstanden sind, in der sich auch die legendäre Technik des Einbeinruderns entwickelt hat. Da nur ein Mann auch von seinem Boot aus die Gärten bewirtschaften musste, entwickelten die Menschen einen Balanceakt, der es ihnen erlaubt mit einem Fuß am Heck des Bootes zu stehen und dabei mit einem Ruder, dass zwischen Kniekehle und Unterarm steckt, das Boot zu bewegen und mit dem anderen Arm Obst und Gemüße zu pflücken. Wir sehen auf dem See viele der Fischer, die noch auf diese Art und Weise Fische fangen  – besonders im Licht der untergehenden Abendsonne ist dies ein spektakulärer Anblick.