Aussichten auf dem Weg nach Coromandel Town, New Zealand

Im Eiltempo in Richtung Sueden

Wellington, Neuseeland

Wir haben uns innerhalb der letzten Woche tatsächlich komplett durch die Nordinsel bewegt – von Kerikeri im Northland bis nach Wellington an der Südspitze. Den Weg von Kerikeri nach Thames am Fuße der Halbinsel Coromandel kennt ihr ja schon von unserem letzten Eintrag. Berichte ich (Anne) also weiter von Thames aus.

Unser Grund, nochmal nach Coromandel zu fahren, war intensiv die Westküste dieser Halbinsel zu erleben, denn die haben wir das letzte Mal total ausgelassen. Also sind wir in der Nähe von Thames im Kauaeranga Valley wandern gewesen. Dort haben wir einen schönen Tageswalk gemacht – den Billy Goat Track. Dieser hat uns einige hundert Meter bergauf in Richtung Pinnacles geführt. Diesen Weg, den die meisten Leute in Richtung Pinnacles weiter laufen, haben wir dann ca. nach der Hälfte verlassen und sind auf dem Billy Goat Track weiter gelaufen, über einen Bergsattel, durch tollen subtropischen Wald mit sehr schlammigen Wegen (siehe Bild) und über einige Hängebrücken, um mehrere Male einen Fluss zu überqueren. Auf diesem Weg hatten wir übrigens die Schwierigkeit eine 40-köpfige Schulklasse zu passieren. Es ist toll, die Kiwis unterrichten ihre Kinder sehr nah an der Natur, gehen eben mit ihnen hiken oder im Northland am Coopers Beach hatten wir auch eine Schulklasse am Strand gesehen. Ihnen wurde dort beigebracht in der Natur selbst Feuer zu machen. Wir hatten tolles Wetter und der Walk war wieder eine gute Übung für steile Aufstiege und Ausdauer.

Am späten Nachmittag nachdem wir den Walk beendet hatten, sind wir von dort aus entlang Coromandels Westküste noch nach Coromandel Town gefahren. Die Strecke ist nur ca. 60 km lang, aber sehr kurvig, so dass wir letztlich ca. 1,5 h dafür gebraucht haben. Sie führt die ganze Zeit unmittelbar an der Küstenlinie entlang und man hat im letzten Stück, nach einem steilen Aufstieg in die Berge, eine tolle Aussicht (siehe Bild).

Den nächsten Tag (das muss letzten Donnerstag gewesen sein – es ist gar nicht so leicht das Zeitgefühl beizubehalten – ) sind wir nochmal durch das süße Städtchen Coromandel Town geschlendert, haben uns leckeren geräucherten Fisch geleistet, und haben den Rest des Tages damit verbracht bei tollem Wetter das restliche Cormandel zu umrunden und wieder nach Süden zu fahren. Dabei haben wir Halt gemacht an tollen Stränden, wie z. B. in der Otama Bay. Ich wette u.a. dass dieser Beach für die vielen Hochglanzprospekte abgelichtet wird, mit denen für Coromandel geworben wird (siehe Bild).

Ca. ab Whitianga haben wir den Rest des Weges einen Hitchhiker im Auto mitgenommen. Dies war ein junger Deutscher, der gerade eine Ausbildung zum Orgelbauer macht und ca. 2 Monate in Auckland gearbeitet hat, um eine Orgel in einer Town Hall wieder einzubauen, die vorher in Deutschland von seinem Betrieb restauriert wurde. Diese stammte vom Anfang des 20. Jh. und wurde von einem englischen Orgelbauer erbaut. Nun wurde sie nach Deutschland verschifft, dort restauriert und von Deutschland wieder nach Neuseeland verschifft und wieder eingebaut. Und unser Hitchhiker hatte das Glück, dass er von seinem Betrieb mit nach Neuseeland geschickt wurde, um die Orgel wieder einzubauen. Nun hatte er von seinem Chef noch 2 Wochen frei bekommen, um zumindest ein kleines bisschen Neuseeland zu erkunden. Dies hat er größtenteils per Hitchhiking gemacht. Wir haben ihm bis zu unserem Ziel Karangahake Gorge mitgenommen. Karangahake Gorge ist ein kleiner Geheimtipp, wo nicht viele Touris hinkommen. Dieses Plätzchen hatten wir bereits das letzte Mal entdeckt und spontan beschlossen, dort nochmal eine Nacht zu verbringen. Dies war eine gute Entscheidung. Wir haben in einem kleinen knuffigen Backpacker „The Golden Owl“ geschlafen und haben den nächsten Morgen noch einmal für einen kleinen Spaziergang genutzt. Dieser führte uns durch die beeindruckende Schlucht von Karangahake Gorge und durch einen alten 1 km langen Railway Tunnel.

Nach unserem Spaziergang sind wir schnurstracks nach Taupo gefahren. Dort wollten wir uns über eine Kayaktour auf dem Lake Taupo informieren, um das Maori-Gesicht zu sehen, welches in eine Steilwand unmittelbar am See eingemeiselt ist. Im Information Center haben wir leider erst einmal eine sehr ärgerliche Erfahrung mit einer extrem unmotivierten Mitarbeiterin gemacht. Letztlich hat sich herausgestellt, dass uns die Tour zu teuer ist. Somit hatten wir überlegt noch weiter nach Napier zu fahren. Doch dies haben wir dann glücklicherweise sein gelassen. Irgendwie waren wir von der bisherigen Fahrt kaputt und dieses schnelle Reisetempo scheint einfach nicht unser Ding zu sein. Das ist in Neuseeland unheimlich anstrengend!

Den Rest des Tages haben wir genutzt, um einen Abstecher nach Kinloch zu machen. Dieses kleine Dörfchen liegt westlich von der Stadt Taupo auch am Lake Taupo. Die Stimmung dort war irgendwie unheimlich, wir haben außer einer Oma am Strand mit Enkelkind, keine Menschenseele gesehen – wie ausgestorben. Wir liefen eine Straße entlang vorbei an einem Cafe, wo das Aushängeschild im Wind quietschte und eben keine Menschenseele zu sehen war. Wir haben spontan beide gedacht, dass sich das gut für einen Psychothriller eignen könnte … Am Strand haben wir schließlich noch unseren Spaß mit Pumice-Steinen gehabt und einen kleinen Turm als Hinterlassenschaft von uns gebastelt. Abends haben wir unsere Glieder noch in den natürlichen Hot Pools am Waikato River ausgestreckt. Echt cool, am Ende eines öffentlichen Parks, an einer kleinen Holzbrücke bleiben die Leute plötzlich stehen, ziehen sich aus, legen die Klamotten beiseite und steigen in die Hot Pools – and it’s for free!

Am Samstag sind wir von Taupo aus nach Napier und von dort nach Waipukurau in ein Farmstay Backpackers gefahren. Ein sehr friedliches Fleckchen mit einer rauhen Farm Lady und vielen Schafen um uns herum. Den Rest des Nachmittags haben wir genutzt, um mit einem Tea auf der Veranda zu sitzen und die Sonne zu genießen. Außerdem sind wir noch auf den farmeigenen Walk zu einem „See“ (war wohl eher ein Teich) gegangen. Es gab einige Gates zu öffnen und zu schließen, steiles Farmland zu erklimmen und die Schafe sind blökend vor uns hergerannt, also ein schönes Erlebnis zum Ausklang des Tages. In der Nähe dieses abgelegenen Fleckchen Erde gab es übrigens ein altes Hotel, wo wir den nächsten Morgen gleich erst einmal einen Kaffee getrunken haben.

Am Sonntag führte uns nach dem Kaffee unser Weg nach Masterton, der wesentlich länger war als gedacht. Dementsprechend geschlaucht sind wir mittags dort angekommen. In der i-site haben wir uns erstmal umfassend über Übernachtungsmöglichkeiten informiert. Denn BBH-Backpackers, die wir normalerweise aufsuchen, gibt es in der Gegend überhaupt nicht. Im Gegensatz zu der Dame in  Taupo, war diese i-site Mitarbeiterin sehr motiviert. Schließlich haben wir für die nächste Nacht ein Plätzchen für uns auf einem Campground in Martinborough gefunden. Nach einem ausführlichen Lunch im Park von Masterton ging es weiter nach Castlepoint. Ein kleiner Ort und toller Strand an der Ostküste, ca. eine Stunde und viiieeele Kurven von Masterton entfernt. Erst recht spät am Abend und ziemlich kaputt, aber glücklich, sind wir schließlich am Campground angekommen. Dieser war ziemlich neu, sehr klein und hatte eine gemütliche Cabin für uns. Das funktioniert in Neuseeland sehr schön, fast auf jedem Campground gibt es Cabins, quasi winzige kleine Hütten mit einem Bett drin, so dass man auch ohne Zelt oder Campervan auf Campgrounds schlafen kann. Die Küchen sind in der Regel so ausgestattet, dass man die wichtigsten Kochutensilien zur Verfügung hat.

Am Montag sind wir von Martinborough aus zum Cape Palliser, die südlichste Spitze der Nordinsel, gefahren. Damit haben wir unsere vier Ecken der Nordinsel komplett:-). 2006/07 waren wir bereits am Cape Reinga (Nordspitze), am East Cape und am Mount Taranaki (Westspitze). Cape Palliser ist ein ziemlicher Schlenker zu fahren, doch eine wirkliche Empfehlung. Dort gibt es die größte seal colony der Nordinsel (wir hätten sie auf den schwarzen Steinen fast wieder übersehen), traumhafte schwarze Strände und auf dem Weg dahin kann man an den Putangirua Pinnacles anhalten. Dies ist 14 – 16 Mio. Jahre altes Gestein, welches sehr weich ist und stetig durch Wind und Regen erodiert. Dabei sind im Laufe der vielen vielen Jahre Gesteinstürme entstanden, die wie Orgelpfeifen in die Höhe ragen. Doch seht einfach selbst: siehe Bild. Um diese zu sehen, haben wir einen kleinen Walk durch ein steiniges breites Flussbett gemacht. Dieser Fluss war jetzt ein kleiner Rinnsal, doch anhand der Breite seines Bettes konnte man erahnen, wie er anschwellen kann. War irgendwie auch ein imposantes Gefühl mitten durch dieses steinige Flussbett zu wandern. Zwischenzeitlich habe ich (Anne) mal gedacht, wenn jetzt ein Erdbeben wäre, wären wir wohl am denkbar schlechtesten Ort. Am Ende des Walks sind wir an den Putangirua Pinnacles angekommen, welche einfach gigantisch aussahen!

Unser Endziel dieses Tages war Paekakariki an der Westküste kurz vor Wellington. Dort gibt es ein kleines süßes Backpacker mit tollem Blick aufs Meer. Ein idealer Ort, um Sonnenuntergänge anzugucken. Dieses Fleckchen hatten wir uns ganz bewusst ausgewählt. Wir hatten hier das letzte Mal bereits eine Woche gewwooft, also kostenlose Übernachtung für ein bisschen Hilfe im Haushalt bekommen. Da die letzten Tage doch sehr beschleunigt waren und wir viele Kilometer am Tag gefahren sind (mussten aller 2 Tage tanken!), legen wir hier nun eine kleine Pause ein und bleiben für 3 Nächte.

Am Donnerstag, den 5., geht es früh 8Uhr auf zur Südinsel.