Straßenansicht Hongkong

Hongkong Island

Trotz warmer Nacht und ausgeschalteter Klimaanlage haben wir recht gut geschlafen. Zum Frühstück erleben wir erneut, dass ein „Continental Breakfast“  nicht überall auf der Welt auch kontinentales Frühstück sein muss. Der Hauptgang besteht aus Glasnudeln oder Makkaroni in Suppenform mit einer Scheibe Schinken oder Würstchen. Bloß gut, es gibt aber noch Toast (der beim Kauen immer mehr im Mund wird) sowie Marmelade und Butter aus einer riesigen Blechdose. Da unser Tisch noch nicht fertig ist, entschuldigt sich die die nette asiatische Bedienung mit „Solly, solly“ – neben „Bye Bye“  das einzige Wort Englisch, was sie beherrscht. Überhaupt sind wir scheinbar die einzigen europäischen Gäste, denn die Kellnerin unterhält sich fröhlich auf Chinesisch mit den anderen Hotelgästen (was wir aber ziemlich cool finden…). Und Nudelsuppe mit Toast ist halt besser als Toast ohne Nudelsuppe – auch in geschmacklicher Hinsicht. Frucht des Tages ist wie an jedem Tag Banane.

Wir beschließen, den Tag ruhig angehen zu lassen und fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, also U-Bahn und Fähre nach Hongkong Island. Wir wollen zum Peak, einer Aussichtsplattform, von der man die ganze Stadt sehen kann. Ein unbedingtes „Must Do“ für jeden HongKong-Reisenden. Schon der Weg dahin ist das reinste gefuße, die Straßen von Hongkong sind bei 30 Grad Lufttemperatur länger als gedacht. Aber man hat die Qual der Wahl: Entweder läuft man draußen bei 30 Grad oder man wählt den Weg durch das klimatisierte Labyrinth der miteinander verbundenen Wolkenkratzer und Shopping-Malls. Endlich haben wir unser Ziel gefunden: Die Peak-Tram, einer kleinen Bahn, die die Touristen im 10-Minutentakt zur Aussichtsplattform fährt. Und nicht nur wir haben heute die Idee dazu gehabt. So heißt es warten und geduldig sein.

Endlich geht es los und schon nach wenigen Metern neigt sich die Bahn um gefühlte 45 Grad (in Wirklichkeit sind es nur 27Grad) und man wird währen der 1,3 Kilometer langen Fahrt förmlich in die Sitze gedrückt. Die Warterei ist es wert! Oben erwartet uns ein grandioser Ausblick auf die Stadt bei strahlend blauem Himmel. Da es Mittagszeit ist, gönnen wir uns später chinesische Küche: Hühnchen mit Reis, Ingwer und Frühlingszwiebeln. Für uns ist das Essen dann doch gewöhnungsbedürftig: Zu sehr schmeckt der Ingwer hervor!
Nach erfolgreicher Abfahrt vom Peak fahren wir mit dem Taxi nach Downtown und fußen weiter zum buddhistischen  Man Mo Tempel. Dieser liegt inmitten der Häuserschluchten und wird gerade liebevoll renoviert und ist daher eingerüstet. Trotzdem können wir den Tempel von innen betrachten. Es ist mystisch düster und verraucht, überall stecken Räucherstäbchen. An der Decke räuchern Spiralen langsam vor sich hin. Es ist drückend heiß, der Geruch der Räucherstäbchen betäubt unsere Gedanken. Das Atmen fällt langsam schwer.
Wir entdecken neben dem Buddha auf dem Schrein im Haupttempel Opfergaben in Form von Früchten und sogar Wasserflaschen. Hier prallen Hongkongs krasse Gegensätze aufeinander. Adrett gekleidete Geschäftsleute erscheinen in dem Tempel zum Gebet. Sie zünden bündelweise die Räucherstäbchen an und verharren wenige Minuten vor jedem Schrein. Sie bitten die Geister um Erfolg und Glück für das nächste Geschäft (so vermuten wir).

Obwohl der Himmel noch strahlend blau ist, hat schon jetzt am Nachmittag die Dämmerung zwischen den Häuserschluchten eingesetzt. Noch immer betäubt von dem Tempelrauch laufen wir durch das ursprünglich anmutende Hongkong weiter zum Mid-Levels Escalator, einer 800 Meter langen Rolltreppe mitten in den Häuserschluchten von Hongkong.  Mit ihr überwinden die Einheimischen in nur zwanzig Minuten den langen Aufstieg von Downtown zu den Wohnvierteln am Rande von Hongkong-Island. Das ganze funktioniert in Einbahnstraßensystem: Morgens bis 10.20 Uhr kann man mit der Rolltreppe in die Stadt hinunter fahren, ab 10.20 wird die Rolltreppe in die Gegenrichtung umgestellt. Gesäumt ist der Escalator von den Midlevels – das sind Wohnungen und kleine Restaurants.
Oben angekommen halten wir eines der vielen roten Toyota-Taxis an und fahren wieder für ganze 20 HKD (2 €) wieder nach Downtown. Von dort nehmen wir wieder die Fähre nach Kowloon.

Als wir Kowloon erreichen, ist es fast dunkel. Um acht Uhr Abends kommen wir in den Genuss einer Lichtshow, bei der alle Wolkenkratzer um den Hafen herum synchron zu fröhlicher Musik angestrahlt werden. Ein schönes Spektakel, aber an die Stromrechnung möchte man besser in diesem Moment nicht denken.

Unseren langen Tag beschließen wir mit einem Essen in einer Sushibar. Lecker!