Auf dem Hilltribe-Pfad unterwegs zum Inle See

Auf dem Hilltribe-Pfad unterwegs zum Inle See

Kalaw, Myanmar

Nach den heißen Tagen in Bagan erleben wir in Kalaw einen kleinen Temperaturumschwung. In diesem ehemaligen englischen Luftkurort, der auf etwa 1300m Höhe liegt, kann es nachts empfindlich kalt werden. Wir hatten bestimmt um die 0° und waren froh um die dicken Decken in unserer „Honeymoon Villa„.

Stadtansicht Kalaw - Mittendrin der Aung Chang Tha-Tempel

Stadtansicht Kalaw – Mittendrin der Aung Chang Tha-Tempel

Für Reisende aus Zentral-Myanmar ist Kalaw das Eintrittstor zum südlichen Shan-Staat, für uns ist es Ausgangspunkt für eine 2-Tageswanderung zum Inle See. Doch bevor es am nächsten Tag frühmorgens los geht, haben wir noch genügend Zeit um uns in Kalaw umzuschauen. Wir schlendern entlang der vielen alten Kolonialbauten, besuchen den kleinen Aung Chang Tha-Tempel, dessen Stupa mal nicht gold verziert oder weiß ist, sondern durch viele kleine Mosaiks silbern funkelt – ziemlich ungewöhnlich. Auch besuchen wir den lokalen Markt, der wie immer einfach nur spannend ist und zum staunen und fotografieren einlädt. Abends folgen wir der Empfehlung unseres Reiseführers und essen sehr lecker bei einem lustigen Inder im „3N“ für insgesamt gerade mal 6000K (also ca. 5€)! Lustig finden wir den Inder deshalb, weil er freudestrahlend bei der Arbeit zu Gange ist und sich zwischendrin mehrmals auf’s Fahrrad schwingt, um noch fix Gewürze vom Markt einzukaufen oder Bierzu besorgen, was Gäste bestellt haben, er aber offensichtlich nicht vorrätig hat.

Um acht Uhr am nächsten Morgen sind wir mit Aung Aung, unserem Tourguide, verabredet. Wir fahren noch ca. eine Stunde außerhalb von Kalaw zu unserem Trekking-Startpunkt – ein halbfertiges Kloster. Wir erfahren, dass dieses schon zwei Jahre so als Rohbau herumsteht. Dies sei nicht ungewöhnlich. Denn man könne ja nur immer so weit bauen wie gerade die Spendengelder vorhanden sind. Aung Aung wechselt noch schnell seine Flip Flops in einigermaßen wandertaugliche Schuhe ein und zeigt uns auf seiner zusammengerollten Karte die Route der nächsten zwei Tage, dass wir sieben Dörfer passieren werden und dabei ca. 70 km zurück legen werden. Darüber sind wir etwas überrascht und wollen es gar nicht so recht glauben… Dann geht’s auch schon los.

trockene Landschaft unterwegs auf dem Hilltribe-Pfad

trockene Landschaft unterwegs auf dem Hilltribe-Pfad

Um uns herum erstreckt sich eine Landschaft mit rot-brauner Erde, Hügeln, Ackerflächen, eingetrockneten Reisterassen und einzelnen Bäumen. Außerdem gibt es unzählige Trampelpfade und keinerlei Beschilderung. Ohne Aung Aung wären wir verloren! Zwischendrin passieren wir eine Eisenbahntrasse, die ins Nirgendwo zu laufen scheint. Doch Aung Aung korrigiert uns schnell. Sieben Mal täglich würde hier ein Zug lang fahren.

Auf unseren Wegen begegnen uns immer wieder die Pao – die Bevölkerungsgruppe dieser Gegend. Sie sind gut an ihren bunten verschlungenen Tüchern zu erkennen, die sie als Turban auf dem Kopf tragen. Auch begegnen wir unterwegs einer kleinen Gruppe Wasserbüffel. Darüber ist unser Guide allerdings nicht so erfreut. Wir schlagen uns kurzzeitig ins Gebüsch und warten ab, bis die Tiere vorbei gezogen sind. Aung Aung erklärt uns, dass die Wasserbüffel in der Regenzeit zur Bewirtschaftung der vielen Reisfelder genutzt werden. Jetzt in der Winterzeit ist alles trocken, die Wasserbüffel ziehen frei herum und leiden unter dem Wassermangel. Dementsprechend aggressiv sind sie auch.

stabile Körbe werden aus Bambus geflochten

stabile Körbe werden aus Bambus geflochten

In den Dörfern, die wir passieren, erhalten wir einen guten Eindruck wie die Menschen so leben. Jetzt in der trockenen Winterzeit, wenn sie ihre Reisfelder nicht bewirtschaften können, fertigen sie z. B. Bambuskörbe an, die sie dann auf den teilweise kilometerweit entfernten Märkten verkaufen, um wenigstens etwas Geld verdienen zu können. Ein Bambusrohr reicht, um einen Mann einen ganzen Tag zu beschäftigen. Von Hand wird der Bambus gefasert und verflochten. Die Körbe sind unglaublich stabil und können bis zu 80 kg tragen!

Unterwegs sehen wir tief in die Erde eingegrabene Kalkmeiler und sogar eine Kohlemiene. Es geht vorbei an Getreidefeldern,  auf denen Frauen das frisch geerntete Getreide fein säuberlich in Bündeln zum Trocknen auslegen. Wir passieren Bäche und Teiche, wo die Menschen ihre Wäsche und sich selbst waschen. Und wir sehen immer wieder Männer und Frauen, die Bäume und Sträucher fein säuberlich zerstückeln um Brennholz zu gewinnen. Auch wenn noch alles per Hand und Axt erfolgt, sind die Folgen schon jetzt gut sichtbar. Überall sind Spuren von Erosion zu erkennen. Die rote Erde ist zerfurcht und teilweise metertief ausgespült.

unsere Unterkunft in einem der Pao-Dörfer - einfach, aber gut

unsere Unterkunft in einem der Pao-Dörfer – einfach, aber gut

Ziemlich erschöpft erreichen wir unser Übernachtungsdorf. Der Weg war doch lang und um die Mittagszeit sehr heiß und staubig. Wir genießen die kalten Getränke auf der Terasse unserer Unterkunft und beobachten wie die Dorfbewohner mit ihren Ochsenkarren vorbei ziehen oder wie Stück für Stück die Wander-Touristen eintrudeln. Denn unsere Unterkunft hat eine Art „Café“ an der „Hauptstraße“, so dass hier irgendwie jeder vorbei zu kommen scheint und erst einmal eine Erfrischung genießt. Im Abendlicht sind wir dannn nochmals im Dorf unterwegs. Uns fällt auf, dass die meisten Häuser aus Holz oder geflochtenen Bambusänden bestehen und auf Stelzen gebaut sind. Meist leben die Familien in der oberen Etage und darunter befindet sich in der Regel ein Stall, der zugleich Lagerfläche ist. Nur die neueren Häuser sind aus Stein gebaut. Jeder Hof hat einen Karren und zwei Ochsen.

reichhaltiges Frühstück

reichhaltiges Frühstück

Nach einem leckeren birmesischen Curry am Abend hüllen wir uns wieder in dicke Decken und werden am nächsten Morgen von gackernden Hühnern und lauter Musik aus Lautsprechern geweckt (nebenan muss es wohl eine Hochzeit gegeben haben – dabei ist im Übrigen wohl ausnahmsweise Alkohol erlaubt). Nach einem wieder sehr leckeren und reichhaltigen Frühstück mit frischen Avocados, frittierten Bananen, Toast und Ei machen wir uns frisch gestärkt wieder auf den Wanderweg. Dabei genießen wir sehr das Licht und die Frische des Morgens.

Aung Aung ist heute schnellen Schrittes unterwegs, denn er will wohl schnell nach Hause. Er lebt in Nyaung Shwe – der Stadt am Inle See. So verlassen wir auch schon gegen Mittag die hügelige Landschaft der Shan-Berge und steigen bergab in eine Ebenenlandschaft, in welcher der Inle See liegt. Bevor wir ziemlich kaputt einen der unzähligen Kanäle erreichen, die zum Inle See führen, besuchen wir noch in einem der Dörfer eine „Zuckerfabrik“. Auch hier staunen wir einmal mehr mit welch einfachsten Mitteln und Bedingungen die Menschen ihre Produkte des täglichen Bedarfs herstellen. Die „Fabrik“ ist ein Holzschuppen, in dem mehrere Kessel heiß vor sich hin brodeln und dementsprechende Temperaturen herrschen. Zuckerrohr, das auf den umliegenden Feldern angebaut wird, wird von Hand gepresst, eingekocht und als Dicksaft auf Bambusmatten ausgeschüttet. Das Ergebnis ist eine braune, ca. 1 cm dicke Platte, die in Schokoladentafel-große Stücke zerbrochen wird. Diese hatten wir schon vorher auf Märkten gesehen ohne zu wissen, dass das Rohrzucker war.

Mit einer lauen Brise, die uns auf unserer Bootsfahrt zum und auf dem Inle See um die Ohren weht, geht unsere Wandertour zu Ende. Wir genießen das klare, frische Nass des Sees, das Gün rundherum und bestaunen die Einbeinruderer … Doch dazu mehr im nächsten Reisebericht …