Neuseeländische Fauna im Abendlicht, Heaphy Track New Zealand

Heaphy Track

Heaphy Track,  Neuseeland

Lang haben wir uns nicht mehr gemeldet, denn wir waren viel unterwegs und sehr aktiv. Dementsprechend gibt es viel zu erzählen. Wir haben uns entschieden unsere Erlebnisse in 3 Artikel zu verpacken… Viel Spaß damit!
Schon lange hat uns der Heaphy Track interessiert und bisher sind wir immer am Transportproblem gescheitert. Da sich in Nelson glücklicherweise ein adäquater Transport ergeben hat, sind wir dann doch am 11.11.2009 nach Karamea zum Kohaihai Shelter aufgebrochen, um von dort aus den Track zu starten.

Tag 1:

Die Fahrt zum Startpunkt gestaltete sich als ziemlich langwierig – was nicht nur auf unser altersschwaches Transportmittel, ein ehemaliges japanisches Taxi mit immerhin 747.000 (!!!) Kilometern auf dem Tacho, zurückzuführen war. Unser Fahrer Albert fand nämlich klassische Musik während der Fahrt ziemlich toll: Fünf Stunden Beethoven & Co. in Dauerschleife…
Trotz Regenwetters an der Westküste sowie am Startpunkt des Tracks waren wir dann ziemlich froh endlich loslaufen zu können. Unser Ziel für diesen Tag: Heaphy Hut am Heaphy Mouth vom Heaphy River (natürlich am Ende des gleichnamigen Strandes gelegen).  Der Weg dahin war einfach atemberaubend: Vier Stunden lang führte unser Weg entlang endloser Strände und durch einen Regenwald aus Nikau Palmen und triefend nassen Moosen. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen und so konnten wir diesen Abschnitt richtig genießen – aber seht selbst an unseren Bildern!
Dieser Abschnitt Westküste hat uns einfach nur beeindruckt!
Unsere Übernachtungshütte war recht gut ausgebucht. Schon vor uns hatten es sich etliche Kiwis bequem gemacht und die Hütte in eine ausgeräucherte Sauna verwandelt. Es war heiß und stickig und die vielen brennenden Räucherstäbchen zur Insektenvernichtung (die einzige Methode um die lästigen Sandflies (winzige kleine fiese Moskitos) zu vertreiben) raubten uns fast den Atem. Entsprechend beschlossen wir unser Abendbrot draußen zu uns zu nehmen und die untergehende Sonne zu beobachten. Wir ihr euch vielleicht vorstellen könnt, beschlossen die Sandflies uns als willkommene Abwechslung auf ihren Speiseplan zu setzen… Unser Abendbrot genossen wir im Eilzugtempo. Bevor wir in unsere Schlafsäcke krabbelten, genossen wir noch einen der seltenen und schönen Sonnenuntergänge an der Westküste: Glutrot und ohne eine einzige Wolke am Himmel über der tosenden See …wie auch wahrscheinlich tausende von Sandflies.

Tag 2:

Nach unserem Trockenfutterfrühstück, diesmal selbstverständlich in der Hütte (wir sind lernfähig … ;.)  ), sind wir zur James Mackay Hut aufgebrochen. Unser Weg führte entlang des Heaphy Rivers, den wir auf etlichen Hängebrücken immer wieder kreuzten. Diese Hängebrücken sind übrigens sehr spannend: Meist noch auf ein Gerüst an beiden Uferseiten gebockt, überspannt eine Drahtseil- Maschendrahtzaun – Konstruktion den Fluss  auf 20  bis 30 Metern während unter uns in 10 Metern Tiefe der Fluss vorbeirauschte. Maximum- Load: 1 Person!
So langsam verließen wir unseren Nikau- Regenwald und „kletterten“ sehr gemütlich rund 700 Meter hinauf zu James Mackay Hut. Der Weg war keineswegs steil, sondern schlängelte sich sehr gemächlich auf den Hügel – ein Weg, den schon die Maoris kannten und auf dem Anfang des 19. Jh. sogar Kühe entlang getrieben werden sollten. Entsprechend gut ist der Heaphy Track bis heute erschlossen und ausgebaut. Und somit kann ihn wirklich jederman laufen… Kurz vor unserem Tagesziel fanden wir mitten auf dem Weg ein riesiges, braun – glänzendes Schneckenhaus. Wie sich später herausstellte, war dies die Behausung einer Giant Landsnail, die in den neuseeländischen Wäldern lebt. Wie ihr an dem Bild sehen könnt hatte unser Exemplar die Größe von Annes Handteller. Gerüchteweise soll es aber noch größere Exemplare geben. Die Schnecke ist übrigens eine „Raubschnecke“, die es wohl auf Erdwürmer abgesehen hat. Mit viel Glück kann man wohl sehen, wie eine solche Schnecke einen dicken Wurm jagt und zum Abendbrot verdrückt. Manch einer findet ja schon unsere einheimische Weinbergschnecke ziemlich grusselig…
In der Mackay Hut warteten bereits wieder ein paar Kiwis auf uns: Diesmal ein Professor aus Wellington mit Sohn sowie Freunden. Überraschung: Professor und Sohn sprachen fließend Deutsch! Wir unterhielten uns also auf Deutsch – Englisch, nur eben umgekehrt. Wir sprachen in Englisch, die beiden größtenteils in Deutsch. Wie sich herausstellte hatte unser Prof in Köln promoviert und dort athmosphärische Chemie studiert. Sein Sohn lebte bis 2005 in Heidelberg und ist nun mit deutscher Freundin nach NZ zurückgekehrt.
Spät am Abend sind wir noch einmal aufgebrochen um nach Kiwis (diesmal die Vögel) zu suchen, die in der Umgebung der Hütte leben sollten. Gesehen haben wir Neuseelands graue Eminenz natürlich nicht, dafür aber gehört. Wir können zumindest anhand ihres Rufes und ihrer Hinterlassenschaften feststellen, ob es in einem Gebiet Kiwis gibt oder nicht. Mit uns übernachtet hatte auch ein älteres, aber wirklich topfites Paar aus Schottland. Geschätzt haben wir die beiden auf Mitte 60.  Auf die beiden werden wir viel später und völlig überraschend noch einmal treffen…

Tag 3:

Unser kürzester Tag. Nach nächtlichem Schauern hörte es am Morgen auf zu regnen und vor uns lagen entspannte 12 Kilometer zur Saxon Hut (ein wenig Heimat….). Auch auf diesem Weg änderte sich die Landschaft wieder merklich, wir waren jetzt in einer Art alpinen Ebene mit Tusock-Grasbüscheln unterwegs –  ein wenig karg aber trotzdem schön. Bereits kurz nach Mittag erreichten wir unser Etappenziel und mit uns eine geführte Heaphy-Track Tour aus vier Damen! Überraschung: Zwei der Teilnehmerinnen waren zwei ältere Damen aus Deutschland, die Neuseelands Tracks erkundeten. Wie sich herausstellte lief die Gruppe den Track ebenfalls in fünf Tagen um danach mit einer Zwischenübernachtung weiter zum Abel Tasman Track zu fahren! Und noch eine unglaubliche Überraschung: Eine der Damen trug einen Rollkoffer mit Gurten als Rucksack. Ob das so bequem war?!
Der inzwischen eingesetzte Regen zog gegen Abend wieder auf und gab uns den Blick auf unser viertes Etappenziel frei: Dem Perry Sattle.

Tag 4:

Relativ spät brachen wir an diesem Tag auf. Dazu sollte man wissen, dass die meisten Wanderer auf solchen Tracks mit dem Sonnenuntergang ins Bett gehen und mit den ersten Sonnenstrahlen (meist ab 5.30 Uhr) wieder aufstehen um wenig später weiterzulaufen.
Unser Weg an diesem Tag wurde wieder spektakulärer. Zu einem entschlossen wir uns, uns in einem Fluss bzw. Wasserfall zu duschen – so gut das eben ohne Seife geht. Nach drei Nächten auf dem Track ohne Dusche erforderte dies unser eigenes Wohlbefinden. Auf den Hütten gibt es nämlich keine Duschen, alles was bleibt ist eine Katzenwäsche mit kaltem Wasser aus den Flüssen. Und so empfindet man ein Bad im kaltem Fluss oder eben Wasserfall als wahre Genugtuung – Auch wenn natürlich die Haare davon nicht weniger fettfreier wurden…
Zum anderen durchwanderten wir wieder ein spektakuläres Gebiet des Tracks: Die Gouland Downs. Dabei handelt es ich um ein kleines, fast verwunschenes Waldgebiet in der Hochebene des Heaphy Tracks. Das ganze Gebiet war von Höhlen und kleinen vermoosten Tälern sowie Bäumen durchsetzt –  ein richtiger Märchenwald.
Später ging es weiter auf den Perry Sattle. Mitten auf dem Weg fanden wir das Tribut vieler Wanderer: An einem Pfahl waren etliche zerschlissene Wanderschuhe aus alles Jahrhunderten angenagelt. Sogar ein paar Inliner haben es auf den Heaphy Track geschafft… Unsere Schuhe waren aber noch in einem akzeptablem Zustand, so dass wir uns nicht entschlossen diese hier zu lassen.
Auf dem Perry Sattle fanden wir unser letztes Nachtquartier, die gleichnamige Hütte. Dort angekommen trafen wir auf ein paar sehr enthusiastische Wanderer: Drei Studenten aus Deutschland, Österreich und Polen, die am selben Tag mit ihren kompletten Hab und Gut (geschätzte 22 Kilo in jedem Rucksack) aus dem Tal zur Hütte aufgestiegen sind um noch am selben Tag den gleichen Weg von 18 Kilometern wieder ins Tal hinabzusteigen. Damit nicht genug: In den nächsten Tagen sollten mit der gleichen Ausrüstung der Abel Tasman Track und der Milford Track bezwungen werden… Grazy!
Unsere Wege trennten sich zumindest für diese Nacht und wir beschlossen wegen schönen Wetters noch den Mt. Perry zu beteigen. Dazu ging es noch einmal 300 Meter steil nach oben. Keineswegs zu spät, denn kurz vor dem Gipfel empfing uns starker Wind und ein Wetterumschwung. Wir genossen also die Aussicht und machten uns schnell auf dem Rückweg zur Hütte.
Als wir bereits dachten, wir seien die einzigen Gäste für diese Nacht, erschien doch noch ein einsamer deutscher Wanderer auf dem Sattel. Dieser beschloss aber trotz schlechten Wetters und Sturm sein Zelt draußen aufzubauen und dort zu nächtigen.

Tag 5:

Wie abzusehen war, erwartete uns der nächste Morgen mit Sturm und Regen. Das draußen aufgebaute Zelt wurde im Wind ziemlich durchgeschüttelt – wir hätten da nicht schlafen wollen. Recht schnell brachen wir auf und stiegen den Sattel hinab ins Tal, wo uns der Wald vor weiterem Regen und Sturm schützte. Nach fünf Stunden kamen wir im Tal an – nach 78 Kilometern hatten wir das Ende vom Heaphy Track und den verabredeten Abholpunkt von unserem Tracktransport erreicht. Wieder eine Überraschung: Unten im Tal hatten die drei Studenten übernachtet und sich spontan auf unseren Tracktransport eingebucht. Statt nach Nelson ging es also erstmal nach Totaranui in den Abel Tasman National Park um die drei Abenteurer dort abzuliefern. Auf halben Weg dahin erreichte unseren Fahrer noch einmal ein Anruf mit der Bitte, noch einen Wanderer vom Heaphy Track abzuholen. Also kehrten wir wieder um und sammelten auch ihn ein.
Nach langen und nervigen sieben Stunden Busfahrt und diversen Einkaufs- und Ablieferungsstopps kehrten wir Abends völlig kaputt nach Nelson in unser Shortbred Cottage Backpackers zurück, wo ein warmes Zimmer und eine heiße Dusche auf uns wartete.