Uluru, Australien

Große Sprünge und Goodbye Australia

Brisbane, Australien

In der letzten Woche haben wir einen ziemlichen Temperatursturz ertragen müssen: Waren wir in Darwin bei rund 33 Grad froh über jede Klimaanlage, waren wir keine zwei Tage später froh einen Heizer im Zimmer zu haben. Aber während unserer eineinhalb Tage Zugfahrt von Darwin nach Alice Springs wurden wir in dem stark überklimatisierten Zug schon mal gut auf den Temperatursturz vorbereitet.

Zum Ghan gibt es nicht viel zu sagen. An sich ist es eine „moderne“ Wellblechkiste im Stil von Anfang der 80iger Jahre. Und nach ein paar Stunden wurden die Liegesitze auch ein wenig ungemütlich – besonders Nachts. Wenn man mehr Komfort möchte, muss man dann doch schon deutlich tiefer in die Tasche greifen.

In Alice angekommen waren wir erstmal überrascht: Unsere schon Monate lang im Voraus gebuchte billige Unterkunft entpuppte sich als zwar alt aber sehr nett – sogar mit eigener Dusche auf dem Zimmer – klasse! Auch die Stadt selbst entpuppte sich als sehr angenehm – klein, überschaubar und mit netter Fussgängerzone mit netten Cafés. Da es zwar kalt und windig war, dafür aber während unserer Zeit dort nicht eine Wolke am Himmel war, kamen wir uns wie im europäischen Frühling vor – sehr angenehm nach einem Monat Tropenhitze im Norden.

Von Alice Springs aus ging es für uns noch einmal ins „Outback“ zum Uluru. Dafür haben wir diesmal eine Guided Tour gebucht und das war mal echt cool. 5.30 Uhr früh morgens ging es los und Skip, unser Guide (ein ehemaliger Scharfschütze), holte uns ab. Nach anstrengenden 5 Stunden Fahrt gings erstmal drei Stunden lang hiken am Kings Canyon – einem Must Do im Rotem Zentrum! Wir waren beeindruckt: Alles um den Canyon herum war rot und mit frischem Grün durchzogen (es hat im letzten Monat außergewöhnlich viel geregnet) und zahlreiche Wüstenblumen standen in voller Blüte. Zum Hinunterschaun in den den Canyon mussten wir uns alle auf den Bauch legen um nicht vom Überhang zu stürzen – ein sehr lustiges Bild.

Nach Kings Canyon und einem weiteren Tankstopp (unser Toyota- Bus entpuppte sich als ausgesprochen durstig) ging es ans Feuerholz sammeln für unser Nachtlager im Busch. Skip lud uns dazu ein mit den Worten: „Let’s get dirty!“- Und wir haben also nicht Feuerholz gesammelt, sondern kleine Bäume herausgerissen und komplett auf den Anhänger verladen – der arme Bus musste hinterher ziemlich schleppen ;-).

Den ersten Sonnenuntergang im Outback genossen wir an einem Lookout zum Mt. Conner, der ähnlich wie Uluru auch ein riesiger Monolit inmitten von Nichts ist.
Campiert haben wir auch im Nichts – einfach ein Feuerplatz mit „Dunny“ (Buschtoilette in Form eines einfachen Erdloches, welches nach evtl. Gebrauch einfach ausgebrannt wird). Alles ziemlich rustikal und basic, aber eben so, wie die Aussies es auch selbst lieben. „Tucker“, also unser Essen, wurde im offenen Feuer mit „Sally“ (dem großen Holzkochlöffel) gekocht und geschlafen wurde nicht im Zelt, sondern im Swag.
An dieser Stelle eine kurze Erläuterung zum Swag: Dies ist in etwa eine Matratze um die herum ein mehr oder weniger wasserfester Sack aus Zeltplane genäht ist und je nach Ausstattung mit einem Schlafsack bestückt ist. Quasi ein Minieinmannzelt ohne Gestänge mit freien Blick in den Himmel. Echt cool so unter einem sternenklaren Himmel am Lagerfeuer zu schlafen! Übrigens hatten wir am nächsten morgen eine gute Schicht Reif auf unseren Swags – in der letzten Nacht war es also unter 0 Grad! – Durchaus mal eine Erfahrung, aber keine, die man öfter machen möchte.

Nach einem weiteren frühen Start in den Tag ging es zu den „Olgas“ oder auch „Kata Tjuta“ genannt zum Wandern. Anne und ich sind uns einig, dass dieser Ort einfach DER Ort auf unserer Tour war. Zwischen den 32 rundgelutschten Monoliten herumzuwandern war einfach nur Wahnsinn – unsere Augen konnten sich kaum satt sehen. Nebenbei gab es von Skip noch ein „wenig“ Outdoorausbildung und sehr viele Infos über die Aboriginals, den traditionellen Eigentümern dieses Landes. Überhaupt hat uns Skip sehr für die Aboriginals sensibilisiert und uns unheimlich wichtige Dinge erzählt, um die heutige Situation in Australien einigermaßen nachvollziehen zu können. Alles in allem eine Frage von Wissen; gegenseitigem Respekt und Anerkennung einer 44.000 Jahre alten Kultur, die erst seit gut 200 Jahren unter europäischen Einfluss steht. Sehr, sehr interessant, aber deutlich zu viel um es hier einfach so niederzuschreiben (Anne und ich haben heute mal handschriftlich ein Brainstorming darüber probiert, um nicht irgendwann wieder alles zu vergessen, und haben nach vier A4 Seiten erstmal abgebrochen…ein unerschöpfliches Thema).

Zum gegenseitigen Respekt gehört es übrigens auch, den Uluru (früher auch Ayers Rock) nicht zu beklettern, da dies eine bedeutende Stätte für die Ananka People (die lokalen Aboriginals ) ist und noch heute nach alter Tradition genutzt wird. Nach der Rückgabe des Ulurus 1985 an die traditionellen Eigentümer sollte der Kletterweg eigentlich geschlossen werden. Doch die Australische Regierung, die seither das Gebiet von den Ureinwohnern mietet und einen Nationalpark errichtet hat; beging noch am Tag der Übergabe Wortbruch und machte es zu Bedingung den Kletterweg offen zu halten, wenn die Regierung das Land mietet. Seither bitten die Ananka darum nicht auf den Monoliten zu klettern. Wir selbst sowie unsere Gruppe sind nicht geklettert – aber wir haben hunderte Touris gesehen, die es taten. Übrigens hat dieser Kletterweg schon 39 Tote gefordert.

Den Sonnenuntergang am Uluru haben wir uns mit ca. 1000 anderen Touris auf einem Parkplatz geteilt. Die Färbung des Felsen ist schon sehr spektakulär, aber das Drumherum ist schon sehr, sehr fragwürdig… Am Morgen des dritten Tages sind wir nach Sonnenaufgang rund 10 Kilometer um den Uluru herumgelaufen – ein cooler Morgenspaziergang.

Nach dem Uluru und einem Kneipenabend in Alice Springs (zusammen mit unserem Guide und dem Großteil unserer Tourtruppe) ging es für Anne und mich ins „Palm Valley“. Das Valley und der Weg dahin waren nur über eine echt böse 4WD- Piste erreichbar, weshalb wir uns für eine Tour entschlossen haben. Dummerweise wurden wir von Anbieter zu Anbieter geschoben und schlussendlich haben wir den Altersdurchschnitt deutlichst gehoben (Älteste war 77!). Wir haben die Tour also als unser Buschtaxi verstanden und die Momente im Outback doch genießen können. Palm Valley und der Weg dahin sind wirklich etwas Besonderes.

Den letzten Tag in Alice Springs haben wir bei den Flying Doctors und dem größten Klassenzimmer der Welt; der „School of the Air“  verbracht. Beide Projekte sind ürsprünglich aus der Notwendigkeit entstanden Ausbildung und medizinische Versorgung im Outback sicherzustellen und meistern noch heute perfekt diese Aufgabe.

Per Flieger sind wir weitergezogen nach Brisbane, wo heute Mitternacht unser Flieger nach Kuala Lumpur geht. Und das ist völlig surreal, im Moment sind wir eben einfach noch hier und ziemlich emotionslos gegenüber Malaysia. Mal sehen ob sich das noch ändert – es ist ja immerhin der halbe Weg nach Hause!

In Australien haben wir insegesamt 29500 km zurückgelegt; 24500 davon in eigenem Auto.

Also auf Wiedersehen Australien! Wir hatten eine tolle Zeit hier und werden dich nicht zum letzten Mal besucht haben. Versprochen! North Queensland will auf jeden Fall irgendwann von uns noch besucht werden.