"Vorgarten" des Outback - auf dem Weg zum Flinders Range

From the sea to the mountain and back …

Port Lincoln, Australien

… Seitdem wir Tasmanien verlassen haben, führte unser Weg von Melbourne aus entlang der Küste, der berühmten Great Ocean Road. Danach sind wir inland abgebogen, um in die Berge zu fahren – in die Grampians. Von dort aus ging es weiter westwärts zurück an die Küste nach Adelaide. Von Adelaide aus hat es uns wieder ins Inland, in das Flinders Range, verschlagen. Jetzt gerade versucht Seb wieder Fische zu fangen, Ihr habt’s erraten, wir sind wieder an der Küste, um genauer zu sein auf dem Eyre Peninsula, und bereiten uns auf unseren weiteren Weg gen Westen vor, auf dem es für uns immerhin noch eine Wüste (Nullabor Wüste) zu durchqueren gibt.
– Doch nun nochmal etwas detailreicher für Euch erzählt:

Great Ocean Road:
Die Great Ocean Road verläuft von Torquay (80 km südwestlich von Melbourne) nach Warrnambool. Obwohl es sich nur um ca. 250 km handelt, haben wir uns knapp eine Woche Zeit gelassen diese berühmte Küstenstraße entlang zu fahren. Nach unserem zeitlich recht knackigem Programm in Tasmanien hatten wir das Bedürfnis einen Gang zurück zu schalten. Dies passte auch zum Flair der Gegend. Denn bis Apollo Bay ist die Great Ocean Road ein einziges Surferparadies mit entsprechend relaxter Atmosphäre und tollen Stränden. Diese laden immer wieder zum verweilen ein.

Doch nicht nur Sonne, Meer und Strand konnten wir entlang der Great Ocean Road genießen, auch der Otway Nationalpark hatte es uns angetan: mit vielen Koalas, teilweise herrlich dichtem grünem Wald mit Baumfarnen (wir fühlten uns sehr an Neuseeland erinnert) und riesigen Bäumen, den sogenannten Mountain Ash (sieht aus wie ein Gum Tree, also eine Eukalyptusart). Um uns diesen Riesen ein bißchen näher zu fühlen, haben wir den Otway Tree Top Walk gemacht. Dies ist ein Weg in luftiger Höhe von ca. 25m (höchster Punkt: 47m), der durch die Baumkronen hindurch führt. Mountain Ash können übrigens bis zu 100(!)m hoch wachsen. Derzeit sind im Park aber keine solche Riesen zu bewundern, da früher fleißig Forstwirtschaft betrieben wurde. Die derzeit höchsten Bäume haben ca. eine Höhe von 50-60 m. Sie müssen also noch ein bißchen wachsen.

Der krönende Abschluss der Great Ocean Road bildete für uns der Steilküstenabschnitt um Princetown und Port Campbell herum, wo auch die berühmten zwölf Apostel zu finden sind. Dabei sind nicht nur jene berühmten Felsbrocken toll anzusehen. Der ganze Küstenabschnitt ist einfach faszinierend, wie dieser stetig vom Meer bearbeitet wird und sich an vielen Stellen beindruckende Formationen herausbilden.

Grampians:
Inmitten pfannkuchenflacher Landschaft im Südwesten des Bundesstaates Victoria erheben sich plötzlich die Grampians – ein kleines Wanderparadies mit besonderen Felsformationen. Berühmt sind die Grampians vor allem für die vielen Wildblumen, die man hier im Frühling wohl bestaunen kann.
Wir haben hier drei Tage verbracht und haben mal wieder viele Känguruhs gesehen, außerdem unsere ersten Emus. Auf unserem Campground gab es außerdem unzählige Kakadus und Rosellas, die wir sogar füttern konnten. Auch hat sich jeden Abend ein Hirsch (!) auf unseren Platz verirrt, der dort scheinbar in der Nähe wohnte, denn von Menschen ließ er sich überhaupt nicht stören.

Einen halben Tag waren wir wandern. Ziel waren die sogenannten „Pinnacles“ im „Wonderland“ (so heißt eine bestimmte Gegend in den Grampians mit charakteristischen Felsformationen und Gipfelausblicken). Von dort hatten wir eine fantastische Aussicht ins Tal welches durch die Berge der Grampians umgeben ist. Abgerundet haben wir unsere Wanderung mit ausgiebigem Schwimmen und Planschen im „städtischen“ Pool von Halls Gap. Am Wochenende und zur Ferienzeit ist dies wohl voller Urlauber, doch unter der Woche ist offensichtlich nix weiter los, so dass wir quasi das Stadtbad für uns allein hatten;-)

Die Grampians sind außerdem bekannt für ihre Aboriginal Kultur. Somit haben wir auch dem Brambuk Cultural Centre einen Besuch abgestattet. Dort haben wir einen Boomerang bemalen können, auf dem wir mit Hilfe von Aboriginal Symboliken unsere ganz persönliche Grampians-Geschichte erzählt haben. Dies war ein tolles interaktives Angebot, das nicht nur Spaß macht, sondern auch das Verständnis von Aboriginal Malerei fördert, dass nie irgendwelche Symboliken zur Zierde ausgewählt und dargestellt werden, sondern immer, um eine ganz bestimmte Geschichte zu erzählen.

Von den Grampians aus, wo es uns in der letzten Nacht richtig eingeschifft hat, sind wir ca. 500km westwärts wieder in die Sonne nach Adelaide gefahren. Leider hielt das nicht lange vor, schon am nächsten Tag unserer Ankunft hat es auch dort angefangen zu regnen und wollte bis zu unserer Abfahrt zwei Tage später nicht so recht aufhören. Überhaupt wundern wir uns gerade ein bißchen über das Wetter hier. Mit dem März fängt zwar auch in Australien der Herbst an, trotzdem hätten wir erwartet, dass es immer noch sommerlich heiß ist, umso weiter west- und somit auch nordwärts wir uns bewegen. Leider war dem die letzten Tage überhaupt nicht so, wir hatten ziemlich oft Fliespullover und lange Hosen an!

Flinders Range:
Von Adelaide aus ging es weiter Richtung Norden ins Central Flinders Range, konkret in den Flinders Range Nationalpark (welcher nur ein kleines Gebiet des langen Flinders Range darstellt). Ähnlich wie die Grampians erheben sich auch diese Berge plötzlich inmitten einer flachen weiten Landschaft. Spätestens hier haben wir heiße Temperaturen und Trockenheit erwartet, denn der Flinders Range Nationalpark ist quasi der „Vorgarten“ des richtigen Outback mit weitem Nichts und roter Erde. Ein bißchen Outback-Feeling haben wir auf alle Fälle auch bekommen, doch auch hier wehte uns ein kräftig kühler Wind um die Ohren, so dass ab und zu der Pullover ausgepackt werden musste. Auch war interessanterweise die rote Landschaft teilweise mit einem zarten Grün überzogen, das nur so spross nachdem es wohl auch hier einige Regenfälle gegeben haben muss kurz bevor wir angekommen sind. Dementsprechend waren auch einige Dirt Roads (Schotter-/Sand-/Erde-Straßen) mit unserem Auto für uns nicht passierbar, da das Wasser drüber hinweggespült ist und Stock und Stein hinterlassen hat.

Besonderes Feature im Flinders Range Nationalpark ist der „Wilpena Pound“ – ein rundes flaches Tal, welches fast vollständig von Bergen umgeben, quasi eingekesselt ist. Vom Inneren des „Kessels“ steigen die Berge seicht an und er ist „gefüllt“ mit grünen Bäumen, nach außen hin fallen die Berge in schroffen Steilwänden ab. Besonders außerdem: die felsigen Steilwände sehen ganz rot aus, insbesondere in der Abendsonne! Auch hier waren wir natürlich ein bißchen wandern.

Auch im Flinders Range ist viel Aboriginal Kultur zu finden, wie auch in den Grampians in Form von Felsgravierungen bzw. -malerei. Eine Stelle dieser Malerei haben wir uns am Akaroo Rock angesehen – schlichtweg faszinierend. Man fragt sich wie alt diese wohl schon sind und staunt wie gut alles noch zu sehen ist. Leider vermochten wir, trotz unserer kleinen Lehrstunde über Aboriginal Symbolik in den Grampians, diese gemalten Zeichen nicht so recht zu entziffern.

Vom Flinders Range aus haben wir wieder einen ca. 500km-Ritt auf das Eyre Peninsula gemacht, welches westlich von Adelaide und Port Augusta gelegen ist. Port Augusta ist übrigens ein wichtiger Highway-Kreuzungspunkt. Von hier aus geht der Stuart-Highway ab nach Norden durchs Outback Richtung Alice Springs. Gekreuzt wieder dieser vom West-Ost-Highway, welcher zumindest im Süden Australiens der einzige passable Weg nach Westen darstellt.
Nach Westen zieht es auch uns. Wenn wir in den nächsten Tagen das Eyre Peninsula verlassen, wird unser Weg danach ca. 1200 km lang durch die Nullabor Wüste führen. Nullabor heißt übrigens „ohne Bäume“. Wir sind gespannt auf diesen Weg, der uns immer nur streng geradeaus führen wird. Reifen sind gecheckt, reichlich Kühl- und Trinkwasser sind an Board. Es kann also los gehen!