Gletschersee Jökulsárlón

Europas größter Gletscher

Am 8. Tag auf Island erreichen wir den Ort Skaftafell unterhalb von Europas größtem Eisblock, dem Vatnajökull-Gletscher.  Bis  Skaftafell haben wir schon viele der Gletscherzungen des Gletschers gesehen. In Skaftafell kommt man ihm aber so nah wie nirgendwo anders. Auf einer Moräne zwischen zwei Gletscherzungen gibt es ein dichtes Netz von Wanderwegen. Wir entscheiden uns  für einen 7 Kilometer langen Rundweg, der uns auch am Svartifoss Wasserfall vorbeiführt. Das Besondere  daran sind die scheinbar von oben herab wachsenden gewaltigen Basaltsäulen, über die sich das Wasser ergießt.  Schließlich sehen wir von einer Anhöhe das ganze Ausmaß des Flutbeckens vor den Gletscherzungen:  So weit das Auge reicht sehen wir nur groben grauen Schotter. Rostige, herumliegende Brückenteile erinnern daran, dass hier in den 90iger Jahren eine gewaltige Flutwelle aus einem kollabierten Gletschersee die Landschaft nachhaltig verändert hat.

Von Skaftafell folgen wir der Ringstraße weiter in Richtung der Ostfjörde. Fast unscheinbar weisen Schilder auf versteckte Gletscherseen und Eislagunen hin, die durch den Vatnajökull  gespeist werden. Am bekanntesten ist die Gletscherlagune Jökulsárlón. Wir sind fasziniert: Auf den Seen treiben türkisblaue Eisblöcke, die stellenweise sogar so groß wie Einfamilienhäuser sind. Als wir uns dem Ufer nähern, spüren wir deutlich, wie die Umgebungstemperatur plötzlich um mehrere Grad abfällt. Wir stehen am Rand eines gigantischen Freiluftkühlschrankes. Es ist ruhig und windstill und so können wir deutlich hören, wie von der entfernten Gletscherzunge neue Eisblöcke in das Schmelzwasser krachen. Aufgrund des Anschlusses der Eislagune zum offenen Meer können wir außerdem Robben beobachten, die zwischen den Eisblöcken schwimmen. In der kommenden Nacht übersteht unser Zelt das erste Mal „Islandwetter“ und wir sind froh einen Campingplatz in Höfn gefunden zu haben, der eine beheizte Küche hat.

Die einsamen Ostfjörde erreichen wir während des isländischen „Bank Holiday“. Von Höfn machen wir einen Abstecher nach Stoksness mit dem südöstlichsten Café  Islands.  Vom  angeschlossenen Campingplatz laufen wir ein Stück in Richtung Küste und sind überrascht, als wir in einiger Entfernung ein mittelalterliches Wikingerdorf entdecken. Schnell entpuppt sich das Dorf als gutgemachte Filmkulisse, die  nun den Naturgewalten ausgesetzt ist. Zurück im „Viking – Café“  genießen wir einen „Sexy Viking“  (Pfannkuchen mit Blaubeeren)  bei unseren deutsch-islandischen Gastgebern.

Die ohnehin sehr dünn besiedelte Region im Osten erscheint uns noch ein wenig trostloser, da an diesem Tag kaum Menschen auf den Straßen unterwegs sind. Die einsamen Straßen ziehen sich schier endlos  entlang der Küste, die hier überall gleich aussieht. Uns ist die Gegend ein wenig zu ruhig und wir fahren durch, bis wir den isländischen Fährhafen Sedisfjördur erreichen.  Für uns ist es kaum zu glauben, dass dieser so verschlafene Ort als Fährhafen gleich nach Reykjavik Islands einziges Tor zur Welt ist. Aber nach der schon fast beunruhigenden Ruhe der Ostfjorde freuen wir uns über die alten Holz– und Wellblechhäuser hier im Ort.

Auf unserem weiteren Weg in Richtung Norden mit dem Etappenziel „Asbyrgi“ weichen wir von der asphaltierten Ringstraße ab und entscheiden uns für eine 30 Kilometer lange Alternativroute auf einer Gravel Road, einer Schotterstraße. Nach ein paar Kilometern ändert sich die Landschaft schlagartig und es sieht wieder aus wie auf dem Mond. Soweit das Auge reicht, sehen wir staubig-schwarze Einöde, die leer und unwirklich auf uns wirkt. Islands Mitte wirkt nicht wirklich einladend.

Wenig später biegen wir noch einmal von der Ringstraße auf eine Schotterpiste ab, um zum gewaltigen Wasserfall Dettifoss zu gelangen. Diese Piste erweist sich dann wirklich als Härtetest für Auto und Mensch und wir sind an deren Ende mal wieder überrascht, was man eigentlich einem normalen Auto so alles zutrauen kann.

Die Isländer nennen den Dettifoss  auch die „Niagara-Fälle“ von Island. Kein Wasserfall in Europa ist mächtiger.  Die grau-braunen Wassermassen des Jökulsá á Fjöllum –  Flusses  stürzen sich mit unglaublicher Gewalt in die Tiefe. Kurz vor der Mündung des Flusses in den Arktischen Ozean haben die Wassermassen eine beindruckende, tiefe Schlucht in das isländische Gestein geschnitten – Asbyrgi.

In Asbyrgi fällt uns zu ersten Mal auf, dass es im  Norden Islands um diese Jahreszeit deutlich milder als im Süden ist.  Für uns ideale Voraussetzungen, um die Hufeisenschlucht Asbyrgi zu Fuß zu erkunden.  Und tatsächlich: Die Schlucht scheint wirklich durch den Hufschlag eines gigantischen Pferdes und seines Reiters entstanden zu sein – zumindest beschreibt es so eine der isländischen Sagas.