Besonderes Licht bei einem kräftigen Regenguss auf Tioman Island

Erste Eindrücke von Malaysia

Ipoh, Malaysia

Nachdem wir bereits mehrere Anfragen bekommen haben, wann den unser nächster Reisebericht erscheint, wollen wir mal zur Tat schreiten und von unseren ersten Eindrücken in Malaysia berichten.

Angekommen in Kuala Lumpur hat uns zwar nicht das Klima platt gemacht (monatelanges Training in Australien hat sich bewährt), dafür aber irgendwie doch ein ordentlicher Kulturschock ausgelaugt.

Die Stadt ist echt verrückt: Auf den eigentlich zweispurigen Straßen drängen sich tausende von Autos und Millionen kleiner Motorroller. Überall stinkt es nach Abgasen; es wird gehupt wie verrückt und als Fußgänger lernt man schnell, dass man die Straße im Eiltempo zu überqueren hat oder man steigt gleich auf eines der Taxis um – das ist sicherer. Allerdings muss man gerade in Kuala Lumpur ziemlich viel Nerven für die Taxifahrer aufbringen: Über den Preis wird immer gefeilscht und Taxometer; eigentlich Vorschrift; blinken meist gelangweilt im Standby.  Als westlicher Tourist fühlt man sich da schon ein wenig wie Freiwild. Gipfel des Ganzen war der Eintritt in den Vogelpark von Kuala Lumpur: Einheimische bezahlen nur ca.10 Ringit; als Tourist ist man jedoch mit 45 Ringit dabei…

Trotzdem sind wir in Kuala Lumpur ziemlich viel herumgefußt und haben viel gesehen. Erste Attraktion waren natürlich die riesigen Petronas Twin Towers – den höchsten ihrer Art weltweit. „Must Do“ hier ist ein Spaziergang auf der gläsernen Skybridge zwischen den Türmen in 140 Metern Höhe. Das Spektakel ist sogar kostenlos; allerdings bekommen täglich nur 1600 Menschen eines der begehrten Tickets für die Skybridge – auch wir mussten uns ziemlich früh anstellen.

Weitere Attraktion war der Besuch bei den „Doktorfischen“ – kleine Fische, die alte Haut von Händen und Füßen fressen. Man tauche also die nackten Füße in den Schwarm von gefräßigen Fischen und lässt sich quasi abschlappern. Die Gefühle von der Fußunterseite erinnern einen an gewisse chinesische Foltermethoden. Doch was tut man nicht alles für sein körperliches Wohlbefinden.

Beeindruckt hat uns in Kuala Lumpur besonders das alte Chinatown mit seiner kolonialen Bausubstanz und seinen riesigen Straßenmärkten. Während auf den Tourimärkten allerlei nachgemachter Kram angeboten wird (eine Breitling für gerade mal 50 Ringit; also 12.50 €!), gibt es in den Nebengassen die sogenannten Foodcourts – eine Anreihung hunderter Garküchen. Vor allem die Einheimischen gehen hier preiswert essen, denn selber Kochen scheint auch in Malaysia eher unüblich zu sein.

Außerdem sind die Preise in den wenigen Supermärkten extrem hoch – fast auf dem australischen Preisniveau und für uns Deutsche eh viel zu teuer! Wir haben uns bisher noch nicht an diese Einmannküchen herangetraut – zu einem ist das Essen doch schwer identifizierbar und zum anderen sind dann die hygienischen Umstände doch recht fragwürdig. Besonders wenn zwischen den Garküchen auch gleich noch der „Schlachthof“ für Hühnchen ist… Naja, wenigstens landen die Hühner dann gleich im Suppentopf.

Als wir diese engen und dunklen Gässchen voller Garküchen gesehen haben, konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie schnell sich hier Vogelgrippe und Co. ausbreiten können.

Coffee to go gibt es hier übrigens nicht im Pappbecher, sondern aus der Plastiktüte. Im Ernst: Die meisten Getränke zum Mitnehmen werden in einfache Plastiktüten geschüttet und verschnürt. Will man das Getränk sofort genießen, wird zusätzlich ein Trinkstäbchen eingebaut und meistens bekommen diese Plastiktütenkonstruktionen auch noch eine Trageschnur.

Die Geruchskulisse in malayischen Städten reicht übrigens von sehr lecker bis sehr sonderbar ekelig. Der gute würzige  Geruch stammt von den vielen Garküchen, während es auch ziemlich nach Abwasser stinken kann, welches direkt in mehr oder weniger offenen Kanälen vor den Haustüren steht.

Nach diesen ersten intensiven Eindrücken in Kuala Lumpur hatten wir natürlich erstmal genug von der Großstadt und sind anlässlich Seb’s Geburtstag nach Tioman Island, eine kleine Insel im südchinesischen Meer, gefahren.

Um nach Tioman Island zu kommen stand uns erstmal eine 5-stündige Busfahrt an die Ostküste bevor. Von dort aus sollte es mit der Fähre weiter gehen. Der Busfernverkehr ist hier übrigens sehr gut ausgebaut und durchorganisiert. Man erreicht für wirklich sehr wenig Geld fast jeden Winkel des Landes – und das in bequemen Reisebusen mit kitschigen Gardinen und großen verstellbaren Sitzen. Wirklich angenehm! – Lokale Stadtbusse dagegen sind schon wieder ein ganz anderes Thema …

Auf Tioman Island mussten wir erstmal irgendwie auf die andere Inselseite nach Juara kommen. Und dass hieß rund eine halbe Stunde für 7 Kilometer 4WD- Fahrt auf einer zwar betonierten Piste, die jedoch extrem steil in den Dschungel geschlagen wurde. Belohnt wurden wir aber mit einem atemberaubenden Strand und einer Hütte direkt am Meer. Und direkt hinter Juara begann der dichte grüne Dschungel mit Schmetterlingen; Wasserfällen und Affen… krass!

Die ersten Tage bei unseren Gastgebern Ezan und Tim; ein malayisch-australisches Paar; waren einfach wundervoll. Die beiden brachten es sogar fertig für Seb einen kleinen (leckeren) Geburtstagskuchen aus Eis zu organisieren – ein seltenes Vergnügen auf der Ostseite von Tioman.

Allerdings schlich sich nach einem Angelausflug von Tim und Seb leider eine böse Erkältung bei uns ein. Erst fieberte Seb drei Nächte und wurde mit reichlich Eis und Antibiotika (aus dem Hospital von der anderen Inselseite) heruntergekühlt, doch es kam wie es kommen musste: Auch Anne bekam eine richtig gute Erkältung ab. Folglich haben wir von den zehn Tagen auf der Insel fast sieben mit kränkeln und Erkältung auskurieren verbracht – alles brauchte in dem tropischen Klima doch etwas länger. Gepflegt wurden wir von Ezan und Tim – unserem Masseur und Guru! So schön und wohltuend das ganze war, desto überraschender für uns kam dann doch der Inselkoller: Wir wollten mal wieder eine warme Dusche und mal was anderes als Garlic-Fish oder Curry-Noodles essen. Ein europäisches Frühstück wäre auch mal wieder nicht schlecht gewesen….

Also sind wir von unserer Insel herunter und mit dem Bus wieder an die Westküste von Malaysia nach Melaka gefahren. Melaka war zwar der bisher touristischste Ort auf unserem Trip durch Malaysia, dafür aber auch der eindrucksvollste. Natürlich gab es erstmal wieder ein vernünftiges Hotel mit einem prima Frühstücksbuffet- lecker! Die Stadt an sich strotzte nur so von Historischem.

In Chinatown war ein ein Großteil der Bausubstanz aus portugisischer, holländischer bzw. später aus britischer Kolonialzeit erhalten und bildete eine ideale Kulisse. Überall kleine Geschäfte; nette Cafés und nachts gab es sogar noch einen Nachtmarkt (also Schrottwichteln im Dunkeln  – viele der angebotenen Sachen waren einfach nur bunter Touristenplunder …). Weitere witzige Eindrücke des Nachtmarktes waren tanzende oder karaoke-singende Menschen in abendlichen Tempeln … Quasi Medizin nach Noten auf malayisch.

Richtig beeindruckt haben uns die vielen Tempel in der Stadt. Wir waren in mindestens vier buddhistischen, einem Hindutempel und einer alten Moschee – jeder für sich einfach nur bunt und wunderschön.

Für uns Europäer ist es übrigens sehr beeindruckend, wenn sich die Muslime hier zum Gebet in der Moschee versammeln. Meist nämlich singt der Vorbeter über Lautsprecher das Gebet und dieser ganz eigene Singsang schallt lauthals durch die Straßen. Manchmal hat uns das in Kuala Lumpur wirklich Gänsehaut über den Rücken getrieben.

Auch in den Tempeln ist es unheimlich interessant zu sehen, wie – nach außen hin – sehr modern aussehende Chinesen hineinkommen, ihr Bündel Räucherstäbchen anzünden und dann vor jedem Altar im Tempel in rhythmischer Bewegung inbrünstig beten.
Wir haben auch vielmals in den Häusern der Einheimischen kleine „Privattempel“ mit kleinen Buddhas im Wohnzimmer oder sogar im Ladengeschäft gesehen. – Malaysia ist wirklich ein Religionsmultikultimix. Denn es gibt sogar Kirchen der Methodisten und hier in unserem Hotelzimmer in Ipoh liegt das neue Testament im Nachttischschieber, während manche der Hotelangestellten ein Kopftuch tragen … Es macht auf uns den Eindruck, dass all diese Religionen hier wirklich friedlich nebeneinander ausgelebt werden können. Sehr beeindruckend!

Von Melaka aus sind wir wieder mal 6 Stunden mit dem Bus unterwegs gewesen und nach Ipoh gefahren, wo wir die letzten zwei Tage verbracht haben. Bemerkenswert an Ipoh: seine alte Bausubstanz und die Höhlentempel außerhalb der Stadt. Einen dieser Tempel haben wir gestern besucht.

Die nächsten Tage wollen wir in den Cameron Highlands verbringen und wir freuen uns schon auf die mindestens 10 Grad Temperaturunterschied. Übrigens sind die Highlands nicht nur DAS Teeanbaugebiet hier, sondern auch Moskitofrei! D.h. mal ein paar Tage nicht die chemische Keule auf unserer Haut. Denn in Australien haben wir uns noch gut mit entsprechender Antimoskito-Creme eingedeckt (über 80% DEET-Anteil – so was wäre in Dt. gar nicht zugelassen). Man spürt, wie es nicht gerade gut für die Haut ist, aber eben das einzige, was gegen die virusübertragenden Mücken hilft. Malaria ist ja gar nicht mal so das Problem. Doch am Tag ist leider eine bestimmte Mückenart für die Verbreitung des Dengue-Fieber verantwortlich. Dies können wir wahrlich nicht gebrauchen!