Busverkehr zum Spit Farewell

Die Kiwiverpackungsbranche und andere Neuigkeiten

Motueka, Neuseeland

Lang lang ist’s her seit wir das letzte Mal was haben von uns hoeren lassen … dann woll’n wir mal:

Als erstes Mal zu unserer Arbeitssituation:
Ich (Anne) bin inzwischen keine Kartonherstellerin mehr, sondern zur Kiwiverpackerin mutiert. Wie? Nun ja, nach 1,5 Wochen in unserer Kartonfirma hat man uns leider rausgeschmissen, weil sich herausgestellt hat, dass sie doch nicht so viel Leute brauchen. Das kam fuer uns nicht unbedingt ueberraschend, denn die letzten Tage vorm Rausschmiss haben wir uns teilweise zu sechst an der Maschine getummelt (normal: 2-3 Leute) und jeder hat krampfhaft versucht ein bisschen geschaeftig auszusehen. Da die Gegend hier aber vom Kiwi- und Apfelanbau gepraegt ist und diese jetzt eben alle geerntet werden, war es nicht sonderlich schwierig eine neue Arbeit zu finden. Seb hat direkt eine halbe Stunde spaeter bei der Konkurrenz ueber die Strasse, also bei einer anderen Kartonfirma angefangen. Und ich stand zwei Stunden spaeter im Packhaus. Ich (Anne) kam direkt hin und habe sofort angefangen ohne zu wissen, fuer wieviel Geld ueberhaupt, wieviel Stunden am Tag usw. Aber zum Glueck liess sich dies ja im Laufe des Nachmittags recht schnell klaeren. Und somit arbeiten wir nun seit reichlich zwei Wochen bei neuen Arbeitgebern.

Kurz zu meiner (Anne) Arbeit: Die letzten 1,5 Wochen habe ich die Foermchen und Folien in die Kiwikartons gepackt, in die dann die Fruechte hinein gelegt werden. Die Arbeit ist, glaube ich, mit die Beste im Packhaus, weil man nicht unmittelbar neben einer Maschine stehen muss und sich somit unterhalten kann und auch immer mal verschiedene Bewegungsablaeufe hat, wenn man Kartons von der Palette holen muss, aufklappen, Foermchen rein legen, stapeln und den Kartonstapel zur naechsten Person weiterreichen. Dabei habe ich mit sechs aelteren Ladies zusammengearbeitet, die die ganze Zeit am Quasseln waren. Wie sich das fuer Omis gehoert, haben sie sich gleich an meinem ersten Nachmittag darum gekuemmert, dass mich eine von ihnen frueh immer abholt und mit zur Arbeit nimmt. Suess, oder?!

Gestern wurde ich dann von „meinen“ Omis abkommandiert und musste eine ganz haessliche Arbeit machen: Stundenlang aufs Fliessband starren, wo im Eiltempo Kiwis vorbeischwirren, und mit schnellen Haenden unfoermige Kiwis aussortieren, damit ihr zu Hause auch nur die schoensten Fruechte bekommt. Die unfoermigen werden hier als Local Kiwis im New World fuer 99 Cent der Beutel verkauft. Am Abend taten mir unheimlich die Augen weh, denn das ist, wie wenn man stundenlang zu nah vorm Fernseher sitzt (durch die schnellen Bewegungen). Ausserdem wird man dabei ganz bloed und sieht statt Kiwis irgendwann Zwiebeln, Kartoffeln usw.
Zum Glueck habe ich dann heute eine andere Arbeit zugewiesen bekommen – diesmal tatsaechlich Kiwis einpacken. Das war ganz ok.

Was ist ringsums Arbeiten passiert?
Wir gehen jeden Sonntag fleissig auf den Markt, was bei dem tollen Wetter, dass hier fast immer herrscht, jedesmal eine schoene Atmosphaere ist. Uebrigens haetten wir uns fuer den Herbst keine schoenere Region aussuchen koennen. Morgens und Abends ist es immer sehr kalt, oft auch schon Frost. Doch den Tag ueber ist fast immer blauer Himmel und strahlend Sonnenschein, natuerlich immer abgerundet mit einem tollen Sonnenauf- und -untergang. Temperaturen sind so 15 – 18 Grad am Tag. Ausserdem sind die Farben des Herbstes einfach toll, insbesondere wenn man an den Orchards vorbeigeht, speziell Wein. Kurios ist, dass manche einheimische Baeume Blueten tragen, was man ja eher vom Fruehling kennt. Auch faellt mir auf, dass die Voegel hier wie verrueckt singen, so wie ich das von Zuhaus im Fruehling kenne.

Letzte Woche war Seb leider krank, so dass er das Bett hueten musste und nur ich arbeiten gegangen bin. Dafuer arbeitet er nun um so mehr. Jetzt gerade ist er bei der Nachtschicht, nach einer bereits erfolgten Tagschicht, wohlgemerkt. Sein Chef hat wohl im Gegensatz zu unserer frueheren Kartonfirma massenhaft Auftraege und aber eine starke Fluktuation bei seinen Arbeitern. Denn die Arbeit ist sehr schwer, so dass viele sehr schnell wieder aufhoeren. Seine Maschinen arbeiten wesentlich schneller als bei unserem frueheren Arbeitgeber. Somit braucht er jeden Mann und versucht mit spendiertem Bier am Freitagabend seine Mitarbeiter zu motivieren. Ausserdem steigert er von Woche zu Woche den Stundenlohn – das lohnt sich natuerlich!

Zwischendrinn war fuer fuenf Tage Anja da, die wir damals zu Weihnachten in Ahipara kennengelernt hatten und seitdem mehr oder minder regelmaessig Kontakt halten. Das war richtig klasse, denn wir zwei Maedels haben ein bissl was unternehmen koennen (sie hat ein Auto!). Seb konnte wegen Krankheit leider nicht mit von der Partie sein.

Somit waren wir beide an dem einen Tag im Abel Tasman Nationalpark beim Harwoods Hole, ein 176m tiefes und 50m breites Loch inmitten einer Buchenwaldlandschaft. Dorthin fuehrte uns eine 11km lange Gravel-Road, bei der uns haette keiner entgegen kommen duerfen (eng und daneben eine abstuerzende Schlucht). Der Walk zum Loch war richtig schoen, fuehrte wie durch einen Zauberwald. Baume und riesige Steine waren von Moos und Flechten, die Anja als gelernte Floristin natuerlich an jeder Ecke untersucht hat, ueberzogen. Die Baeume haben in der kuehlen Luft im Wald gedampft, wie wenn man frischen Mist aufs Feld schmeisst. Es haette mich nicht gewundert, wenn ich auf einem Stein eine Fee auf einem Stein haette sitzen sehen. Danach sind wir noch zu einem Lookout aufgestiegen, von dem aus wir eine tolle Sicht auf das Takaka-Valley hatten.

An einem anderen Tag sind wir beide fast bis zum noerdlichsten Punkt der Suedinsel gefahren – zum Spit Farewell am Ende der Golden Bay. Dort haben wir eine kleine Wanderung durch saftig gruenes Farmland mit von der See bizarr geformten Baeumen gemacht. Geendet hat der Weg an einem langen, breiten leeren Strand – Endlich mal wieder am Meer mit Wellenrauschen – herrlich!! Zum Spit Farewell (eine einzige 25km lange Sandduene mit aussergewoehnlicher Vogelwelt) kann man Bustouren buchen, die aehnlich wie am 90-Mile-Beach im Northland am Strand entlangfahren.

Auch kulinarisch gesehen, waren die Tage mit Anja toll. Sie hat uns mit leckerem typisch deutschem Essen verwoehnt. Einmal gab es Linseneintopf als Seb und ich von Arbeit gekommen sind. Ein anderes Mal gab es gefuellte Paprikaschoten. Und alles wie bei Muttern – hm! Anja hats Spass gemacht uns zu bekochen und Seb und mir hats geschmeckt.

Nach unserem Besuch ist Anja nach Nelson weitergezogen, um fuer kurze Zeit als Unterstuetzung rund um den Muttertag im Blumenladen zu arbeiten. Wir werden uns also hoffentlich bald wiedersehen.
Ein weiteren Kurzbesuch hat uns Falk abgestattet, der seine geklauten und vermeintlich wiedergefundenen Sachen in Nelson abholen wollte. Leider waren diese immer noch nicht da.

Letzten Sonntag sind Seb (inzwischen wieder halbwegs auf den Beinen) und ich nach Kaiteriteri gefahren – per Anhalter versteht sich – und wir haben uns ein Auge von dem dortigen beruehmten Goldenen Strand geholt und einfach den warmen sonnigen Tag genossen. Zurueckgenommen hat uns lustigerweise ein Shuttlebus von einem Wassertaxi-Unternehmen, das seine Touristen vom Abel Tasman zurueck nach Motueka geschafft hat.

So, jetzt wisst ihr also wieder in aller Ausfuehrlichkeit bescheid;-)