Strand von Kaikoura

Die halbe Südinsel in vier Tagen

Kaikoura, Neuseeland

Da sind wir wieder. In den letzten Tagen haben wir wieder unheimlich viel erlebt und mal wieder festgestellt, dass es wirklich keinen Sinn macht in NZ irgendwelche Plaene zu schmieden!

Wir haben also am letzten Sonntag die Faehre genommen und sind in Picton irgendwann morgens um fuenf angekommen. Nachdem wir uns noch auf einem Strassenrand stehend ein wenig ausgeschalfen hatten, haben wir ein wenig Picton erkundet – eine wirklich nette kleine Hafenstadt am Ende des Queen-Charlotte-Sounds. Von hier aus sind wir weiter in Richtung Blenheim und Kaikoura gefahren.

Von Blenheim als Stadt waren wir ein wenig enttaeuscht. Alles wirkte ein wenig steril, kahl und die Landschaft drumherum sah ziemlich verduerrt aus. Ausser den riesigen (!) Weinfeldern gab es hier in der Umgebung kaum etwas, was irgendwie gruen aussah – wie in einer Steppe. Den weiteren Weg nach Kaikoura konnten wir (obwohl landschaftlich sehr reizvoll) nicht mehr geniesen: Unser Vanni blieb mal wieder mit kochendem Motor nach einem Huegel haengen. Insgesamt dreimal mussten wir auf den Weg nach Kaikoura anhalten, um die Karre herunterzukuehlen. Und dabei wollten wir uns am naechtsen Tag mit Annes Eltern in Christchurch fuer eine kleine Tour durch die Suedinsel treffen…

Am letzten Montag wurden dann die schlimmsten Befuerchtungen von der Werkstatt in Kaikoura bestaetigt: Die Zylinderkopfdichtung hat ihren Geist aufgegeben und muss ersetzt werden. Je nach Aufwand 500 $ bis 1500 $ die faellig werden – toll! Dafuer brauchten wir ein wenig Bedenkpause. So haben wir kurzerhand unsere grossen Backpacks gepackt und sind mit dem Bus nach Christchurch gefahren, um mit Annes Eltern auf Tour zu gehen.

Am Dienstag Morgen sollte es dann eigentlich von Christchurch aus in Richtung Arthurs Pass gehen. Nur leider hatte auch der Camper-Van von den Ellis einen Tag zuvor Probleme mit dem Motor bekommen. An diesem Morgen wollte er gar nicht mehr richtig anspringen, so dass wir vier in Christchurch die naechste Werkstadt aufsuchen mussten. Waehrend der folgenden funf Stunden wurde dir Einspritzpumpe am Campervan getauscht und wir erhielten einen Mietwagen. Mit dem sind wir vier dann nach Lyttelton gefahren – dem Ueberseehafen von Christchurch. Wie bereits zuvor Christchurch wirkte auch Lyttelton sehr „europaeisch‘ auf uns. Viele Haeuser waren mal ein Stueck aelter und aus Stein gebaut. Nachdem unser Camper-Van dann endlich fertig repariert war, sind wir vier dann endlich in Richtung Arthurs-Pass aufgebrochen. Innerhalb von vier Stunden durchquerten wir die Southern Alps.

Zwischendurch stoppten wir ein paar Mal um die herrliche Umgebung zu geniessen. Links und rechts neben uns waren nur riesge und bewaldete Berge und wir mitten drin in einer tiefen Schlucht – beeindruckend. Leider wurde es recht bald dunkel (hier geht die Sonne inzwischen immer gegen 18.30 Uhr unter) und so gab es nicht mehr viele Gelegenheiten, um nochmals zu halten. Allersings machten wir kurz nach Arthurs Pass Village noch Bekanntschaft mit dem Laufvogel Weka. Dieser Nimmersatt schlich sich immer wieder um den Camper herum in der Erwartung, etwas zum fressen zu bekommen. Den Rest der Streche bis Greymouth empfanden Anne und ich im Container (wie nannten uns selbst „Containerkinder“, da es nicht unbedingt legal war so im Heck des Campervan mit zu fahren – waehren wir ertappt worden, haetten wir jeder 350 $ Strafe zahlen muessen) nicht mehr ganz so angenehm. Es ging rauf und runter, immer wieder rechts und links – kurzum machte sich ein kleiner Anflug von Uebelkeit bemerkbar.

Mittwochs ging es weiter die Westkueste entlang in Richtung Abel Tasman National Park. Erster Stop war hier an den Pancake-Rocks und Blowholes. Und wir hatten Glueck! Wir kamen genau richtig zur High Tide an diesem Tag. Die Wellen peitschten mit purer Gewalt in die Pancake-Rocks und stiegen als Fontaenen in den Blowholes auf. Ein herrlich nasses Schauspiel! Und das bei bestem Sonnenwetter! Weiter ging es ueber das Cape Foulwind in Richtung Abel Tasman National Park. Marahau in der Sandy Bay erreichten wir erst nach dem Sonnenuntergang.

Den naechsten Tag blieben wir im Abel Tasman Park und fuhren mit dem Wassertaxi in die Anchorage-Bay, um auf dem Abel Tasman Walkway zurueck nach Marahau zu wandern. Als wir mit dem Wassertaxi die Anchorage-Bay erreichten, kamen wir uns vor wie im Paradies. Die Sonne roestete uns und wir landeten an einem goldfarbenen Sandstrand an. Das Wasser war glasklar und der Strand grenzte direkt am Busch. Am liebsten haette ich (Seb) mir hier eine Bambushuette gebaut und waere als Einsiedler hier geblieben. Mit einem Abstecher brauchten wir knapp sechs Stunden um Marahau wieder zu erreichen. Die letzte Stunde legten wir als Wattwanderung zurueck. Infolge der Inzwischen eingetretenen Ebbe war das Wasser in der kompletten Sandy-Bay zurueckgewichen und wir konnten ueber den Meeresboden wandern. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kann hier bis zu vier Metern betragen! Fuer unsere Fuesse war die Wanderung jedenfalls eine wilkommene Abwechslung.

Am Karfreitag fuhren wir vier vom Abel Tasman nach Picton ueber Nelson und die Marlborough-Sounds sowie entlang des Queen-Charlotte-Drive. Diese Ecke hier im Norden der Suedinsel hat uns mit bisher am besten gefallen- nach Moeglichkeit wollen wir beide versuchen, einen laengerfristigen Job in dieser Ecke zu finden.

Letzten Samstag Morgen mussten wir uns in Picton wieder von den Ellis verabschieden, was fuer alle nicht unbedingt einfach war. Waehrend die Ellis mit der Faehre nach Wellington schipperten (und dort auch angekommen sind) genossen wir noch einen herrlichen Spaetsommertag in Piction und wanderten ein wenig entlang des Queen-Charlotte-Sound. Den Tag haben wir im „Jugglers Rest Backpackers“ am Feuer ausklingen lassen.

Da wir ein wenig Kohle sparen wollten, sind wir gestern per Hitch-Hiking (Trampen) nach Kaikoura zurueckgekehrt. Und wirklich: Auf der Suedinsel ist das kein Problem! Von Picton nach Blenheim hat uns ein junges Paerchen aufgelesen. Von Blenheim nach Kaikoura sind wir mit Schalom (hoffentlich richtig geschrieben) und ihrer Tochter in einem 20 Jahre alten Honda Civic 1.3 (mit drei Tueren!) vollbepackt gefahren. Bevor dieser Tripp allerdings richtig los ging, waren wir bei ihr zum Tee eingeladen. Und bei ihr zu Hause sah es wirklich wieder wie bei „Kiwis“ aus: Chaos pur!! Die Fahrt an sich war sehr unterhaltsam. Und die Neuseelaender koennen wirklich fahren wie die Schw… . Der Sicherheitsabstand betrug kaum mehr als einen Meter – ungelogen!

Heute verbringen wir den Ostermontag bei Regen in Kaikoura. Wir warten im Grunde nur daruf, dass die Werkstatt morgen frueh endlich aufmacht und wir dann hoffentlich mit einem funktionierenden Wagen in Richtung Abel Tasman zurueck fahren koennen.