Auf dem Weg nach Húsavik

Der Norden Islands

Am Abend erreichen wir den kleinen Fischerort Husavik und wir buchen uns für den nächsten Tag auf einem der Wahlbeobachtungsboote ein. Der Campingplatz ist alles andere als komfortabel. Zwar liegen wir wieder auf grasigen Untergrund (wie bisher meistens auf Island), jedoch wirken Duschen und Toiletten wenig einladend. Wie schon an anderen Abenden zuvor gönnen wir uns daher ein Bad in den öffentlichen „Hot-Pools“  mit anschließender ordentlicher Dusche. Diese Bäder gibt es auf Island in wirklich fast jedem Ort und der Eintritt ist erschwinglich – für die Menschen hier eine wichtige Institution um mit dem einen oder anderen ein Schwätzchen zu halten. Das Baden ist klar geregelt: Straßenschuhe bleiben im Eingangsbereich und Hinweisschilder zeigen sehr deutlich, welche Körperstellen vor dem Bad ordentlich eingeseift werden müssen.

Zum ersten Mal in Island gönnen wir uns in Husavik auch einen Besuch im Fischrestaurant. Gönnen deshalb, da man für so einen Besuch schnell um die hundert Euro für zwei Personen los wird. Aber dafür ist das Essen so lecker, dass man hier nur mit Wartezeit einen Tisch ergattern kann. Die folgende Nacht wird mal wieder zur Herausforderung für unser Zelt: Ein kräftiger Sturm zieht an unserem Zelt. In den nächsten Tagen werden wir dies noch ein paar Mal so erleben.

Obwohl es die erste Tour des Tages ist, ist unser Wahlbeobachtungboot vollkommen ausgebucht. Damit die Gäste nicht nass werden, gibt es für alle grelle, orangene Kutten.  Deutlich erkennen wir später auf dem Wasser daran auch die anderen Boote mit Touristen an Bord. Mit den Walen haben wir Glück: Bei Sonnenschein erhaschen wir die Blicke auf insgesamt fünf Buckelwale, die mehrere Male in der Nähe unseres Bootes auftauchen. Einmal kommen wir einem der Riesen sogar so nahe, das man das tiefe Durchatmen des Meeressäugers  hören kann, bevor er wieder in die Tiefen abtaucht und dabei seine riesige Schwanzflosse in die Höhe streckt. Beindruckend! Und trotzdem werden in Island Wale nicht nur mit der Kamera gejagt, sondern in begrenzten Zahlen auch kommerziell gefangen. Auch wir haben Walfleisch in Supermärkten oder auf Restaurantkarten gesehen –  vor allem wegen der Touristen.

Nach unserem Ausflug auf die Arktische See reisen wir auf dem Land weiter zum „Myvatn“, dem Mückensee im Norden Islands. An diesem Tag erreichen wir sogar lt. Thermometer sogar 25 Grad – T-Shirt Wetter auf Island! Anfangs bekommen wir noch zu spüren, warum der See seinen Spitznamen trägt: Hunderte kleine Mücken umschwirren uns und befallen jede freie Stelle unserer Haut. Mit zunehmendem Wind jedoch verflüchtigt sich auch dieses Problem. Allerdings wird der Wind zur Herausforderung: Wir müssen unseren Zeltnachbarn beim Aufbau helfen während andere Zelte schon in sich zusammengefallen sind. Unser Zelt übersteht die Nacht gut aber dafür wirft der Wind wenig später unsere Kamera mitsamt Stativ einfach um – mit den entsprechenden Folgen. Es wird mal wieder ein neues Objektiv fällig.

In Myvatn wird uns auch wieder ins Gedächtnis gerufen, wie fragil der isländische Untergrund ist. Ganz in der Nähe sieht es wieder aus wie auf dem Mond und es zischt, blubbert und dampft aus dem Boden. Die Isländer machen sich diese geothermale Energie zu Nutze und erzeugen unter anderem am Myvatn Strom, indem sie den Boden anbohren und das heiße Wasser aus dem Boden zur billigsten Stromerzeugung Europas  nutzen. Das von enthaltener Kieselsäure türkisblaue Abwasser wurde noch bis vor wenigen Jahren achtlos in die umliegende Natur abgepumpt. Heute wird es gesammelt, auf eine erträgliche Badetemperatur abgekühlt und  an zahlende Touristen vermarktet. Auch wir können dem nicht wiederstehen und gönnen uns ein paar entspannte Stunden.

Bevor wir am nächsten Tag weiter in Richtung Westen reisen, umfahren wir den Mückensee vollständig. Die geplante Umrundung des Vulkankegels „Hverfjall-Krater“ brechen wir nach dem Aufstieg ab. Trotz strahlenden Sonnenscheins pfeift der Wind so stark auf dem Berggipfel, dass man sich gefahrlos in den Wind legen kann.

Dafür  entdecken wir wenig später einen kleinen, privaten und sogar bewaldeten Park „Höfdi“ auf einer Halbinsel am See und gönnen uns am grünen Ufer des Sees ein Sonnenbad. Im klaren Wasser des Sees erkennen wir die unterschiedlichsten Formationen aus erstarrter Lava – wir glauben manchmal einen Troll erkennen zu können. In die Welt der Trolle gehören für uns dann auch die grünen Pseudovulkankrater auf der Südseite des Myvatn.

Nach dem idyllischen Myvatn und einem Stopp am Godafoss, dem „göttlichen“ Wasserfall des Nordens, erreichen wir Akureyri , die größte Stadt im Norden der Insel. Obwohl uns unser Reiseführer recht viel verspricht, wirkt die Stadt für uns recht trostlos. Wir sind froh, als wir am nächsten Morgen endlich weiterziehen können. Uns bleiben noch zwei Nächte auf Island und der Weg ist noch weit zurück nach Reykjavik.