Zu einer der heiligsten Stätten in Myanmar - der goldene Felsen

Zu einer der heiligsten Stätten in Myanmar – der goldene Felsen

Golden Rock, Myanmar

Zusammen mit unserem Guide Min Thu und einem Fahrer machen wir uns auf den Weg zur Kyaikhtiyo-Pagode, auch bekannt als Goldener Felsen. Dieser liegt ca. vier Autostunden nordöstlich von Yangon und zählt zu den heiligsten Stätten in Myanmar. Wie auch die Shwedagon-Pagoge in Yangon sollte jede/-r Burmese/-in den goldenen Felsen mindestens einmal im Leben besucht haben.

Voll beladen mit Mensch und Material

Voll beladen mit Mensch und Material

Auf unserer Fahrt passieren wir viele Dörfer, in denen das Leben nur so pulsiert. Überall auf den Straßen sind Menschen, unzählige Mopeds, Autos und auch Ochsenkarren unterwegs. Es ist trocken und extrem staubig – oft erkennt man das Grün an den Bäumen vor lauter Dreck schon gar nicht mehr. Besonders fallen uns die vielen Pick-Ups und Kleinlaster auf, die zu Taxis umfunktioniert wurden. Meist sind die Ladeflächen dieser Gefährte schon so mit Menschen überladen, dass sich neue Mitreisende von außen an der Ladefläche festklammern.  Nichts für schwache Nerven sind auch die Überholmanöver unseres Fahrers, die eigentlich nur mit der Unterstützung eines Beifahrers funktionieren. Die Herausforderung dabei liegt darin, dass in Myanmar zwar Rechtsverkehr wie bei uns herrscht, jedoch meistens auch der Fahrer auf der rechten Seite sitzt – bedingt durch den Import vieler Autos aus dem linksfahrenden Nachbarstaat Thailand. Somit muss der in Myanmar links sitzende Beifahrer schauen, ob die Fahrbahn frei ist oder nicht. Wichtigstes Hilfsmittel dabei: Die Hupe, um so zu signalisieren, dass man gerade zum Überholmanöver ansetzt.  Selbst wenn auf der anderen Spur Fahrräder und Mopeds unterwegs sind, wird überholt – solange eben genug Platz für ein Auto frei ist. Nur vor Bussen oder anderen größeren Fahrzeugen schreckt dann unser Fahrer wirklich zurück.

Die Kinder in der Schule singen ihre Nationalhymne

Die Kinder in der Schule singen ihre Nationalhymne

Bevor wir den goldenen Felsen erreichen, besuchen wir noch eine Schule im Seik Phu Taung Youth Development Centre, welche 1981 von Mönchen gegründet wurde. Waisenkinder oder Kinder aus armen Familen bekommen hier die Möglichkeit kostenlos zur Schule zu gehen. Mehr als 600 Kinder & Jugendliche aller Altersstufen leben hier und können so eine kostenlose Schulbidung von der Grundschule bis hin zur High-School erhalten. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft von engagierten buddhistischen Mönchen und wird vor allem durch Spenden getragen – sei es durch Schulbücher, Schreibhefte oder finanzielle Unterstützung. Wir sind erstaunt: Bereits eine Spende von 60.000 Kyats, also etwa 45 €würde die Lebens- und Schulkosten für ein Kind in der Grundschule pro Jahr (!) abdecken. Der Besuch in der Schule ist für uns sehr bewegend, da es uns wieder einmal bewusst wird, unter welchen einfachen Bedingungen die Menschen hier leben und es stellenweise am Notwendigsten fehlt. Dies ist eine Lebensweise, die uns eigentlich schier undenkbar erscheint.

Kuschelige Fahrgemeinschaft auf der Ladefläche eines Sammellastwagens hoch zum goldenen Felsen

Kuschelige Fahrgemeinschaft auf der Ladefläche eines Sammellastwagens hoch zum goldenen Felsen

Der goldene Felsen liegt in den Bergen in der Nähe der Kleinstadt Kyaikto und ragt dort über einem 1100m tiefen Abgrund. Um dort hoch zu gelangen müssen wir im ersten sogenannten Basecamp unser Auto samt Fahrer verlassen und auf die Ladefläche eines Sammellastwagens steigen. Dieser fährt uns dann auf einer abenteuerlichen einspurigen Straße in Serpentinen steil nach oben. Unterwegs wird immer mal angehalten, damit  die Einheimischen ihre Getränke, Obst oder Knappersachen verkaufen können oder die klappernden Spendentöpfe gefüllt werden können. Die Ladefläche des Lasters ist dabei so gut befüllt, dass man seine Knie unter den Po des Vordermanns klemmen muss, um einigermaßen komfortabel sitzen zu können. Dies hat aber auch den Vorteil, dass man bei der schaukeligen Fahrt nicht verrutscht oder sogar herunterfallen kann. So ein Lastwagen fährt auch erst dann ab, wenn er komplett gefüllt ist und auf jeder Bank 6 Mitreisende sitzen. Wer mehr Bewegungsfreiheit möchte und z.B. mit nur fünf Leuten zusammen sitzen möchte, muss halt mehr bezahlen, so dass am Ende immer der gleiche Betrag zusammen kommt als hätten sechs Leute bezahlt. Unser Guide schildert uns außerdem, dass in der Nebensaison deutlich weniger Touristen unterwegs sind und man manchmal bis zu zwei Stunden oder vielleicht gar länger warten muss, bis ein Lastwagen losfährt. Gefüllt ist ein Lastwagen, wenn auf wirklich jeder Sitzbank sechs Leute sitzen.  So einfach ist das :-).  Als wir schließlich oben angekommen sind, müssen wir noch zur Fuß ein paar Meter laufen, bevor wir den goldenen Felsen zu sehen bekommen. Wer lauffaul ist oder einfach nicht gut gehen kann, könnte sich auch mit einer Sänfte tragen lassen – das machen wohl asiatische Touristen ganz gerne.

Man sieht auf welcher geringer Fläche der goldene Felsen steht

Man sieht auf welcher geringer Fläche der goldene Felsen steht

Von Weitem betrachtet sieht der goldene Felsen erst einmal gar nicht so spannend aus. Erst von Nahem erschließt sich uns die eigentliche Besonderheit des Felsens, der scheinbar jeden Moment den Abhang hinunter zu rutschen droht. Mit dem Felsplateau  darunter hat der goldene Felsen eine sehr geringe Berührungsfläche, so dass es rätselhaft erscheint,  wie sich der Felsen da oben überhaupt halten kann. Insbesondere wenn man bedenkt, dass es auch ab und an mal ein Erdbeben gibt. Einer Legende nach wird der Felsen von zwei Haaren Buddhas im Inneren mit magischen Kräften  im Gleichgewicht gehalten. Somit ist dies ein heiliger Ort für die Birmesen, die den Felsen mit einer Stupa verzierten und ihn entsprechend vergoldet haben.  Seb hat auch hier wieder die Möglichkeit ein paar Goldplättchen an dieser heiligen Stätte aufzukleben und somit etwas Gutes zu tun. Für Frauen ist das Betreten des Felsens verboten. Ich (Anne) kann mich also nur auf der Plattform rundherum bewegen.

Nach einer angenehm kühlen Nacht (ja, in dieser Höhe kann es in der Winterzeit durchaus kühler werden) werden wir am nächsten Morgen  das erste Mal mit Morgengebetsgesängen geweckt, die von Irgendwo aus einem Kloster am gegenüberliegenden Berg aus Lautsprechern dröhnt. Min Thu verrät uns später, dass es Gebete von Mönchen sind, die immer wieder aufs neue vom Tonband abgespielt werden. Diese Gesänge werden wir im Laufe unserer Reise noch öfters zu hören bekommen.

Min Thu unterhält sich mit den Frauen, die den Fisch fürs Trocknen vorbereiten

Min Thu unterhält sich mit den Frauen, die den Fisch fürs Trocknen vorbereiten

Angekommen am Basecamp nimmt uns unser Fahrer wieder in Empfang und wir brechen auf in Richtung Bago – die alte Hauptstadt der Mon. Noch heute zeugen viele prächtige Pagoden von der einstigen Pracht der Königsstadt. Auf dem Weg dorthin stoppen wir in einem kleinen Dorf mit vielen Ständen am Straßenrand, an denen es getrockneten Fisch zu kaufen gibt. Min Thu will uns zeigen, wie dieser hergestellt wird und so stoppen wir in der Nähe des Flussufers an einem Verkaufsstand. Hinter dem Stand sitzen drei Frauen inmitten von zahlreichen Plastiktüten und allerlei anderen Abfall auf dem Boden und häuten und filetieren körbeweise Fische. Zu allem Überfluss waschen sie die Fische auch noch in dem schlammig-braunen Flusswasser, bevor die Filets zum Trocknen auf Palmenblättern in die Sonne gelegt werden. Prinzipiell sieht der frische Fisch wirklich lecker aus, doch all der Müll der im und am Fluss verteilt ist, lassen uns den Appetit doch recht schnell vergehen.

Mehrere Leute wollen sich mit uns vorm liegenden Buddha in Bago fotografieren lassen

Mehrere Leute wollen sich mit uns vorm liegenden Buddha in Bago fotografieren lassen

In Bago besuchen wir die Pagode mit dem höchsten Stupa (114m) in Myanmar. Genau wie der zentrale Stupa der Shwedagon-Pagode in Yangon ist dieser ebenso vergoldet und sieht damit sehr prächtig aus. Anschließend besuchen wir in der Shwethalyaung-Pagode noch einen weiteren liegenden Buddha, der allerdings viel älter als jener, den wir bereits in Yangon gesehen haben. Hier werden wir selbst zur Attraktion. Wir werden von Birmesen angesprochen, die sich mit uns großen weißen Menschen vor dem Buddha fotografieren lassen wollen. Irgendwie ist es eine lustige Situation: Man fragt sich, was da an einem selbst so besonders ist. Doch so wird es auch den Menschen gehen, die wir im Laufe unserer Reise mit der Kamera festhalten werden. Nach der Foto-Session fahren wir weiter in das Kha Khat Wain Kyaung Kloster, in dem mehr als 1000 Möche leben und studieren. Dort finden gerade die Abschlussprüfungen für die jungen Mönche statt und wir dürfen einen Blick in die große Halle riskieren, in der diese im Scheidersitz an einem kleinen Pult sitzen und über ihren Aufgaben brüten.

In Bago besuchen wir noch eine kleine Weberei, in der Frauen gerade auf ihren Holzwebstühlen die grünen Stoffe für die Schuluniformen weben.  Augenblicklich fühlen wir uns in ein anderes Jahrhundert zurückversetzt, denn die Webstühle werden auschließlich durch die Füße der Frauen angetrieben. Alles hier wird per Hand mit einfachsten Mitteln hergestellt. Diese Erkenntnis werden wir noch mehrere Male während unserer Reise haben: In Myanmar werden noch viele Dinge durch Menschenhand hergestellt – ohne den Einsatz industrieller Maschinen. Von Billigimporten aus anderen asiatischen Ländern scheint das Land noch weitestgehend verschont geblieben zu sein. Allerdings kann man seit wenigen Jahren wieder die Limonade eines großen amerikanischen Getränkekonzerns kaufen… . Es wird also spannend sein, die weitere Entwicklung Myanmars diesbezüglich zu beobachten.

Wir in unseren neuen Longyis – auf Wunsch aufgestellt in der Hochzeitspose

Wir in unseren neuen Longyis – auf Wunsch aufgestellt in der Hochzeitspose

An der Verkaufstheke der Weberei probieren wir schließlich noch zwei schöne Longyis an und  lassen uns zeigen, wie diese richtig gebunden werden. Auf Wunsch von Min Thu und unserem Fahrer stellen wir uns in der typischen birmesischen Hochzeitspose auf und lassen uns so fotografieren. Danach ist es natürlich Ehrensache, dass wir diese tollen handgewebten Beinkleider auch kaufen. Immer wenn ich (Anne) in den nächsten Wochen meinen Longyi trage, werde ich noch mehrmals von den Einheimischen angesprochen und mit den Worten „Very beautiful“ gelobt. Die Birmesen scheinen sehr stolz auf ihre traditionelle Kleidung zu sein und sich sehr zu freuen, wenn man als westlicher Tourist diese auch trägt. Mich hat’s natürlich auch gefreut :-).

Mit dem Zug unterwegs in Myanmar

Mit dem Zug unterwegs in Myanmar

Von Bago aus nehmen wir am Nachmittag den Zug zurück nach Yangon. Mit unserem Touristenticket reisen wir im wahrsten Sinne des Worte in der Holzklasse: Der ganze Zug ist von innen in grün getüncht und wir sitzen auf Holzbänken in Wagons ohne Fensterscheiben. Der „Express“ nach Yangon zuckelt mit gemütlichen 40 km/h durch die Landschaft. Gar nicht so  gemütlich sind die wenigen Stopps. Da geht’s recht hektisch zu, denn die Leute steigen auch mal aus dem Fenster aus oder springen noch auf, wenn der Zug schon angefahren ist. Unterwegs kommen Snack-Verkäufer durch das Abteil und bieten halbe Hühnchen, Maiskolben oder Bananen an. Auch wird minutenlang mit Megaphon eine Wundermedizin (sieht ein bisschen wie eine Wurzel aus) angepriesen – mit Erfolg! Die Heilpflanze wird in kleinen Stücken verkauft. Mit dem Megaphon hat der junge Verkäufer also erfolgreich das laute Rattern des Zuges übertönt. Nach einer Weile Fahrt ist auch Anne’s helles T-Shirt mit einer Schicht aus Ruß und Staub überzogen und unsere Schleimhäute verweigern sich dem Staub, der durch die offenen Fenster in den Zug dringt.

Je näher wir Yangon kommen, umso mehr Abfall sehen wir. Teilweise wirkt der äußere Speckgürtel von Yangon wie ein Slum. Die Menschen leben in einfachsten Hütten aus Palmenblättern ohne fließend Wasser. Meist gibt es eine Art Dorfzentrum mit einem zentralen Brunnen und einem Toilettenhäuschen. In den Brunnen baden und pflegen sich die Menschen und putzen sich sogar die Zähne. Der viele Plastikmüll und Abfall schockiert uns und wir fragen Min Thu, warum es hier so aussieht. Ob die Menschen sich nicht selbst daran stören? Seine Erklärung dazu fällt erschreckend einfach aus: Plastikverpackungen und Plastiktüten gibt es noch nicht sehr lange in Myanmar. Ihren Müll haben die Menschen schon immer einfach entsorgt, indem er einfach weggeworfen wurde. Allerdings bestand früher alles aus Naturprodukten, war z.B. in Bananenblätter eingewickelt, so dass der Abfall einfach verotten konnte. Plastik verrottet nicht und es gibt auch keine vernünftige staatliche Müllabfuhr in diesen Gebieten. Die Folge ist, dass der Müll weiterhin einfach auf der Straße landet. Mittlerweile wachsen Generationen heran, die es gar nicht mehr anders kennen und sich folglich nicht daran stören, wenn der Plastikmüll in der Gegend herum liegt. Ein Teufelskreislauf.

In der Abendsonne erreichen wir Yangon. Ein erlebnisreicher Ausflug geht zu Ende und wir müssen uns von Min Thu verabschieden, der uns ein guter Begleiter war.