Detail von einem Bootshaus

Copland Track und Westküste

Greymouth, Neuseeland

Wie angekündigt sind wir noch einmal an die Westküste von Neuseelands Südinsel, die wir in den letzten Tagen noch einmal in vollen Zügen genossen haben. Seit mittlerweile zwei Tagen befinden wir uns in Greymouth und planen hier noch zwei Nächte zu bleiben, bevor es über den Arthurs Pass zurück nach Christchurch; unserer Endstation; geht. Seit heute scheint sich auch einmal Sommer durchzusetzen – es ist angenehm warm und wir haben schon den ganzen Tag einen blank geputzten blauen Himmel. Übrigens fangen hier gerade die Pohutukawas, der neuseeländische „Weihnachtsbaum“, an zu blühen.

Nach unseren Wochenendtrip nach Dunedin haben wir in Middlemarch tatsächlich unser Auto wieder gefunden und sind über Central Otago in Richtung Cromwell und Wanaka gefahren. Auf dem Weg haben wir tatsächlich noch ein wenig NZ-Geschichte abbekommen und „darin“ sogar geschlafen.  Am vorletzten Sonntag hatten wir uns in Omakau in das „Commercial Hotel“ eingebucht, welches  ganz im Stil um 1900 eingerichtet war: enge Räume ohne Fenster (im Innenbereich) und schmale Betten mit extra-weichen Matratzen…
Cromwell entpuppte sich als kleine Überraschung: Endlich konnten wir in der Cromwell „Historic Town“ eine alte Goldgräberstadt mit den alten Steinhäusern und Schuppen erleben. All das hatten wir uns eigentlich von den vielen Goldgräberstädchen in Central Otago und entlang des Rail Trails erhofft. Doch dort sind die Goldgräbersiedlungen nur noch zu erahnen…

Den Haast Pass haben wir dieses Mal bei gutem Wetter erlebt und mussten nicht darüber schwimmen – es gab sogar Sonne.
Nach einer Nacht in Franz Joseph sind wir noch einmal hiken gewesen – auf dem Copland Track, der nahe der Bruce Bay zwischen Haast und Fox Glacier beginnt. Der Track selbst ist bis zur ersten Hütte 17 Kilometer lang und kann als Overnight Tramp zur ersten Hütte, der Welcome Flat Hut, gelaufen werden. Wer möchte, kann sogar von hier aus in zwei weiteren Etappen die Southern Alps auf dem Copland Pass ins Hooker Valley überqueren um dort zum Mt. Aoraki (Mt. Cook) zu gelangen – man sollte sich dafür aber reichlich Erfahrung und eine Eisaxt einpacken. Übrigens ist das nach wie vor die kürzeste Verbindung für Zweibeiner (die auch auf diesen unterwegs sind) von Westküste zum Mt. Aoraki.

Den Pass haben wir also verständlicherweise nicht überquert und haben uns nur für das erste Wegstück entschieden. Es dauerte immerhin sieben Stunden, bis wir unsere Hütte erreicht hatten – wir mussten einen „größeren“ Fluss (Rough Creek) und ein paar Bäche durchwaden. Alle anderen Flüsse hatten dann doch schon Flutbrücken bekommen, durch die der Weg erheblich leichter wurde. Aber wir mussten auch an einem nicht zu unterschätzenden Landslip vorbei. Auf 500 Metern Wegeslänge waren hier vor nicht langer Zeit eine oder mehrere Lawinen abgegangen. Bei Regen sollte man das Gebiet besser meiden. Beispielsweise gab es dort einen Baum, der zwar über uns noch senkrecht stand, dessen Wurzelwerk aber schon zu zwei Dritteln unterspült worden war…

An der Hütte warteten bereits ein paar natürliche heiße Quellen auf uns, in denen wir uns den ganzen Abend herumgesuhlt und mit anderen Wanderern gequatscht haben. Schon irgendwie cool, wie man da so stundenlang in den heißen Quellen herumsitzt;  umgeben von den schneebedeckten Bergen der Southern Alps, die immer Mal aus den Wolken hervorschauen. Gekrönt wird das ganze durch viele Vögel, die hier oben so im Wald vor sich her erzählen… Herrlich!!

Einen Tag später hatte uns die Zivilisation wieder und leider auch der Regen. Nach einem Strandbesuch in Okarito (bei dem wir uns im Strand verewigt haben – seht aber selbst!) sind wir nach Pukekura gefahren, einem Ort mitten im Nirgendwo, in dem es gerade mal zwei Einwohner gibt. Die beiden betreiben das Bushman’s Center, ein uriges Backpacker, Pub, Museum und Café mitten im Nirgendwo. Alles ist hier liebevoll typisch Kiwi eigeichtet. Man kann gegen eine Spende Possum Pie mit echtem Possumfleisch probieren (Spende, da Possum sich noch nicht als Grundnahrungsmittel in NZ durchgesetzt hat und daher nicht verkauft werden darf) oder man lernt wie die legendäre Riesensandfly, die direkt neben der Straße hängt, so lebt;-). Im Pub gibt es das legendäre Puke Menu, so zum Beispiel „Roadkill of the day – you kill ‚em we grill ‚em“  oder „Tourist Sandwich – all kinds of foreign filling“.  Auf Possum haben wir verzichtet, dafür aber hier genächtigt und im Pub Rehbraten á la Kiwi gegessen! Lecker! Pukekura ist ein echter Tipp, wenn man einen Sinn für schwarzen Humor hat und nicht gerade aus Auckland kommt…;-)
Nach unserer Nacht in Pukerua sind wir nach Greymouth gefahren, wo wir nun nach zwei Regentagen endlich Sommer haben und morgen wohl gegen fünf Uhr aufstehen werden, da wir nochmal für einen ganzen Tag im Paparoa Range wandern wollen.

Gestern habe ich (Seb) in Barrytown an einem Eintageskurs teilgenommen und mir (für Australien) ein Buschmesser mit eigenen Händen gefertig! Unter der fachmännischen Anleitung von Steven, ein wirklicher Westcoast-Urkiwi, war das „ganz“ einfach –  seht aber selbst auf unseren Bildern! Das Messer ist von mir geformt und geschmiedet worden und mit Hilfe von Steven veredelt worden – an nur einem Tag!

Da wir wohl vor Weihnachten nicht noch einmal einen Artikel schreiben werden, möchten wir Euch allen ein wunderschönes, ruhiges und weißes Weihnachtsfest wünschen. Feiert schön im Kreis eurer Lieben und genießt die Feiertage!