Zaun am Slope Point, Catlins New Zealand

Catlins, Central Otago und Rail Trail

Dunedin, Neuseeland

Lang hat es uns natürlich nicht nach unserem Hump Ridge Track in Tuatapere gehalten und so sind wir weiter in Richtung Catlins mit Stopp in Invercargill gefahren.
Invercargill selbst war für uns nur ein Versorgungs-Schlaf- und Tankstopp. Aber uns ist aufgefallen, dass es hier gar nicht so schlecht ist, wie so viele behaupten. Ok, wir hatten natürlich schönes Sonnenwetter und sind im schönen Stadtpark von Invercargill unterwegs gewesen.
Nach einer Nacht in Invercargill sind wir weiter entlang der Southern Scenic Route in die Catlins gefahren. Wir wollten nach den vielen Bergen im Fjordland endlich wieder Sonne, Strand und Meer genießen  – und die Catlins sind dafür (fast) ein Gutwettergarant.

Unser Weg führte uns zunächst an den Waipapa Point. Diesen Strand haben wir ganz bewusst ausgewählt, da wir 2007 bei unserer ersten Tour durch die Catlins hier massenweise Pauas gefunden haben. 2007 war hier zudem alles wild, und eher unerschlossen. Fast zwei Jahre später ist der Waipapa Point schon mehr zur Touristenattraktion geworden. Viele Autos, Schautafeln und sogar Toiletten sind hier hinzugekommen. So schön wie es hier ist, aber irgendwie hat NZ hier ein Stück Wildnis verloren… Pauas haben wir übrigens reichlich gefunden!

Weiter ging es zum Slope Point, dem südlichsten Punkt auf der Südinsel NZ`s. 2007 konnten wir diesen nicht anfahren, da der Weg dorthin leider gesperrt war – Lämmerzeit! Diesmal waren die Lämmer schon im Teenageralter und wir konnten ohne Probleme passieren. Und auch das Wetter spielte hier sehr gut mit- normalerweise windet es hier recht stark. Wie aber konnten leicht bekleidet und barfuß zum Slope Point laufen und dort ein paar recht witzige Fotos machen (siehe Startseite).

Nächste Station war die Curio Bay mit angrenzender Porpoise Bay. Curio Bay war schön, aber  Porpoise Bay echt faszinierend! Wir haben dort nämlich surfende (!!) Hector Delphine gesehen. Die  Delphine schwammen ziemlich nah am Ufer bei all den (menschlichen) Surfern, die auf die perfekte Welle warteten. Bevor allerdings sich die Wellen brachen, schwamm mit den Wellen ein ganzer Schwarm Delphine mit – wir haben uns gefragt, wer von wem sich das Surfen abgeguckt hat!
Geschlafen haben wir zwei Nächte lang in der Surat Bay, wo wir wieder Seelöwen „getroffen“ haben.

Von den Catlins aus haben wir unser nächstes „Projekt“ in Angriff genommen. Wir sind nach Middlemarch in Central Otago gefahren und dort den Spuren der alten Eisenbahn und der Goldgräber gefolgt.
Middlemarch ist wie es klingt und liegt quasi „in the middle of nowhere“. Es gibt einen Campground, zwei Cafés und einen kleinen Shop. Für Radler ist Middlemarch ein Paradies. Es gibt nämlich bei gleich drei Firmen Fahrräder zu mieten und von hier kann man den Central Otago Rail Trail beginnen- Klar, das wir das auch machen!

Geografisch liegt Middlemarch übrigens sehr interessant: Hier in der Nähe findet man zwischen zerklüfteten Steinen Neuseelands einzigen Salzsee auf dem Festland – an seiner tiefsten Stelle gerade mal 30 cm tief. Die Umgebung darum haben wir zu Fuß erkundet – echt cool und völlig anders, als wir uns Central Otago vorgestellt haben: Die ganze Gegend ist eine Art Plateau, auf dem  es haufenweise Felsbrocken gibt. Das zugehörige Gebirge wird Pillar Range genannt.

Letzten Mittwoch haben wir dann Auto gegen Bikes getauscht und wollten den Rail Trail von Middlemarch aus beginnen und mit einem Übernachtungszwischenstopp in das ca. 80 km entfernte Wedderburn fahren. Aber wir haben das Wetter hier völlig unterschätzt!! Zwar schien die Sonne und die Luft war angenehm warm, aber es stürmte. Zunächst haben wir unsere Räder abgeholt und versucht ein paar Kilometer auf dem Rail Trail zu fahren. Es blieb beim Versuch und nach gut fünf Kilometern gaben wir erstmal auf! Der Gegenwind war einfach zu stark, auf ebener Strecke war einfach gar kein Vorankommen. Also sind wir mit Rückenwind hurtig zurück nach Middlemarch und konnten dort mit sehr viel Glück einen Transport arrangieren, der uns noch am selben Tag samt Räder nach Wedderburn brachte.

So starteten wir am Nachmittag den Rail Trail zum 2. Mal ex Wedderburn – schön downhill und mit Rückenwind! Endlich konnten wir (vernünftig) radeln! Die Gegend hier ist einfach herrlich wild und scheint unendlich! Da wir so spät gestartet sind, waren wir auch die einzigen, die an diesem Abend noch auf dem Trail unterwegs waren. Also wirklich nur wir, weite Landschaft und ganz viele Schafe! Erster Zwischenhalt war Rainfurly, einem Ort, von dem wir vermuten, dass er der größte der Gegend sein muss. Das alte Bahnhofsgebäude war schön renoviert worden und beherbergte sogar eine I-Site. An sich fanden sich hier auch einige Geschäfte und recht viele Steinhäuser im Artdeco-Stil.

Weiter ging es in Richtung Etappenziel Kokonga entlang des alten Rail Way. Nach Rainfurly ebnete der Weg sich ein wenig und wir mussten auf dem Schotteruntergrund ein wenig in die Pedale treten. Nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt, drei Stationsstempeln (es gibt an jeder ehemaligen Bahnstation einen Stempel abzuholen) und kurz nach einem Regeneinbruch erreichten wir Kokonga.

Kokonga ist nicht viel mehr als ein Stationsschild, eine Farm und ein Backpacker. Wir nächtigten im „2-Wheel Backpackers“, wo uns Fred willkommen hieß. Da wir über die Garage eintreten mussten, dachten wir schon wir wären in einem Backpackeralptraum gelandet: Die Garage beherbergte  uralte Möbel die zu einer Art Lounge angeordnet waren. Das vermeindliche Wohnzimmer entpuppte sich aber nur als Herberge für unsere Räder. Im Inneren war das Haus klassisch altehrwürdig englisch eingerichtet. Wir hatten das ganze Haus mitsamt schönem Feuerchen für uns! Übrigens können Nächte in Central Otago sehr ruhig werden – von draußen hörten wir keinen einzigen Mux!

Am nächsten Tag ging es entlang des Taieri Rivers durch Tunnel, über Brücken und herrliche Flusstäler. Der Fluss entpuppte sich als wahre Oase in der sonst so kargen Umgebung (seht einfach unsere Bilder). Am Donnerstag Nachmittag trudelten wir schließlich wieder in Middlemarch ein, wo wir unsere liebgewonnenen Bikes (wirklich klasse Räder!!!) wieder abgeben mussten.

Natürlich haben wir nur einen Teil der alten Bahnstrecke von Dunedin nach Cromwell gesehen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, den noch mit dem Zug zu erfahrenden Teil mit der  Taieri River Gorge Railway zu erfahren. Ganz klassisch sind wir also gestern in Middlemarch in den Zug gestiegen und über das  Taieri River Gorge nach Dunedin gefahren! Eine der wohl wirklich schönsten Bahnstrecken, die wir bisher gesehen haben. Die Streckenführung durch das Tal ist einfach nur gigantisch und man kann sich fast gar nicht satt sehen! Aber seht selbst unsere Bilder.

Leider ist das Wetter in Dunedin nicht so schön – es regnet hier! Also habe ich (Seb) mich entschlossen, heute Nachmitag eine Tour durch die alte Speights- Brauerei in Dunedin mitzumachen. Hier wird noch in alten Kupferkesseln und Holzfässern Bier gebraut, allerdings nur für Bierfässer. Von wegen Reinheitsgebot: Hier wir mit Zucker nachgeholfen!

Am Sonntag werden wir wieder mit der Bahn nach Middlemarch fahren und unser Auto dort abholen. Von dort aus planen wir wieder in Richtung Westküste zu fahren um dann (leider schon) bald wieder über den Arthurs Pass nach Christchurch zu fahren. Aber vorher steht noch ein Overnight tramp unterhalb der Gletscher an!