Bagan - Tal der tausend Pagoden

Bagan – Tal der tausend Pagoden

Bagan, Myanmar

Unser Bus nach Bagan - hier kurz vor Abfahrt in Mandalay

Unser Bus nach Bagan – hier kurz vor Abfahrt in Mandalay

Busfahren ist in fremden Ländern eine gute Möglichkeit um Land und Leute kennenzulernen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, mit dem Bus von Mandalay nach Bagan zu reisen. Auch diese Fahrt ist in Myanmar wieder ein kleines Abenteur für sich, denn es geht mit dem Reisebus über einspurige Eisenbahnbrücken oder durch staubige Flussbetten abseits der Hauptsstrecke.

Bagan erreichen wir in der größten Mittagshitze. Es ist heiß, sandig und sehr staubig. Schon auf dem Weg zum Hotel bekommen wir die ersten der über zweitausend Backstein-Pagoden hier im Tal des Ayeyarwady-Flusses zu sehen. Bagan selbst gilt als das Gegenstück der bekannten Tempelstadt Angkor Wat in Kambodscha – also eine der architektonischen Meisterleistungen in Südostasien. Im Gegensatz zu Angkor steht Bagan jedoch nicht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes, da die Birmesen aufgrund mangelnder Gelder recht frei in der Erhaltung der Anlagen agieren.

Touris sitzen wie die Heringe am Sunset Point - auf der Shwesandaw Pagode

Touris sitzen wie die Heringe am Sunset Point – auf der Shwesandaw Pagode

In den frühen Abendstunden als sich die Hitze ein bisschen gelegt hat, brechen wir mit zwei geliehenen Fahrrädern auf um die ersten Pagoden in dem riesigen Areal zu erkunden.  Zunächst heißt es viel Staub schlucken, denn wir landen ausgerechnet mitten in einem Konvoi aus Bussen, die sich zum bekannten Sunset-Point an der Shwesandaw-Pagode durchschlagen. Der sandige Untergrund auf den Pisten lässt unseren Ausflug zum Kraftakt werden, aber wir werden schließlich mit einem ersten fantastischen Sonnenuntergang belohnt, den wir von der Law-ka-ou-shaung-Pagode mit einigen anderen Touris genießen. Diese ist eine gute Alternative zur nur wenige hundert Meter entfernten Shwesandaw-Pagode, wo es aufgrund der hunderte Menschen, die sich auf die Stufen und Terassen quetschen, weniger idyllisch zugeht.

Die Nacht ist klar und der nächste Morgen ist entsprechend frisch – zum ersten Mal packen wir in Myanmar den langen Pullover aus. Nach dem Frühstück warten dann ein ordentliches Mountainbike und eines der vielen lustigen E-Bikes, oder eher E-Roller, auf uns. Wegen ihrer Hand hat sich Anne vorsorglich für eines der Gefährte entschieden und fährt mir fortan quasi davon.

Landwirtschaftliche Nutzung zwischen den Pagoden

Landwirtschaftliche Nutzung zwischen den Pagoden

Bagan ist eine archeologische Welt für sich. Die insgesamt 2230 Monumente können wir kaum erfassen. Die meisten der Anlagen sehen aus wie alte Backsteinbauten –  im Laufe der Zeit haben sie ihren Stuck  verloren, doch noch immer wirken sie mächtig und prunkvoll.  An alle Tempel und Pagoden kommt man ungehindert heran und auch hinein. Ist mal ein Tor verschlossen, so findet sich recht schnell jemand, der dieses gegen ein kleines Trinkgeld öffnet oder uns herumführt. Die Gegend wirkt wie ein riesiger Abenteuerspielplatz auf uns.  Immer wieder begegnen wir Menschen, die das Land zwischen den Anlagen als Acker- und Weidefläche nutzen. Wirklich leben dürfen die Einheimischen hier aber nicht mehr –  Neu-Bagan musste ihre neue Heimat werden.

Jedes der Backsteinmonumente für sich hinterlässt bleibende Eindrücke bei uns, in vielen Anlagen sitzen oder liegen Buddha-Statuen oder es existieren hunderte Jahre alte Wandmalereien an den Innenwänden der Tempel. Von außen kann man noch heute erahnen, wie reich sie einst verziert waren. Der wohl beeindruckenste Bau ist der mächtige Ananda-Tempel mit seiner alles überragenden rot-goldenen Kuppel. Im Inneren gibt es hohe Wandelgänge mit hunderten Nischen in den Wänden, in denen ein kleiner Buddha sitzt. Im Kern der Anlage stehen vier riesige erhabene Buddha-Statuen.

Ganz nah - die Pagoden Bagans von oben

Ganz nah – die Pagoden Bagans von oben

„Good morning Ladies and Gentleman“ – im feinstem Oxford-Englisch werden wir von einem Ballonpiloten am frühen nächsten Morgen in einem Stadion in Nyaung U empfangen. Noch während es dämmert, bereiten sich hier gleich fünf Ballons auf den morgendlichen Start vor. Es dauert nicht lange und wir sitzen mit 14 anderen Ballonfahrern im Korb und schweben los – unter uns jubeln und winken uns die Einheimischen zu. Christophe – unser Pilot – erweist sich als echter Glücksfall, denn er ist ganz vernarrt in seinen Ballon. Mit uns will er sich so viele Tempel wie möglich von der Nähe ansehen. Langsam schweben wir über das morgendliche Bagan. Überall ist es dunstig und es wabert leichter Morgennebel zwischen den Tempeln und Pagoden, der die Welt unter uns ziemlich mystisch erscheinen lässt. Im Tiefflug umfahren wir die wichtigsten und größten Tempelanlagen. Die besondere Thermik erlaubt diesen Zick-Zack-Kurs. Einmal streifen wir eine Palme unter uns, aber dafür können wir einen Tempel weiter fast auf Augenhöhe den dort sitzenden Sonnenaufgangsbeobachtern einen guten Morgen wünschen. Leider ist die Fahrt nach einer Stunde schon wieder vorbei und wir werden mit einem Glas Champus in den Ballon-„Adelsstand“ erhoben. Von dieser Fahrt werden wir noch tagelang schwärmen… .

Den restlichen Tag erkunden wir noch einmal Tempelanlagen. Wir machen unter anderem Halt an dem riesigen Dhammayangyi- Tempel, der größte und sagenumwitterste Tempel hier in Bagan. Markant ist sein unfertiger Backsteinbau, denn der damalige Erbauer ließ noch während der Errichtung der Anlage den verantwortlichen Architekten umbringen. Folglich wurde er nie vollendet. Noch heute trauen sich die Einheimischen nachts nicht in die Anlage, da wohl ein böser Fluch auf ihr liegen soll. Aus diesem Grund wird er auch nicht renoviert und ist heute mit seinen Wandelgängen das dunkle Zuhause für Fledermäuse.