Glänzendes Gold überall - rund um die Shwedagon-Pagode

Ankommen in Myanmar – Erste Station: Yangon

Yangon, Myanmar

Blick von unserem Hotel auf die Sule- und Shwedagon-Pagode

Blick von unserem Hotel auf die Sule- und Shwedagon-Pagode

Nach ca. 12 Stunden Flug kommen wir morgens in Yangon am Flughafen an. Unser Reisepass und unser Visum wird bei der Immigration eingehend geprüft, alle Daten werden aufgeschrieben, wir werden fotografiert und dürfen passieren.  – „Warmly welcome and take care of tourists.“ 😉 – Draußen wartet auch schon unser Guide für die nächsten Tage: Min Thu. Er bringt uns gemeinsam mit einem Fahrer mit dem Auto zum Hotel und füttert uns auf der knapp einstündigen Fahrt ins Stadtzenrum mit ersten Facts über Myanmar. Dann gibt er uns noch mit auf dem Weg wieviel ungefähr eine Taxifahrt vom Hotel ins Zentrum kostet, damit wir fürs Handeln eine realistische Basis haben.  Es folgen noch ein paar Tipps, was wir in Yangon so machen können. Dann lässt er uns auch schon für den Rest des Tages allein, damit wir in Ruhe ankommen können. Das Abholen hätte damit schon mal super geklappt!

Den ersten Tag bringen wir damit zu ein bisschen im Park rund um das Unabhängigkeitsdenkmal mitten im Zetrum von Yangon abzuhängen und uns ans Klima zu gewöhnen. Im Park werde ich (Anne) immer recht intensiv beguckt. Auch wollen sich junge Mädels mit uns fotografieren lassen. Und zwei Jugendliche sind  sehr interessiert an uns, quatschen uns freundlich auf Englisch an und wollen uns mit auf ihre Schule einladen. Wir fühlen uns irgendwie exotisch und ein wenig wie Zootiere, machen uns anfangs einen Kopf darum, ob wir irgendwie unangemessen angezogen sind, dass uns so viele Leute hinter her schauen, kommen aber schließlich zu dem Schluss, dass wir großen bleichen Europäer scheinbar einfach nur interessant für die Leute sind.

A prospos Kleidung: der Großteil der Burmesen trägt einen Longyi – egal ob Mann oder Frau. Das ist eine Art Wickelrock, langbeinig und diesen gibt’s in den verschiedensten Mustern und Farben. Beispielsweise Karo, ein Muster was  eher von den Männern getragen wird.  Auch haben Männer und Frauen eine unterschiedliche Art und Weise den Rock zusammen zu halten.  Ein Longyi trägt sich schön luftig bei den warmen Temperaturen und schützt nebenbei auch noch vor Mückenstichen.

Trishawfahrer, der während seiner Warterei auf Kunden Betel-Nüsse kaut (sieht man an seinem roten Lächeln)

Trishawfahrer, der während seiner Warterei auf Kunden Betel-Nüsse kaut (sieht man an seinem roten Lächeln)

Neben der Erkenntnis, dass viele Menschen diese „traditionelle“ Kleidung tragen und man wenig Hosen im Straßenbild sieht, hat uns auch überrascht wie verbreitet es nach wie vor ist, dass insbesondere die Frauen ihre typische Gesichtspaste tragen, aber auch viele Kinder und manchmal Männer. Die Paste wird aus Tanaka-Holz gewonnen. Die Birmesen zereiben das Holz auf einer Art Schleifstein, vermischen das so so entstandene Pulver mit Wasser und tragen es so auf die Haut auf. Sie schützt vor der Sonne und entspricht dem Schönheitsideal der Burmesen –  besonders wenn die Paste auf den Wangenknochen aufgetragen wird.

Bereits in den ersten Stunden in Yangon können wir eine weitere sehr spezielle Eigenheit beobachten: Scheußlich rot gefärbte Zähne in den Mündern der Männer und das Ausspucken einer blutroten Flüssigkeit in den Straßengraben, die auch noch einen recht farbintensiven blutroten Fleck hinterlässt. Hintergrund dieser Spuckerei ist das sogenannte Betel-Kauen. Zerhackte Betelnüsse werden in ein Betelblatt gewickelt, welches mit gelöschtem Kalk bestrichen ist, das ganze wird zusammengewickelt und dann wird stundenlang drauf herumgekaut und ergibt eine rote Soße im Mund. Teilweise werden noch Gewürze untergemischt um den bitteren Geschmack aufzuwerten. Das Kauen der Betelnüsse hat wohl eine entspannende Wirkung und verhindert Müdigkeit.

Hühnertransport

Hühnertransport

Später am Tag statten wir dem mächtigen Yangon-River einen Besuch ab und setzen mit den Einheimischen an das gegenüberliegende Ufer über. Allerdings  steigen wir dort gar nicht aus , sondern fahren einfach wieder zurück. Uns genügt es das Treiben an den Anlegestellen und auf dem Fluss zu beobachten. Und da wird etliches auf den Köpfen der Leute oder dem Fahrrad transportiert – egal ob Schrank oder Reissäcke. Das befremdlichste, was wir hier zu sehen bekommen, sind dutzende lebende Hühner, die kopfüber aufgehangen mit dem Fahrrad zum Markt transportiert werden. Ganz nebenbei verrät uns ein mitreisender Tourist, das in China eben die Vogelgrippe ausgebrochen sei,  aber das sei hier noch nicht bekannt… Ach ja, da Schiffe wie auch Züge staatlich sind, müssen wir für unser Fährticket einen vielfachen des normalen Fahrpreises zahlen. Dazu werden wir in das Büro des „Station-Managers“ umgeleitet,  ein kleines schmuddeliges Büro mit Schreibtsich, in dem der Stationsvorsteher uns unser Touristenticket gegen harte US$ aushändigt.

Abends begeben wir uns noch auf abenteuerliche Fahrt mit einer Trishaw in Richtung Chinatown – ein weiterer Tipp unseres Guides. Dort brodelt das Leben sobald es dunkel wird. Die Hauptstraße ist ein einziger Markt, wo wir uns leckere Sattay-Spieße gönnen. Obwohl die Straße quasi schon von den Händlern blockiert ist, wollen immer noch unzählige Autos vorbei an den vielen Menschen auf der Straße. Alles ist vollgepropft von Menschen, Autos und Marktständen. Bei den vielen Marktständen, Gar- und Teeküchen, die es so zahlreich an den Straßenrändern in Myanmar gibt, ist die Ausstattung der wenigen Sitzplätze für uns sehr lustig anzusehen. Denn es handelt sich nämlich um Plastiktische und Stühlchen, die wir her aus der Kinderabteilung kennen.

Burmesisches Frühstück mit Min Thu

Burmesisches Frühstück mit Min Thu

Der nächste Tag wird kulturell – es wird unser erster Kontakt mit buddhistischen Klöstern, goldenen Pagoden und Buddhas. Den halben Tag verbringen wir mit Min Thu rund um die Shwedagon Pagode. Der Tag beginnt mit einer Einladung in eine Art Teeküche, in der wir ein typisch burmesisches Frühstück serviert bekommen – eine stark knoblauchlastige Suppe mit Nudeln, Fischpulver, fritierten Nüssen und diverse andere Zutaten. Dazu gibt’s Koriander und Zitrone und wie überall in Myanmar wird kostenlos grüner Tee dazu gereicht.

Danach geht’s auf einen lokalen Markt, der gleich unterhalb der Shwedagon Pagode ist – sehr spannend! Es gibt allerlei, was man so zum Leben braucht: Über Obst & Gemüse, Longyis, Kosmetikprodukte bis hin zu handgefertigten Glasmosaikkästen für den heimischen Altar. Und natürlich gibt’s auch eine Fleisch- und Fisch-„Abteilung“, allerdings ohne Kühlung. Vor Ort werden Huhn & Co in ihre Bestandteile zerlegt – wir sind ziemlich froh hier nur in Flip Flops unterwegs zu sein und atmen lieber nicht zu tief ein.
Klimatisierte, reinliche Supermärkte, wie wir sie kennen, sind in Myanmar noch nicht so wirklich verbreitet. Alles, was die Menschen brauchen, kaufen sie in der Regel auf dem Markt oder kleinen Lädchen am Straßenrand. Diese haben keine Schaufenster oder Ladentür, sondern sind kleine Verschläge, die zur Straßenseite offen sind und dort eine kleine Theke haben, an der man seine Bestellung los werden kann. Der Verkäufer gibt dann die gewünschten Sachen aus dem hinteren Teil des Lädchens heraus.

Seb beim rituellen Wasserschöpfen in der Monday Corner

Seb beim rituellen Wasserschöpfen in der Monday Corner

Die Shwedagon-Pagode ist ein faszinierender Ort und DIE Sehenswürdigkeit in Yangon. In der Mitte steht eine riesige vergoldete Stupa (ein bisschen wie eine Glocke  aussehender Turm), die ganz oben unter ihrem „Schirmchen“ wertvollen Goldschmuck und Juwelen mit sich trägt. Die komplette Kuppel der über 100 Meter hohen Stupa ist mit einem Mantel von Steinen aus purem Gold in der Größe eines Ziegels verziert. Rundherum gibt es auf dem Gelände unzählige weitere Stupas, Tempel und Buddhas. Die Pagode steht auf einem kleinen Berg, der über vier langgezogene Treppenaufgänge, ausgerichtet in jede Himmelsrichtung, erreichbar ist. Nachdem wir unsere Schuhe abgegeben, die „Sicherheitskontrolle“ (also das Passieren eines piepsenden Metalldetektors mit anschließendem vorsichtigem Abklopfen der Hosentaschen durch den Sicherheitsbeamten) passiert und den Treppenaufgang nach oben schwitzend geschafft haben, fragt uns unser Guide Min Thu, an welchem Wochentag wir denn geboren sind. Nach einem Blick auf seinen Tablet wissen wir, dass wir beide Montagskinder sind. Unser Tierkreiszeichen ist also ein Tiger und wir passen somit als Paar so gut zusammen, dass auch eine Hochzeit unproblematisch ist – was für ein Glück! Somit können wir in die Montags-Ecke (Monday Corner) gehen, um diverse rituelle Handlungen zu vollführen und eine Spende loszuwerden um unser Karma zu verbessern. Wir haben die Auswahl zwischen Kerze anzünden, um auch in düsteren Zeiten quasi immer Licht am Ende des Tunnels zu sehen, weiterhin könnten wir Blumen hinlegen um für ein gutes persönliches Ansehen zu sorgen oder wir können den Buddha und den Tiger mit Tassen voll Wasser beträufeln um für Zufriedenheit und Ausgeglichenheit in unserem Leben zu sorgen. Und damit wir dies auch in unserem nächsten Lebensjahr haben werden, sollten wir so oft Wasser schöpfen wie die Zahl unseres Lebensalters ist plus noch eine Tasse mehr. Wir schließen uns also den vielen einheimischen Pilgern an an.

Für einen guten Zweck: gemeinschaftliches Saubermachen

Für einen guten Zweck: gemeinschaftliches Saubermachen

Während unseres Rundgangs im Uhrzeigersinn (gut fürs Karma) rund um die zentrale große Stupa erzählt uns Min Thu die Geschichte, die sich hinter der Pagode verbirgt und er weiht uns in verschiedenste buddhistische Riten ein. Er erläutert uns,  welche der vielen Buddhas hier für welche Angelegenheit gut sind. So gibt es einen Buddha für glückliche Ehe, einen für den Kinderwunsch oder Buddhas für bestimmte Berufsgruppen, wie z.B. Fischer. Betet man zu einem dieser Buddhas und gibt Spenden, so werden sich hoffentlich die jeweiligen Wünsche erfüllen. Man kann aber nicht nur spenden und beten, um etwas gutes für sein Karma zu tun. Auch jegliche notwendige Handlungen rund um die Pflege von Buddhas, Pagoden und Klöster bedeuten eine gute Tat und sind gut für das eigene Karma. Später am Abend werden wir hier eine Gruppe von Menschen beobachten,  die sich mit Schrubber und Lappen bewaffnen und gemeinschaftlich in einer geschlossenen Linie den Boden säubern.

Nachdem wir unsere gemeinsame Zeit mit Min Thu an diesem Tag mit einem typisch burmesischen Mittagessen abschließen, ziehen wir auf eigene Faust nochmal los und betrachten uns Yangon vom Hitachi-Tower aus von oben. Dort befindet sich ein vergleichsweise nobles westliches Restaurant, in dem wir alibimäßig einen Kaffee trinken, um den Ausblick genießen zu können.

Später besuchen wir unseren ersten, riesigen liegenden Buddha. Dort spricht uns ein älterer Mann an, der wohl mal Mönch im nebenan liegenden Kloster war. Er zeigt uns dieses, nimmt uns  mit in die Gemeinschaftsschlaf- und Studierräume hinein und erzählt uns vom Leben als Mönch.  In Myanmar ist es  üblich, dass die Männer mindestens einmal in ihrem Leben für eine Zeit lang im Kloster leben. In der Regel verbringen sie bereits als Kinder ein paar Tage als Novize im Kloster. Meistens dann nochmal als Teenager und auch später im Leben. Wobei die Zeitspannen dabei individuell sehr unterschiedlich sind – angefangen von ein paar Tagen bis hin zu Jahren.