Wandern im Paradies!

Abel Tasman National Park

Nelson, Neuseeland

Wie angekuendigt ist es bei uns in der letzten Woche sehr gruen und vor allem seeehr waessrig geworden. Wir waren „mal wieder“ hiken – diesmal auf dem Abel Tasman Coast Track. Und wir waren nicht allein – Anja hat uns wieder begleidet.

Nachdem wir unsere Vorbereitungen (naemlich massenhafter Einkauf von Trockenfutter aller Art) abgeschlossen hatten, sind wir am Mittwoch also von Marahau mit dem Wassertaxi nach Totaranui gefahren. Diese Tour mit dem Schnellboot dauerte immerhin knapp zwei Stunden und wir wurden, eben wie typische Touristen, zu den schoensten Plaetzen an der Kuestenlinie des Nationalparkes gefuehrt – Split Apple, verschiedene Buchten und natuerlich Seals (Robben) auf Tonga Island.

Gut gelaunt erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein und gut 20 Grad unser Ziel Totaranui. Von dort aus starteten wir unseren Walk in Richtung Norden zum Seperation Point. Wir staunten wirklich an jedem Strand richtig Bauchkloetze – so stellt man sich das Paradies vor: Goldene, einsame Straende, kristallklares Wasser und drumherum ein dichter exotischer Busch. Und das alles koennte so schoen sein – waeren da nicht immer wieder dutzende Sanflys (Sandfliegen), die sich blutruenstig ueber einen hermachen. Da hilft meist nur noch Flucht – wir haben in diesen Tagen jeder gut 20 Bisse abbekommen!
Nach zwei Stunden Walk erreichten wir also den Seperation Point. Bereits auf dem Weg liess uns ein stechender Geruch (wie ein Pumakaefig) erahnen, was uns erwartete: Dutzende Robben, die sich faul in der Sonne rollten. Um diese Jahreszeit kann man hier viele von ihnen bestaunen, da sich an diesem Punkt alle Robben von der Suedinsel sammeln um zu ueberwintern. Als die Robben bemerkten, dass sie Besuch von Wanderern haben, wurden diese sogar richtig aktiv und begannen im Wasser vor uns zu spielen. Wir haetten hier Stunden haengenbleiben koennen.
Vom Seperation Paiont ging es weiter zu unserem Tagesziel, der Whariwharangi-Hut.

Diese erreichten wir aber erst so ziemlich im Halbdunkeln. In der Huette wurde es wieder interessant fuer uns, denn was haben andere Tramper zum Futtern eingepackt? Wir waren gar nicht so schlecht bestueckt mit unserem Trockenzeugs. Ein amerikanisches Paerchen, von uns spaeter (warum auch immer) „Schmusicruisi“ genannt, hatte einen ganzen Rucksack voller Gemuese, Brot, Wein und anderen Leckereien dabei – das hatten wir nicht mit uns herumschleppen wollen. Oder drei Franzosen, die aber auch so was von glasigen Augen hatten… Zum Fruestueck gab es bei denen erstmal ’nen Joint!

Mit dem Sonnenaufgang wachten wir am naechsten Tag auf. Wenig spaeter brachen wir auf, um ueber dem Gibbs Hill (500 Meter) und den Inland-Track zurueck nach Totaranui und anschliessend nach Awaroa zu laufen. Und wieder: Tolles Wetter, herrliche Ausblicke und eine Landschaft, als haette ein Maler seine Farbenpalette hier vergessen. An diesem Tag goennten wir uns nur eine Pause in Totaranui, denn wir mussten das Awaroa Inlet bei Low Tide ueberqueren, um sicher unseren Schlafplatz zu erreichen. Kennt Ihr den Witz? Was wuenscht man einem Tramper im Abel Tasman National Park? Moege die Tide mit Dir sein!
Das Awaroa Inlet ist zur Low Tide eine wasserleere Bucht mit einem riesigen Watt. Am Tag zuvor waren wir beits mit dem Boot in der Bucht unterwegs und konnten hier dutzende Stachelrochen im Wasser beobachten. Die Ueberquerung des Streckenabschnittes wurde zur echten Watt-Schlamm-Wanderung und, von wegen wasserleer, auch noch ziemlich kalt an den Fuessen. Wegen einiger knietiefer Streams (Baeche) mussten wir die Schuhe ausziehen und durchs eiskalte Wasser waden – brrr kann ich da nur sagen! Todmuede fielen wir ins Bett (oder besser in den Schlafsack auf einer Matratze). Und wir haetten bestimmt auch gut geschlafen, haette uns nicht mitten in der Nacht ein lautes Saegewerk (Schnarcher) geweckt. Und es hatte auch ein wenig geregnet.

Der naechste Tag sollte dann der anstrengenste werden. Wir hatten uns 21 Kilometer von der Awaroa -Bay zur suedlichen Anchorage Bay vorgenommen. Aber zunaechst genossen wir den Morgen in der Awaroa-Bay, die nun wieder mit Wasser gefuellt war und uber deren Bergenketten ein wunderbarer Wolkenhimmel mit Regenbogen erschien. Das Wetter klarte wieder auf und der blaue Himmel erschien wieder. Aber denkste! Als wir die Haelfte des Tracks an diesem Tag zuruekgelegt hatten (was gar nicht so einfach war, denn Anja hatte sich am Tag zuvor einen Nerv in der Huefte eingeklemmt und musste nun ihren Rucksack ueber eine Huegellandschaft schleppen) begann es zu regnen. Guter Hoffnung, dass es doch wieder aufhoeren koennte, wanderten wir tapfer weiter. Aber nein – der Regen wurde immer haeftiger und bald waren wir bis auf die Haut durchgeweicht.

Zwischendurch hatten wir auch noch eine interessante Begegnung mit unserem „Schmusicruisi-Paerchen“: Er motivierte sie weiterzulaufen lauthals mit: „Push baby, push baby!“ Kurz vorm Ziel wieder eine Wattueberquerung in der Torrent-Bay – diesmal bei stroemenden Regen und wieder mit nackten Fuessen (was besonders fiess wegen der vielen spitzen Muscheln im Schlick war) Mit dem Dunkelwerden erreichten wir unsere Huette in der Anchorage Bay. Dort wartete eine boese Uberraschung auf uns: Trotz Regenhuelle war es nass im Rucksack geworden. Das Wasser war von unseren Regenjacken ueber den Ruecken in die Rucksaecke gelaufen – toll. Die Nacht nutzten wir, um uns trockenzulegen.

Am vierten und letzten Tag legten wir die 10 km von Anchorage zurueck nach Marahau im Laufschritt zurueck – wir wollten bloss noch in ein warmes Backpacker!
Zurueck in der Hat Trick Lodge in Motueka blockierten wir drei erstmal eine ganze Weile die Duschen zum Aufwaermen. Abends folgte noch ein internationales Dinner, dei dem alle Backpacker ein landestypisches Essen fuer die anderen zubereiteten. Wir drei haben todmuede noch eine leckere (Danke Anja!!!) Kartofelsuppe zubereitet. Erst gegen 12 sind wir dann ins Bett gefallen.

Letzten Sonntag sind wir mit Anja dann nach Nelson gefahren, wo wir die letzten Tage verbracht haben und auch ihre Gastfamilie kennengelernt haben.