Queenstown, New Zealand

A Te Whenua – Shadowland

Queenstown, Neuseeland

Das schlechte Wetter hat uns nicht nur beim Humpridge Track einen Strich durch die Rechnung gemacht, auch im Fjordland sah es nicht besser aus und wir mussten auf die Great Walks verzichten, die wir dort eigentlich machen wollten… Aber nun erstmal der Reihe nach!

Im Fjordland haben wir uns fast eine Woche lang in Rosies Backpackers in TeAnau eingenistet. Ich kann Euch sagen: Wie bei Muttern zu Hause (der Tipp kam natuerlich auch von Anja… ihr O-Ton: Kueche ist super, hat alles, was das Herz begehrt, wie bei Muttern daheim!). Von dort aus wollten wir eigentlich das Fjordland erwandern – aber denkste! Von wegen Fruehling!!! Neuschnee in den Bergen, teilweise bis auf 300 Hoehenmeter! Aber der Schnee war nicht das Problem, sondern die damit verbundene Lawinengefahr. Und von Schnee hatten wir seit der Mueller-Hut erstmal genug! Ausserdem freuen wir uns ja euch alle wiederzusehen und wollten nicht wie der Oetzi im Schnee tief gefroren werden.

So haben wir die Great-Walks (Kepler Track und Routeburn Track) alle nur von ihren jeweiligen Enden angelaufen und sind bis zu den ersten Huetten unterhalb des Schnees gewandert. Aber auch schoen – vor allem der Regenwald! Dieser ist einfach unglaublich. Die Maori verwenden dafuer das richtige Wort: A Te Whenua – Shadowland (Schattenland). Wir haben wirklich noch nie einen so verwunschenen, dichten und vermoosten Wald gesehen. Subtrobisch, nass, ueberall lief das Wasser aus dicken Moospolstern und alle Baeume sind komplett von Mossen ueberzogen. In jeder Ecke rauscht Wasser – als Bach, Fluss oder einfach Regenwasser, was schon nicht mehr im Boden versinken kann. Charakteristisch fuer das Fjordland sind die steilen Berge, teilweise 1900 Meter hoch und alle bewaldet und mit Schnee-Zuckerhut drauf. Und ueberall fliessen Fluesse und Stroeme von den Bergen – fast als wuerden diese weinen…. Ach ja (seufz!) Einfach nur schoen!

Leider haben wir es nicht in den Milford-Sound geschafft. Grund dafuer war starker Regen. Und war es denn mal schoen, war die einzigste Zufahrtsstrasse 30 km vorm Ziel wegen Lawienengefahr geschlossen. Eine Kajaktoeur, die wir eigentlich geplant hatten, ist so leider ins Wasser gefallen.

Aber wir waren im Doubtful-Sound, dem tiefsten Fjoerd. Ein Tag lang waren wir auf dem Wasser, denn der Weg zum Doubtful-Sound war recht abenteuerlich! Erstmal mussten wir mit einem Boot ueber den kompletten Lake Manapouri zum Wilmort-Pass fahren. Mit dem Bus ging es zunaechst in die Manapouri Underground Powerstation (einem unterirdischen Wasserkraftwerk, welches man besichtigen kann) in 170 Meter Tiefe. Einfach nur krass, was sich die Ingenieure hier in den 60igern so ausgedacht haben! Besonders beeindruckend war zu erfahren, dass er quasi von Manneshand gebaut wurde, da es zu dieser Zeit noch nicht die grossen Tiefbohrer wie heutzutage gab. Unvorstellbar die Arbeitsbedingungen! Und das ueber 10 Jahre lang!

Nach der Powerstation ging es mit dem Bus ueber die steilste oeffentlichste Strasse Neuseelands: 22km Schotterpiste mit einem Minibus (der wirklich aechtzen musste) ueber den Wilmort-Pass zu Deep Cove im Doubtful-Sound (eine tiefe Bucht innerhalb des verzweigten Fjords). Von dort aus aufs Boot um drei Stunden im Sound herumzufahren. Um es kurz zu machen: atemberaubend und beeindruckend! Auf der Fahrt raus zum offenen Meer hatten wir gutes Wetter, auf dem Rueckweg regnete es wie aus Kannen, was nicht weiter schlimm war, denn der Sound hat bei diesem Wetter eine ganz eigene faszinierende Atmosphaere – eben Shadowland. Unser Kapitaen fuhr sogar bis ganz dicht an eine Felswand. Wir konnten diese anfassen, waehrend ueber uns ganz fein die Tropfen eines weit hoch liegenden Wasserfalls herabregneten. Voll cool! Von den vielen Wasserfaellen, die ihr davon so auf den Bildern sehen koennt, existieren die meisten nur durch Regen. Nur vier haben eine natuerliche Quelle, z.B. Fluss, zum Ursprung. Und Regen gibt es hier genug – so ca. (ein paar „Milliliter mehr oder weniger“…) 10! Liter pro Quadratmeter im Jahr!

Nachdem wir also fast eine Woche in TeAnau verbracht, auf besseres Wetter gehofft und hier und da einen kleinen Walk gemacht haben, sind wir weiter nach Queenstown am Lake Wakatipu gezogen.
Diese Stadt haben wir uns viel schlimmer vorgestellt (sehr touristisch, ueberteuert und voller Leute). Doch wir waren angenehm ueberrascht. Man fuehlt sich hier ein bisschen wie in einem Skiort in Oesterreich oder in der Schweiz. Schoen am See gelegen, Bars und Restaurants und drumherum schneebedeckte Berge. Sogar eine Gondola (Seilbahn) gibt es hier. Aber zugegebener Weise moechte man hier nicht wohnen. Zu viele verrueckte Touris, solche die sich fuer 160 $ fuer zwei Sekunden lang eine Bruecke runterstuerzen – bekannt auch als Bungy Jumping. Ausserdem scheinen wir gerade eine ganz gute Zeit erwischt zu haben, zwischen Ski-Winter- und Sommersaison, also nicht ganz so viele Menschen.

Naja, wir dachten also, dass wir hier wohl nur 2 Naechte verbringen werden … doch mal wieder hat uns unsere schon oft gemachte Traveller-Erfahrung gelehrt: Mach niemals Plaene beim Reisen! Denn inzwischen sind sind wir hier schon seit ca. 2 Wochen mit ein paar Tagen Unterbrechung in Wanaka. Wie alles kam?
Wir hatten „zu viel Zeit“, da wir keine Mehrtageswalks machen konnten (ueberall Lawinengefahr zu hoch). Somit dachten wir, wie waere es mit nochmal wwoofen. Unserer Finanzkasse wuerde das sicher auch ganz gut tun. Gesagt, getan … ein paar Anrufe erledigt und schon hatten wir einen Wwoofing-Platz in Punatapu. Sue, unsere Chefin, schrieb in der Anzeige, dass Okt bis Mai ihre busy time waere, Rehe und Ziegen vorhanden sind und sie Hilfe beim gardening braeuchte. (Keine Angst, wir bleiben nicht bis Mai hier!) Nun, wir waren gespannt, auf welch wilde Kiwi-Ranch wir da wohl kommen wuerden.

Da Sue zum Zeitpunkt des Anrufes aber noch an der Westkueste Urlaub gemacht hatten, konnten wir nicht sofort anfangen. Somit sind wir erstmal noch weiter nach Wanaka gefahren. Auf dem Weg dahin haben wir Halt in Arrowtown gemacht, ein suesses kleines Goldgraeberstaedtchen, das fuer neuseelaendische Verhaeltnisse richtig historisch war.
In Wanaka waren wir 2 Naechte und haben einen kleinen Walk zum „Rocky Mountain“ gemacht. Dieser war fantastisch. Hoch oben hatten wir einen tollen Blick auf Lake Wanaka und die Berge des Mt.Aspiring Nationalparks.

Zurueck zur „wilden Kiwi-Ranch“ Punatapu. Als wir dort ankamen in der Anahme von nun an eine Woche lang rehe und Ziegen zu hueten, hat es uns schier die Sprache verschlagen. Nein, es war keine typische wilde Kiwi-Farm, sondern das blanke Gegenteil! Punatapu ist ein riesiges Gelaende, auf dem ein Gebaeudekomplex im italienischen Stil steht. Dieser beherbergt 4 luxurioese Apartments, mit Swimmingpool, Spa, Sauna und allem Schnicki Schnacki. Ich glaube, so ein Schlafgemach werden uns wohl nie in unserem Leben mal leisten koennen. Nun ja, sauber machen koennen wir es wenigstens. Doch unsere Aufgaben auf Punatapu enthielt nur in den ersten Tagen grossen Fruehlingsputz, weil das Wetter fuer Outdoorarbeiten zu schlecht war. Jetzt arbeiten wir hauptsaechlich im 100 ha Garten. So erstrahlt der Kraeutergarten in neuem Glanze, wir haben neu gepflanzt (die schoenste Arbeit!) und und. Nebenbei spielen wir auch noch Amme fuer Kess – einem tuerkischen Hirtenhund. Wobei hier Hund der falsche Begriff ist! Kalb waere der bessere Ausdruck! Im Ernst: der Kopf von Kess reicht uns bis unter die Brust!! Wenn er anfaengt zu rennen, haben wir am Anfang richtig Angst bekommen. Doch inzwischen moegen wir ihn sehr, er ist ein ganz Lieber und wurde uebrigens extra aus Singapur eingeflogen.

Trotz dass wir hier arbeiten, fuehlen wir uns wie die Koenige. Denn arbeiten muessen wir nur ca. 4 h am Tag, Beginn ist, wann immer wir ausgeschlafen und gefruehstueckt haben, also auch sehr variabel. Essen bekommen wir so ziemlich das gleiche wie die Gaeste. So sind wir in den Genuss von Whitebait gekommen, ein wurmartig und durchsichtig aussehender Fisch, der eine Delikatesse in NZ darstellt. Schmeckt wirklich gut! Ausserdem bekamen wir an einem Abend ein ganzen Huehnchen (schweineteuer in NZ!) fuer uns allein vorgesetzt, nebenbei gibt es Lamm, Beef und sonstige neuseelaendische Spezialitaeten. Unsere Baeuche fuehlen sich wie im Schlaraffenland.

Nun zu unserer Unterkunft: Einfach nur geil! Eine Holzhuette im Goldgraeberstil gebaut, hoch oben auf dem Berg gelegen. Beste Aussichten garantiert. Das Beste aber ist eine Wanne in einem schnuckeligen Bad, das man mit Kohleofen befeuern kann. Wir hatten in der letzten Woche also unser erstes Bad seit reichlich 10 Monaten!!! (keine Angst, geduscht haben wir hier schonmal…)

Kurzum, wir fuehlen uns sauwohl – wuerde da nicht ab und zu die Erde wackeln! Und das auch noch Nachts. Jaja, Neuseeland ist in letzter Zeit richtig aktiv! Drei Erdbeben innerhalb von 36 Stunden! Das Erste erwischte uns im Bett – ploetzlich wackelte unsere Holzhuette fuer gut 30 Sekunden. Das naechste am Morgen danach: Wir waren im Garten, als ein tiefes Grollen herannahte. Das Haus begann zu wackeln und unter uns bebte der Boden ruckartig. Das Dritte haben wir in der darauffolgenden Nacht glatt verschlafen, man gewoehnt sich wohl an alles! Wir wissen aber immer noch nicht, ob wir davor Angst haben sollten oder einfach nur fasziniert sind… Das Bebenzentrum lag uebrigens nur 15 Flugminuten von hier entfernt im Milford Sound, 40 km unter der Oberflaeche.

Und manchmal ist alles Fuegung! Es geht auf unser Ende in NZ zu und der Kreis schliesst sich: Wir haben Kate und Duncan voellig ueberraschend in Queenstown getroffen. (Als kleine Gedankenstuetze: das sind die beiden Englaender, mit denen wir und Anja in Ahipara Weihnachten gefeiert haben und am Cape Reinga waren, also 2 der Freunde, die wir hier in NZ gewonnen haben.) Und nur, weil wir gerade mal tanken fahren mussten… Wir hatten einen schoenen Nachmittag zusammen und die Beiden werden uns Uebermorgen als Wwoofer in Punatapu abloesen. Mit Beiden haben wir uns noch einmal in Sydney verabredet.

Wir werden am Dienstag hier in Richtung Christchurch aufbrechen und dort am Freitag unser Auto abgeben. Falls Ihr dann eine Woche nix von uns hoert: Wir sonnen uns gerade in Samoa! Also bis bald!